Eine winkende Katze auf Welteroberungskurs

Wer hat sie nicht schon mal irgendwo gesehen, die winkende Katze? Im Chinarestaurant, auf Messen, vor dem Gamecenter, im Schaufenster, auf dem Dach eines Lottohäuschens… Was, etwa nicht? Na gut, zumindest in Japan ist Maneki Neko aus keiner Stadt mehr weg zu denken.
Sie stellt eine japanische Bobtail-Katze mit (herbei-) winkend erhobener Pfote dar, ist Glücksbringer und Kundenmagnet zugleich, steht für Wohlstand, Erfolg, Freundschaft und Schutz und teilweise sogar für Liebe und Erfolg beim Lernen. Das kommt ganz darauf an, in welcher Farbe sie auftaucht, aber dazu später noch mehr. Jetzt erzähle ich euch erstmal, wie es dazu kam, dass diese niedliche Knuddelkatze einem in Japan so gut wie überall über den Weg läuft.

Es gibt drei verschiedene Legenden, wie es zur ersten getöpferten Winkekatze kam, die populärste davon ist die des Gōtokuji-Tempels im Westen Tokyos, den ich letztes Wochenende bei Regen besucht habe. Eigentlich scheint er auf den ersten Blick ein Tempel wie jeder andere auch zu sein, hätte es nicht die Legende, wie er zu dem geworden ist.
Tja, dann erzähle ich euch jetzt mal eine Geschichte =^^=

Es war einmal ein sehr armer Mönch, der in einem kleinen, heruntergekommenen Tempel im Westen Tokyos lebte. Er besaß nichts außer dem Dach über dem Kopf, das ihm der Tempel bot, und einer Katze, mit der er alles teilte.
Eines Tages gab es ein heftiges Gewitter, in dem ein unbekannter Edelmann, der eigentlich auf dem Heimweg gewesen war, Schutz unter einem Baum nicht unweit des Tempels suchte. Natürlich wissen wir heute, dass man das nicht tut, aber damals wussten das eben noch nicht alle. Als er dort so stand und langsam vom Regen aufgeweicht wurde, sah er auf einmal die Katze am Eingang des Tempels sitzen, die in einer Geste als wollte sie ihn zu sich heran winken die Pfote gehoben hatte.
Irritiert kam der Edelmann näher um zu sehen, ob er sich das nicht eingebildet hatte, als plötzlich direkt hinter ihm ein Blitz in den Baum einschlug, unter dem er eben noch gestanden hatte.
Aus lauter Dankbarkeit, dass ihm die Katze das Leben gerettet hatte, suchte er ihren Besitzer um ihn dafür zu belohnen. Er freundete sich mit dem Mönch an und spendete dem Tempel eine gro
ße Summe Geld, wodurch dieser repariert und verbessert werden konnte.
Nach dem Tod der Katze wurde ihr zu Ehren die erste Maneki Neko angefertigt.

Heute ist der Gōtokuji der grösste Tempel in der Umgebung des Gotokuji-Bahnhofs, hat mehrere Nebengebäude und sogar eine dreistöckige Pagode. Die Ema (Bildtafeln, auf die Besucher ihre Wünsche schreiben können) haben natürlich die Katze auf der Rückseite und man kann sich aussuchen, ob man die verschieden großen Keramikkatzen, die man dort kauft (wenn mal jemand da ist) spenden oder mit nach Hause nehmen möchte.

Es gibt noch mindestens zwei weitere Legenden, wie es zur ersten winkenden Keramikkatze kam, die ihr gern auf der Seite der Wikipedia nachlesen könnt.
Eine handelt von der Katze einer Kurtisane, die ihre Anhänglichkeit mit dem Leben bezahlt hat, aber noch im Tod ihre Herrin vor einer Schlange gerettet hat – Maneki Neko wurde gemacht, um die Frau zu trösten

Die andere besagt, dass eine sehr arme, alte Frau ihre Katze verkaufen musste, die ihr später im Traum erschien und sie dazu brachte, Abbilder von sich (der Katze) zu machen und zu verkaufen, wodurch die alte Frau noch zu Wohlstand kam.

Welche Legende auch immer der wirkliche Grund für die erste Maneki Neko war, heutzutage ist sie aus dem japanischen Leben nicht mehr wegzudenken. Man kann sie so gut wie in jedem touristisch attraktiven Ort kaufen und es gibt sie in den Souvenirshops in den verschiedensten Farben. Das Original war aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Japanische Bobtail, die hauptsächlich weiß ist.

Zur Bedeutung der Farben:
Mi-ke (weiß mit schwarz-orangenen Flecken) – das Original, bringt ganz besonders viel Glück in allen Lebenslagen
Wei
ß – symbolisiert Reinheit und ist fast genauso beliebt wie Mi-ke
Schwarz – bringt Gesundheit und hält böse Geister fern. Auch gern genutzt zum Schutz vor Stalkern
Rot – ist eine Schutzfarbe und schützt vor bösen Geistern und Krankheit
Gold – wird mit Reichtum und Wohlstand in Verbindung gebracht
Pink – erfreut sich wachsender Beliebtheit und verspricht Liebe
Violett – steht für künstlerische Stärke
Grün – bringt Erfolge im akademischen Bereich

Wieso das Kätzchen sich heutzutage solcher Beliebtheit erfreut, bleibt der Spekulation überlassen. Eine recht populäre Theorie geht davon aus, dass die Öffnung Japans gegenüber dem Westen unter Kaiser Meiji dafür verantwortlich ist. Die Meiji-Regierung verbannte nämlich sämtliche erotischen Talismane aus dem öffentlichen Leben. Oft waren besonders in Bordellen Darstellungen von Damen, die Kunden herein winkten, offen im Eingangsbereich zu finden. So trat also wahrscheinlich die Katze an Stelle der winkenden Damen, aber nichts Genaues weiß man nicht…

In diesem Sinne, ich hoffe ihr hattet ein bisschen Spaß beim Lesen. Wenn ihr noch mehr Fotos von Maneki Neko und dem Gotoku-ji sehen möchtet, schaut einfach mal auf meiner Galerie vorbei.

Und auch wenn sie ja eigentlich nicht zum Abschied winkt… Bye Bye!


Diese drei hier habe ich in Asakusa gekauft, sie sind aus Seide und wurden in Handarbeit angefertigt. Jede ist ein Unikat, weil keine zwei Stoffstückchen vollkommen identisch sind. Wenn ihr auch eine wollt, sagt mir Bescheid!

Onsen

Mai 25, 2008

Hier ist er endlich, der lange versprochene Bericht über Onsen. Aus sicher nachvollziehbaren Gründen sind keine Menschen auf meinen Fotos…

Zuerst mal ein bisschen Hintergrundinformation: Onsen (温泉, oft auch einfach nur ゆ – heißes Wasser) ist der japanische Begriff für heiße Quellen vulkanischen Ursprungs, bezeichnet aber heute meist öffentliche Bäder und Gasthöfe in deren unmittelbarer Umgebung. Man findet sie so gut wie überall und oft sind besondere Mineralien (Schwefel, Natrium, Hydrogencarbonat, Eisen, etc.) im Wasser gelöst, weshalb vielen Onsen heilende Kräfte zugeschrieben werden.
Heutzutage findet man Onsen entweder privat geführt, staatlich oder als Teil eines Hotels, Ryokan oder Bed & Breakfast. Dabei liegen die Eintrittspreise je nach Betreiber zwischen 400 und 3000 Yen bzw. die Benutzung ist im Übernachtungspreis enthalten. Viele Onsen bieten auch Massagen, Saunen, Ruheräume und Aufenthaltsräume für Kinder an oder haben sogar angegliederte Restaurants. Meistens gibt es getrennte Bereiche für Männer und Frauen, bzw. getrennte Badezeiten, wenn die örtlichen Gegebenheiten keine räumliche Trennung zulassen. In den ländlicheren Gegenden soll es aber auch noch gemischte Bäder geben.

Und wie verhält man sich jetzt in einem Onsen, um nicht gleich als Ausländer in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten?
Zuerst werden natürlich im Eingangsbereich die Schuhe abgestellt. Dafür gibt es entweder ein Regal oder Schließfächer. Anschließend geht man zur Anmeldung, wo man nach dem Bezahlen eine Tasche mit einem Yukata, einem Obi, einem großen und einem kleinen Handtuch bekommt. Hat man das, geht man in seinen jeweiligen Umkleidebereich, entledigt sich seiner Kleidung und schließt sie entweder ein oder legt sie, sollte es keine Schließfächer geben, in einen der vorhandenen Körbe. Der Yukata ist dazu da, dass man, wenn man gerade nicht im Wasser ist, im Gebäude herumlaufen kann, ohne sich jedes Mal wieder vollständig anziehen zu müssen.
Das große Handtuch wird normalerweise bei der Kleidung zurückgelassen, das kleine nimmt man mit ins Bad. Bevor man dann allerdings ins Wasser geht, muss man sich – wie auch im heimischen Bad üblich – erstmal gründlich waschen. Seife und Shampoo ist so gut wie überall vorhanden, manchmal werden sogar Rasierer, Duschhauben oder Zahnbürsten für die Gäste zur Verfügung gestellt.
Wichtig ist, dass man sich sehr gründlich wäscht (Haare waschen ist aber kein Muss) und auf gar keinen Fall mehr Schaum (oder Schmutz) am Körper hat, wenn man ins Wasser geht. Das tut man dann natürlich nackt, man darf aber anstandshalber die wichtigsten Stellen mit dem kleinen Handtuch verdecken. Dieses kann dann am Beckenrand abgelegt werden, allerdings legen es sich viele Japaner einfach zusammengefaltet auf den Kopf oder knoten es darum (das machen aber eher Frauen). Dann heißt es einfach nur noch entspannen…
Gespräche sind keine Seltenheit, aber dabei sollte man nach M
öglichkeit nicht zu laut sein, immerhin wollen die anderen Besucher sich ja auch erholen.

Wegen der hohen Temperaturen des Wassers (bei 40 C geht’s los) sollte man es aber mit dem Entspannen nicht übertreiben, weil der Kreislauf das nicht lange mitmacht. Also immer mal zwischendurch aufstehen, aus dem Becken gehen, ein bisschen draußen umherwandern, etwas trinken (Wasser und Eiswürfel stehen vielleicht kostenlos irgendwo herum), und wenn man sich etwas abgekühlt hat, einfach wieder ins Wasser. Oft gibt es Becken im Außenbereich, was in der kälteren Jahreszeit sehr angenehm ist, Becken mit Sprudelfunktion oder Becken, die nicht ganz so heiß sind. Einfach alles ausprobieren, was ihr findet :)
Wenn ihr zwischendurch Hunger habt, schlüpft ihr einfach in den Yukata (Unterwäsche hat sich aber als praktisch erwiesen ^_^’) und holt euch was. Selbst wenn es kein angegliedertes Restaurant gibt, steht mit Sicherheit irgendwo ein Automat herum.
Meist findet sich auch ein Föhn zum Haare trocknen in den Umkleideräumen, in meinem Fall gab es sogar frisch desinfizierte Bürsten, Ohrstäbchen und Haarspray. Ich muss aber zugeben, dass es eins der teureren Onsen war, für das ich den Eintritt nicht selbst zahlen musste *^.^*.

Am Ende des Ausflugs ins Onsen darf man übrigens in den meisten Fällen das kleine Handtuch als Andenken behalten (Es ist spannend, wie viele man davon man bei gutem Wetter auf so manchen Wäscheleinen sieht ^___^). Das große und der Yukata werden wieder abgegeben.

Noch eine kleine Bemerkung am Rande – es gibt sogenannte „onsen-tamago“ also Onsen-Eier im Supermarkt. Das sind Eier, die 20 Minuten in etwa 60 C warmem Wasser gelegen haben und dadurch eine sehr spezielle Konsistenz erhalten. Mit einem Thermometer im Kochtopf lässt sich das sicher ganz leicht nachmachen und ausprobieren. Viel Spaß dabei!

Heute erzähle ich euch ein bisschen was zum Bad. Nach dem Artikel über Toiletten sollte das ja niemanden mehr schocken ^^ (Okay, wahrscheinlich langweilt ihr euch zu Tode, aber das ist ja nicht mein Problem *gg*)
Das hier ist ein ziemlich typisches Bad, was so ziemlich alle Dinge beinhaltet, die japanische Familien zum Baden brauchen. Falls jetzt jemand wissen möchte, wo das Waschbecken ist, das ist im Vorzimmer.
Jetzt aber zum Baden an sich. Vielleicht wisst ihr ja schon, dass man sich waschen muss, bevor man in die Badewanne steigt. Das liegt daran, dass die ganze Familie dasselbe Wasser benutzt, also am Besten versuchen als erster dran zu sein.

Der weiße Hocker im Vordergrund (mit dem Loch in der Mitte) ist zum Sitzen, damit man beim Duschen nicht den ganzen Raum vollspritzt. Das wäre aber auch kein Problem, weil er fast hermetisch vom Vorraum abschließbar ist. Überfluten kann man ihn aber leider wegen des Abflusses (ist auf dem unteren Bild in schwarz zu erahnen) nicht.
Die Dusche funktioniert wie eine ganz normale Dusche, nur hat sie noch einen separaten Wasserhahn unterhalb der Armatur, aus dem die kellenartige Schüssel füllen kann, die darunter steht, um sich das Wasser dann über den Rücken oder den Kopf zu schütten (wer’s mag…)
Das runde, rosa Etwas links oben ist übrigens eine Haarwaschhaube, etwas, das wohl auch in Deutschland viele Kinder zu schätzen wissen dürften.
Jetzt zum spannenden Teil, der redenden Badewanne. Die Steuereinheit der Badewanne ähnelt ein wenig der der Toilette, darum habe ich sie nicht nochmal fotografiert. Es gibt jedenfalls einen Knopf, mit dem man automatisch Wasser einer bestimmten Temperatur einlassen kann. Beim Draufdrücken hört es sich etwa so an:
DIE BADEWANNE
Die nette Frauenstimme sagt, dass sie jetzt damit beginnt, das Wasser einzulassen, und fragt, ob der Stöpsel in der Wanne ist.
Nach ein paar Minuten bekommt man die Zwischenmeldung, dass man bald ins Bad steigen kann – dann kann man beispielsweise schon anfangen zu duschen – und noch ein kleines Weilchen später verkündet die Wanne, dass jetzt alles bereit ist. Natürlich hat die Wanne selbst bei einem bestimmten Füllstand aufgehört, noch Wasser einzulassen. Und man muss auch nicht sofort baden, denn das Wasser wird automatisch noch mindestens eine Stunde warm gehalten, wofür auch die Abdeckung sorgt, die auf der Wanne liegt.

Was noch wichtig ist: unbedingt darauf achten, dass man keinen Schaum mehr am Körper hat, wenn man in die Wanne steigt, und besser nicht zu lange im Wasser bleiben, weil das den Kreislauf belasten kann.

Die Temperatur liegt derzeit bei 40 C, im Winter etwas mehr, im Sommer etwas weniger. Man kann jedenfalls nach einem Bad himmlisch gut einschlafen, und wenn man das nicht tut, ist man nach spätestens 20 Minuten hellwach und fühlt sich total erfrischt. Ich bin jedenfalls auf den Geschmack gekommen.

Vorschau aufs nächste Mal: Onsen

Flash Mob

Mai 15, 2008

Heute zu einem Phänomen, das mir vor einiger Zeit in Harajuku untergekommen ist. Dem Flash Mob.
(ausnahmsweise nicht mit Bildern, sondern mit einem Video - huldigt meiner Kamera ^___^ - okay, die Quali ist mehr als mies…)

Bis zu diesem Moment wusste ich nicht mal, dass es so was gibt, aber man lernt ja nie aus. Laut meinen Informationen stammt dieses Phänomen wie so vieles aus den USA, aus New York um genau zu sein. Dort traf sich eine ziemlich große Gruppe von Menschen scheinbar zufällig zur selben Uhrzeit an der Grand Central Station und erstarrte plötzlich von einer Sekunde auf die andere mitten in der Bewegung. Und mitten im Bahnhof. Das Ganze wurde aufgenommen und sollte derzeit in den verschiedensten Versionen auf Youtube zu finden sein („Frozen Grand Central“). Erst drei Minuten später liefen alle Teilnehmer auch scheinbar zufällig einfach weiter, als wäre überhaupt nichts gewesen.
Die Wikipedia meint, dass der Ursprung in England liegt, wahrscheinlich werden sie auch Recht haben, aber das muss ich jetzt nicht alles abschreiben ^^. Bei Interesse lest einfach hier weiter.
Genau dieses Szenario stelle man sich jetzt bitte mitten in einem belebten Park in Harajuku vor. Da ist man als Passant schon ziemlich irritiert, was es denn da zu sehen gibt, wenn alle auf einem Haufen stehen. Aber es war ja genau der Haufen, den es zu sehen gab. Und eh man dann realisiert, dass die Leute absichtlich in den unterschiedlichsten Posen herumstehen und sich nicht bewegen, laufen sie im nächsten Moment alle einfach weg…
Netterweise haben die netten Jungs und Mädels ihre Übung aber gleich darauf noch mal wiederholt, damit man auch Fotos bzw. Videos davon machen konnte. Ihr könnt euch ja mal das kleine Video anschauen, aber live war es natürlich viel beeindruckender, wenn da diese vielen Menschen plötzlich stehen wie eingefroren. (mit Ausnahme dieses einen, der mitten hindurchlatscht T_T) Eigentlich war das aber nur die Generalprobe für das eigentliche Event am Bahnhof Shinjuku, das ich leider nicht mehr gesehen habe.
Ich habe mir sagen lassen, dass es ähnliche Aktionen auch in der Form gibt, dass man mit der ganzen Mannschaft gleichzeitig bei McDonalds auftaucht, in der Pizzeria oder im Schuhladen. Die laut Wiki erste (aufgefallene) Gruppe hat wohl sogar in Macy’s Department Store (Manhattan) mit mehr als 100 Leuten gemeinschaftlich um einen ziemlich teuren Teppich herumgestanden und auf Fragen der Angestellten einheitlich behauptet, dass sie alle zusammen in einer alten Fabrik am Stadtrand leben würden, auf der Suche nach einem Liebesteppich seien und immer alle Kaufentscheidungen gemeinsam treffen würden.
Das ist dann eine ziemliche Herausforderung fuer das Personal, weil es ja keine Vorwarnung gibt, keiner ahnt, dass es ein Scherz ist und auch niemand weiß, wer denn nun genau zu der Gruppe gehört, und wer nicht.
Es bietet jedenfalls eine ziemliche Abwechslung zum normalen Alltag und macht sicher auch den Teilnehmern ziemlich Spass.

Heute erzähle ich mal eine Geschichte, und zwar eine Geschichte, die sich wirklich zugetragen hat, und die mein Interesse geweckt hat, weil am Bahnhof in Shibuya, wo ich recht oft umsteige, wenn ich nach Tokyo fahre, eine Hundestatue steht…

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit (zwischen 1923 und 1935 nämlich) ein kleiner Akita-Inu (秋田犬) namens Hachiko (ハチ公). Er gehörte Ueno Hidesamurō, einem Professor für Agrarwissenschaften an der Universität Tokyo. Jeden Morgen verabschiedete sich der Hund an der Vordertür und machte sich am Abend auf den Weg zum Bahnhof Shibuya, um dort sein Herrchen vom Zug abzuholen.
Nur eines Abends im Mai des Jahres 1925 wartete Hachiko vergebens. Der Professor war im Alter von 54 Jahren unerwartet verstorben. Aber weil er das natürlich nicht wusste, kam der kleine Hund weiterhin treu und brav jeden Abend zum Bahnhof Shibuya und wartete voller Hoffnung auf sein Herrchen.
Irgendwann wurden die Pendler und Passanten auf den Hund aufmerksam, der stets dort saß, einer von ihnen war ein ehemaliger Student Uenos, der in der Zwischenzeit ein Experte f
ür Akitas geworde war und später im Jahr eine Publikation veröffentlichte, laut der es einschliesslich Hachikos nur noch 30 reinrassige Akitas in Japan gab. Er kam oft in Shibuya vorbei um Hachiko zu besuchen und schrieb weitere Artikel über die Loyalitaet und Hingabe des Hundes. 1932 machte einer dieser Artikel, veröffentlicht in Tokyos grösster Tageszeitung, Hachiko zum Mittelpunkt des nationalen Interesses.
Bewegt von der Treue des Tieres wurde ihm zu Ehren eine Bronzestatue gegossen und im April 1934 in der Nähe des Bahnhofs aufgestellt, wobei Hachiko selbst anwesend war. (die Originalstatue wurde im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, aber an ihrer Stelle steht seit 1948 ein vom Sohn des Originalkünstlers geschaffenes Exemplar)
Die Inschrift lautet
忠犬 ハチ公 - der getreue Hund Hachiko An der Bahnhofswand gegenüber sind noch andere Impressionen des Hundes zu sehen.
Wer sie besichtigen möchte, braucht nur mit dem Zug nach Shibuya fahren und dort den Schildern in Richtung Hachiko Gate oder Hachiko Mae folgen. Das ist der Ausgang mit der Nummer 7 oder 7a. Nach wie vor ist dieser Platz einer der beliebtesten Treffpunkte Tokyos.

Nach seinem Tod im März 1935 (er war bis dahin weiter jeden Abend exakt zu der Zeit, zu der der Zug eintraf, zum Bahnhof Shibuya gekommen) wurde Hachiko übrigens ausgestopft und im National Science Museum in Ueno ausgestellt, wo er noch immer zu sehen sein soll.

Bemerkenswert an Hachikos Geschichte ist nicht nur, dass am Beispiel des Hundes viele Eltern und Lehrer den Kindern Loyalität zu ihrer Familie beibringen wollen, sondern dass durch ihn auch das Interesse an Akitas wieder stieg. Heutzutage ist es keine Seltenheit mehr, wenn man beim Spaziergang einem begegnet.
Somit ist es gewissermassen Hachikos Verdienst, dass seine Art nicht ausgestorben ist.

Wer hat nicht schon das Gerücht gehört, dass es in Japan Toiletten mit beheizbaren Sitzflächen geben soll?

Nun, ich muss euch leider enttäuschen. Die Wahrheit sieht nämlich noch futuristischer aus als eure kühnsten Fantasien. Aber fangen wir mal ganz von vorn an.

Aus verständlichen Gründen möchte ich an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen, dass die Schuhe, die sich hinter der Tür zum Stillen Örtchen befinden, nicht nur der Dekoration dienen, sondern bitte auch zu benutzen sind. Und vergesst hinterher beim Hinausgehen bloß nicht, eure eigenen Schuhe wieder anzuziehen!

Jetzt zum interessanten Teil des Tages: nämlich der Wahrheit über japanische Toiletten – oder wie bereits beim Rezept für Omuraisu erwähnt – mit einer Wahrheit von vielen ^___^. Und die beheizbare Klobrille ist nur ein kleiner Teil davon, so eine Toilette ist nämlich das reinste Wunderwerk der Technik. Ich habe hier spaßeshalber mal die Steuerungseinheit fotografiert, um euch einen Eindruck zu verschaffen.
Die Symbole oben dienen der Bedienung des Spülkastens – an den jeweils letzten Symbolen erkennen Japanisch-lernende möglicherweise sogar schon ihren Sinn: nämlich festzulegen, ob man „groß“ oder „klein“ war. Der eigentlich spannende Teil ist der darunter. Dort kann man nämlich einstellen, ob man sich auch selbst „spülen“ lassen will. Dabei ist der linke Schalter für den Oshiri (was man mit gutem Gewissen als „Allerwertesten“ übersetzen kann), und der rechte für den etwas weiter vorn liegenden Teil. Das Rädchen ganz rechts bestimmt, wie stark diese Dusche dann sein soll. Die vier Knöpfe darunter sind für die Massagefunktion, um den Strahl “weiter” zu machen bzw. für die Feinjustierung nach vorn oder hinten.
Das Wasser ist jedenfalls vorgewärmt, und wenn ihr in den Genuss einer solchen Toilette kommen könnt, solltet ihr euch diese Erfahrung wirklich nicht entgehen lassen.

Die Brille ist übrigens wirklich beheizt, und ich kann ehrlich gesagt nur zu gut nachvollziehen, warum in so einigen privaten WCs dicke Schwarten von Büchern liegen. Man kann wirklich nur zu leicht die Zeit vergessen.

Ein kleines, umwelttechnisch interessantes Accessoire meines Vorführexemplars ist übrigens der obere Teil des Spülkastens, bitte mal genau hinschauen.

Als ich das erste Mal dieses Örtchen betreten habe, war meine erste stumme Frage „Wo ist eigentlich das Waschbecken?“

Tja, das ist direkt über dem Spülkasten, bzw. in diesen integriert. Etwa zwei Sekunden nach dem Betätigen der Spülung kommt automatisch (kaltes) Wasser aus dem Hahn und wird nach dem Händewaschen durch ein Loch im Becken direkt in den Spülkasten geleitet und wieder verwendet. Das wäre doch mal eine Idee für Deutschland, bei den ständig steigenden Energiepreisen ist es auf jeden Fall eine Marktlücke.
So ein Waschbecken habe ich auch schon in viel älteren Modellen gesehen, bei denen der Sitz nicht beheizt war. Neuere Modelle haben teilweise sogar Funktionen wie Fallverlangsamung des Deckels (sehr praktisch, so wacht niemand mehr durch knallende Toilettendeckel auf), automatisches Öffnen des Deckels sobald man die Tür aufmacht oder einen Knopf, mit dem man das Geräusch der Spülung simulieren kann. Seit Einführung dieser Funktion in den
öffentlichen Damentoiletten in Japan (viele Frauen schämen sich, dass man sie hören könnte) spart das Land eine enorme Menge Wasser…

Gab es bei euch in den letzten Tagen Reis und ihr habt keine Ahnung, was ihr jetzt mit dem Rest anfangen könntet? Keine Lust auf Reis mit Fertigsoße? Wie wäre es denn stattdessen mal mit einem Gericht, das schon regelrecht eine Legende ist, weil es wahrscheinlich in jedem Japanischlehrbuch irgendwo auftaucht (und mit dessen Erklärung man als Durchschnittseuropäer doch nicht so recht etwas anfangen kann). Omuraisu, zusammengesetzt aus den Worten Omelette und Reis. Wahrscheinlich wird euch jeder Japanischlehrer an dieser Stelle genau das sagen („Omelette und Reis”), und erwähnen, dass es sehr lecker ist. Und dann ist man hinterher noch genauso schlau wie vorher ^^
Nun ja, heute präsentiere ich euch voller Stolz das Rezept. Oder vielmehr ein Rezept, denn wahrscheinlich hat jede Familie ihr eigenes Spezialrezept, das sich in einigen Punkten von den anderen unterscheidet.

Ihr braucht pro Person:

ca. 125g Reis (1/2 Kochbeutel), am Besten schon gekocht
1 Ei
ca. 50g Thunfisch aus der Dose (oder alternativ klein geschnittenes Fleisch eurer Wahl - dann braucht ihr evtl. noch eine Prise Salz zusätzlich)
1/4 Gemüsezwiebel oder 1 mittelgroße Frühlingszwiebel
ca. 1 EL Ketchup
nach Wunsch frisches Gemüse wie Erbsen, Broccoli, Mais, Paprika, etc.

Und so geht’s

Zuerst wird der Reis gekocht. Haltet euch dabei einfach an die Anleitung auf der Packung. Es ist absolut in Ordnung, wenn ihr den billigen Langkornreis des Discounters eures Vertrauens nehmt ^_~.
Während dieser Zeit könnt ihr schon die Zwiebel schneiden und anbraten. Solltet ihr Fleisch anstelle des Fischs nehmen, solltet ihr das zuerst schneiden und anbraten, und dann die Zwiebel dazugeben, sobald es anfängt braun zu werden.
Sobald die Zwiebel glasig wird, den Thunfisch in die Pfanne geben und kurz heiß werden lassen. An dieser Stelle kann auch das frische Gemüse dazu, wenn ihr welches habt. Dann die Pfanne von der Flamme nehmen, bis der Reis fertig ist.

Sobald der Reis gar ist, diesen zusammen mit dem Ketchup in die Pfanne geben und alles gut vermischen, sodass der Reis rötlich aussieht. Wer keinen Ketchup in der Pfanne mag, kann gern auch später erst würzen.
Dann alles auf einen Teller geben, die Pfanne saubermachen oder eine neue nehmen und das Ei hineinschlagen. Wer mag, kann es schon vorher schön glatt rühren, ansonsten macht ihr das jetzt einfach in der Pfanne. Aber im Unterschied zu normalem Rührei wird es nicht solange gebraten, bis es vollkommen geronnen ist, sondern nur solange, bis es an der Unterseite fest und oben nicht mehr glitschig ist. Dann wird es einfach aus der Pfanne mit der ungebratenen Seite nach unten auf den Reis befördert und dann ist euer Omuraisu fertig. (Wenn nicht zuviel Öl in der Pfanne ist, kann man das Ei auch einfach über dem Reis auskippen - im Original sollen die gebratenen Zutaten zawr am Ende im Omelette eingepackt sein, aber das schafft wohl nur ein Meisterkoch mit nur einem Ei).
Wer mag, kann jetzt noch mit Ketchup verfeinern, aber es schmeckt auch so.

Und noch ein kleiner Hinweis wegen Salmonellen - erstens sitzen die meines Wissens für gewöhnlich außen auf der Schale, und zweitens mögen sie keine Temperaturen über 40 ºC, und die haben sie in der Pfanne ganz gewiss. Es gibt also keinen Grund zur Sorge. (Notfalls dreht das Ei halt noch mal um, aber dann ist es natürlich nicht mehr ganz so japanisch ^^)

Dann einen guten Appetit! (Und vergesst am Tisch nicht,„Itadakimasu” zu sagen)

Nachtrag: OMURAISU DARF MAN MIT DEM LÖFFEL ESSEN - das hätte mir aber echt eher einfallen können >_<

Heute dachte ich mir, erzähle ich doch mal, wie man ein Zugticket kauft. Das ist eigentlich gar nicht so schwer, vorausgesetzt man weiß, wohin man will, und mit welcher Linie man fahren muss. Die unterschiedlichen Linien haben nämlich eventuell auch verschiedene Automaten und Tickets, doch dazu später mehr.
Gehen wir mal vom einfachen Fall aus, dass es nur einen Betreiber gibt, und deshalb auch nur eine Sorte Automaten. Oberhalb dieser Automaten befindet sich, wie man auf dem Foto hoffentlich erkennen kann, der Streckenplan, der befahren wird, und für den man an genau dort die Fahrkarten kaufen kann.
Der aktuelle Standpunkt ist meist rot unterlegt, und die Zahlen, die an den Stationen stehen, sind der Fahrpreis.
Bevor jetzt Kanji-unkundige in Panik ausbrechen: in Tokyo sind viele dieser Streckenpläne alternativ auch in lateinischen Buchstaben beschriftet. Und im Notfall fragt man einfach das nette Personal, Fahrkartenschalter gibt es nämlich auch im Zeitalter der Automaten noch an so gut wie allen Haltestellen, wenn man nicht gerade zwei Uhr nachts unterwegs ist. (Das müsste ich allerdings noch ausprobieren ^^’)
Alle Fahrkartenautomaten, die mir bisher untergekommen sind, hatten einen Touchscreen, auf dem man auf dem Hauptbildschirm einfach nur auf den entsprechenden Betrag drücken musste. Falls das nicht der Fall ist, sollte in der rechten oberen Bildschirmecke ein Button sein, mit dem man die Anzeige auf Englisch umschalten kann. Aber Achtung, in den meisten Fällen redet das Gerät dann auch mit euch.
Zurück zur Fahrkarte: Wenn man also den Betrag gedrückt hat, erscheint dieselbe Zahl nun ein Stück weiter unten neben dem Münzeinwurfschlitz. Nun müsst ihr nur noch bezahlen (das geht natürlich auch mit Scheinen), dabei läuft die Zahl neben dem Münzschlitz rückwärts mit, und gleich danach bekommt ihr ein hübsches Ticket in die Hand. Das könnte zum Beispiel so aussehen, muss es aber nicht.

Und mit diesem Ticket geht ihr dann einfach durch die – wie nennt man das jetzt? – Schranken, schiebt die Fahrkarte in den Schlitz oberhalb des Pfeils (ich hätte ein Foto machen sollen T_T . Das reiche ich bei Gelegenheit nach, ja?) und geht einfach durch. Nur nicht vergessen, das Ticket wieder mitzunehmen, das braucht ihr nämlich in dem Moment, wenn ihr an eurem Zielort wieder aus dem Bahnhofsgebäude hinaus wollt.

Noch ein kleiner Hinweis für eventuelle Vielfahrer: erkundet am Besten mal in einer ruhigen Minute den Fahrkartenautomaten ganz genau. Manche Linien bieten nämlich Rabatte an, mit denen man vielleicht nicht rechnet. Zum Beispiel Sachen wie „10 bezahlen, 11 bekommen“ oder so. Alternativ gibt es je nach Region auch Karten ähnlich der Oyster Card in London, auf die man ein Guthaben aufladen kann und dann gleich drauflos fahren kann. Bisher sind mir Namen wie Suica (Region Tokyo) und Pasmo (Region Yokohama) untergekommen. Darüber gibt es zu einem späteren Zeitpunkt mehr Infos.

In eigener Sache – ich habe eine To-do-Liste angelegt, in der ich Themen, über die ich auf jeden Fall noch berichten möchte, alphabetisch aufgelistet habe. Je nachdem wie mein Terminplan aussieht, werden die dann eins nach dem anderen abgearbeitet. Falls ihr noch interessante Ideen oder Fragen habt, meldet euch einfach.

Asche auf mein Haupt, denn ich habe es in der Zeit, in der ich hier bin, noch nicht geschafft, ein Foto von meinem hiesigen Domizil zu machen. Dafür kann ich aber jetzt immerhin den Tokyo Tower mein Eigen nennen.
(Dieses Exemplar ist uebrigens ca. 10 cm hoch, offensichtlich beleuchtet und hat umgerechnet 1.35 Euro gekostet. Und es stammt aus einem Automaten. Überhaupt kann man hier so ziemlich alles am Automaten kaufen, aber jetzt wollte ich eigentlich ein bisschen was über mein momentanes Zuhause schreiben.

Ich wohne in einem für japanische Verhältnisse sehr großen Haus. Es ist, wie fast alle Häuser hier, aus Holz, hat zwei Etagen und dürfte mindestens 90 qm Wohnfläche bieten. Außerdem gibt es einen Garten hinterm Haus und einen PKW-Stellplatz, der auch noch für 2 1/2 Fahrräder reicht (das halbe Fahrrad ist ein Kinderrad ^.~).
Der Garten ist für deutsche Verhältnisse fast lächerlich klein, aber wenn man mal die Bodenpreise hierzulande bedenkt, ist dieser Garten der reinste Luxus. Er hat schätzungsweise eine Ausdehnung von 3×9 m und beherbergt im Moment einen kleinen Geräteschuppen, eine winzig Terrasse, drei Bäumchen, 5 Tulpen und 8 Hyazinthen. Wenn die Tomaten und Gewürze auf der Terrasse dann endlich mal keimen, werden die auch noch ein Plätzchen finden.

Beim Eintreten muss man natürlich, wie bei allen japanischen Häusern, die Schuhe ausziehen und in Hausschuhe schlüpfen. Der Rest des Hauses ist allerdings doch eher europäisch gehalten. Mit Ledercouch, einem großen, normal-hohen Esstisch im Wohnzimmer und (eher untypisch) mit dem Spielzimmer im Wa-shitsu, also im einzigen “japanischen” Zimmer des Hauses, das noch mit Tatami-matten (für Interessierte: es sind 6 Stück) ausgelegt ist und auch eine Tokonoma (Schmucknische) besitzt, vor die man normalerweise die Gäste platziert. In meinem Fall steht darin allerdings ein Spielhaus ^_____^

Die Küche ist eigentlich ein eigenes Kapitel wert, einfach weil es zu viel auf einmal gibt, worüber ich schreiben könnte. Der Kühlschrank fängt an zu piepsen, wenn man die Tür zu lange offen lässt, die Mikrowelle dreht sich nicht, hat dafür aber einen Temperatursensor, sodas man seine Gerichte auf 5 Grad genau erhitzen kann, und beschwert sich, wenn man sein Essen nicht sofort herausholt, sobald sie fertig sind, und die Spülmaschine ist kaput. Will heißen: sie läuft zwar, aber das Geschirr wird nicht sauber. Dafür ist der Herd ein Wunderwerk der Technik. Oben Gasherd, in der Mitte ein kleiner Grill, der ebenfalls mit Gas betrieben wird, und unten ein voll elekronischer Umluftofen für Kuchen und Aufläufe. Und direkt neben der Tür das Wundergerät, mit dem man per Knopfdruck das Wasser in die Badewanne eine Etage höher einlassen kann. Dieses Gerät hat sogar eine Gegensprechanlage, über die man dann zwischen Küche und Bad miteinander reden kann, aber darauf werde ich noch genauer zu sprechen kommen, wenn ich mich dem Bad im speziellen widme.

Ansonsten gibt es noch ein Kinderzimmer, ein Schlafzimmer, zwei Toiletten und natürlich mein Zimmer, das direkt über dem Washitsu liegt und dewegen auch genauso groß ist. Darin gibt es zwei Fenster, eine große, superbequeme Schlafcouch, einen Schreibtisch mit Bürostuhl, einen Wandschranlk (wie ich ihn liebe! Der ist groß genug, um darin mindestens drei ungebetene Gäste zu verstecken) und natürlich – sehr wichtig – eine Klimaanlage.
Die Fenster sind, übrigens wie die meisten Türen, zum Schieben und besitzen separate auch noch Moskitonetze, die man dann an den Teil des Fensters schieben kann, den man gerade geöffnet hat. Das ist wirklich praktisch, aber es hat wahrscheinlich auch überlebenswichtige Gründe, denn ich habe schon die ersten Mücken tanzen sehen.

Ach, und bevor ich es vergesse, wir haben auch eine Alarmanlage. Die spricht ebenfalls mit Frauenstimme und wird mit einem speziellen Chip ein- bzw. ausgeschaltet, wenn man das Haus verlässt oder betritt. Nach dem Aktivieren hat man genau eine Minute Zeit um aus dem Haus zu kommen und die Tür abzuschließen, ansonsten bekommt man einen Anruf der zuständigen Sicherheitsfirma, der wenn er unbeantwortet bleibt (man hat ja das Haus verlassen) das Resultat hat, dass tatsächlich jemand vorbeikommt und nach dem Rechten sieht.
Wenn man zurückkommt, hat man die Gleiche Frist um die Tür aufzuschließen, die Schuhe auszuziehen und den Chip in den dafür vorgesehenen Schlitz zu schieben, um die Anlage wieder zu entsichern.

Ich warte noch auf den Tag, an dem jemand es nicht in Minute schafft, und vielleicht erlebe ich ihn auch noch. Immerhin habe ich hier zwei kleine Kinder, die mir dabei mit Sicherheit tatkräftig zur Seite stehen werden…


^_____^

Bürokratie

April 7, 2008

Nichts geht ohne Papierkram – erst recht nicht in einem der fortschrittlichsten Länder der Welt

 

Nach der Landung sah ich mich einer reichlich fremden Welt gegenüber. Die Strecke zum Ausgang war sehr lang, aber man musste natürlich nicht die ganze Zeit laufen. Das haben die Rollbänder am Boden übernommen. An den Seitenwänden begrüßte einen alle paar Meter ein neues Plakat, netterweise aber zu großen Teilen noch auf Englisch. Man wird also nicht gleich ins kalte Wasser geworfen, sondern kann sich langsam eingewöhnen.

Irgendwann kommt man dann an die Stelle, an der der lange Gang zu ende ist. Wenn er sich teilt, dann solltet ihr am Besten dem folgen, an dem nicht die zwei in unterschiedliche Richtungen fliegenden Flugzeuge abgebildet sind, die für Umsteiger stehen, sondern dem anderen.

Dort sieht man sich schließlich irgendwie, irgendwo, irgendwann der Einreisebehörde gegenüber. Touristen und Leute mit Visum sollten sich möglichst links anstellen, dort wo wahrscheinlich die Schlange am längsten ist. (Japaner und Leute mit permanenter Aufenthaltsgenehmigung haben den Papierkram schon erledigt und kommen hier an den anderen Schaltern schneller durch) Möglicherweise ist die Beschriftung der Schalter rot, aber ich kann mich nicht mehr hundertprozentig an die Farbe erinnern.

Nun habt ihr hoffentlich alle im Flugzeug die Karte für die Einreise ausgefüllt, die das Personal ausgeteilt hatte (siehe letzter Eintrag in diesem Blog). Die braucht ihr nämlich jetzt, den Reisepass übrigens auch. Der nette Herr bzw. die Dame am Schalter spricht auch Englisch, also keine Panik. Am selben Schalter werden jetzt übrigens noch eure Fingerabdrücke von den Zeigefingern genommen und ein Foto gemacht. Ich persönlich finde es nicht gerade hilfreich, lauter Leute zu fotografieren, die gerade 11 Stunden oder länger im Flugzeug saßen und wahrscheinlich schon seit 22 Stunden auf den Beinen sind, aber ich muss mir die Fotos ja hinterher auch nicht ansehen. Jedenfalls ist das der Grund, aus dem es in dieser Reihe am längsten dauert.

Solltet ihr länger als 90 Tage in Japan bleiben wollen, erspart euch diese Einreisebehörde aber nicht den Gang zur Ausländerregistrierungsbehörde, da müsst ihr nämlich innerhalb der nächsten Wochen auch noch hin.

Hinter den Schaltern könnt ihr dann ganz gemütlich euer Gepäck abholen. Das funktioniert ganz genau wie an jedem anderen Flughafen, es kommt aus einer Klappe und rollt dann so lange auf einem Fließband im Kreis, bis jemand es wiedererkennt und mitnimmt.

Mit dem Gepäck bewaffnet geht es jetzt weiter durch die Zollkontrolle.
Jetzt braucht ihr den zweiten Schein aus dem Flugzeug, auf dem ihr angeben musstet, was für illegale oder Einfuhr beschränkte Waren ihr mit ins Land bringt. Ich hatte (wahrheitsgemäß ^___^) angegeben, dass ich nichts habe. Der Zollbeamte war zwar etwas darüber irritiert (was denn, gar kein Alkohol und keine Zigaretten?) aber hat auch nicht weiter nachgefragt. In den Koffer geschaut hat er auch nicht. Aber wahrscheinlich hätte man mich schon in Deutschland zur Nachkontrolle geschickt, wenn ich irgendwas Seltsames im Gepäck gehabt hätte. Der gute Mann konnte übrigens auch Englisch, auch wenn er das nur ungern rausgekramt hat.

Wenn man da durch ist, hat man es geschafft. Es folgt nur noch ein kleines Stück Weg, dann kommt man an die Stelle, an der die ganzen Leute mit den Schildern stehen, die irgendjemanden abholen wollen. Auf den Schildern steht dann entweder der Name der Person, die abgeholt wird, oder der der Firma, zu der man gehört. Ich habe auch eine Autovermietung gesehen, aber dann keine Zeit mehr mit Schilder-beobachten verbracht, weil ich dann meinen Abholer gefunden habe – und das ganz ohne Schild ^_____^

Wenn ihr hier raus seid, habt ihr es geschafft. Jetzt müsst ihr nur noch irgendwie zu eurer Unterkunft kommen (nein, meine kriegt ihr nicht!) und dann könnt ihr damit anfangen, Japan unsicher zu machen.

 

Viel Spaß mit der neuen Freiheit – aber benehmt euch!