Wer hat nicht schon das Gerücht gehört, dass es in Japan Toiletten mit beheizbaren Sitzflächen geben soll?

Nun, ich muss euch leider enttäuschen. Die Wahrheit sieht nämlich noch futuristischer aus als eure kühnsten Fantasien. Aber fangen wir mal ganz von vorn an.

Aus verständlichen Gründen möchte ich an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen, dass die Schuhe, die sich hinter der Tür zum Stillen Örtchen befinden, nicht nur der Dekoration dienen, sondern bitte auch zu benutzen sind. Und vergesst hinterher beim Hinausgehen bloß nicht, eure eigenen Schuhe wieder anzuziehen!

Jetzt zum interessanten Teil des Tages: nämlich der Wahrheit über japanische Toiletten – oder wie bereits beim Rezept für Omuraisu erwähnt – mit einer Wahrheit von vielen ^___^. Und die beheizbare Klobrille ist nur ein kleiner Teil davon, so eine Toilette ist nämlich das reinste Wunderwerk der Technik. Ich habe hier spaßeshalber mal die Steuerungseinheit fotografiert, um euch einen Eindruck zu verschaffen.
Die Symbole oben dienen der Bedienung des Spülkastens – an den jeweils letzten Symbolen erkennen Japanisch-lernende möglicherweise sogar schon ihren Sinn: nämlich festzulegen, ob man „groß“ oder „klein“ war. Der eigentlich spannende Teil ist der darunter. Dort kann man nämlich einstellen, ob man sich auch selbst „spülen“ lassen will. Dabei ist der linke Schalter für den Oshiri (was man mit gutem Gewissen als „Allerwertesten“ übersetzen kann), und der rechte für den etwas weiter vorn liegenden Teil. Das Rädchen ganz rechts bestimmt, wie stark diese Dusche dann sein soll. Die vier Knöpfe darunter sind für die Massagefunktion, um den Strahl „weiter“ zu machen bzw. für die Feinjustierung nach vorn oder hinten.
Das Wasser ist jedenfalls vorgewärmt, und wenn ihr in den Genuss einer solchen Toilette kommen könnt, solltet ihr euch diese Erfahrung wirklich nicht entgehen lassen.

Die Brille ist übrigens wirklich beheizt, und ich kann ehrlich gesagt nur zu gut nachvollziehen, warum in so einigen privaten WCs dicke Schwarten von Büchern liegen. Man kann wirklich nur zu leicht die Zeit vergessen.

Ein kleines, umwelttechnisch interessantes Accessoire meines Vorführexemplars ist übrigens der obere Teil des Spülkastens, bitte mal genau hinschauen.

Als ich das erste Mal dieses Örtchen betreten habe, war meine erste stumme Frage „Wo ist eigentlich das Waschbecken?“

Tja, das ist direkt über dem Spülkasten, bzw. in diesen integriert. Etwa zwei Sekunden nach dem Betätigen der Spülung kommt automatisch (kaltes) Wasser aus dem Hahn und wird nach dem Händewaschen durch ein Loch im Becken direkt in den Spülkasten geleitet und wieder verwendet. Das wäre doch mal eine Idee für Deutschland, bei den ständig steigenden Energiepreisen ist es auf jeden Fall eine Marktlücke.
So ein Waschbecken habe ich auch schon in viel älteren Modellen gesehen, bei denen der Sitz nicht beheizt war. Neuere Modelle haben teilweise sogar Funktionen wie Fallverlangsamung des Deckels (sehr praktisch, so wacht niemand mehr durch knallende Toilettendeckel auf), automatisches Öffnen des Deckels sobald man die Tür aufmacht oder einen Knopf, mit dem man das Geräusch der Spülung simulieren kann. Seit Einführung dieser Funktion in den
öffentlichen Damentoiletten in Japan (viele Frauen schämen sich, dass man sie hören könnte) spart das Land eine enorme Menge Wasser…

Gab es bei euch in den letzten Tagen Reis und ihr habt keine Ahnung, was ihr jetzt mit dem Rest anfangen könntet? Keine Lust auf Reis mit Fertigsoße? Wie wäre es denn stattdessen mal mit einem Gericht, das schon regelrecht eine Legende ist, weil es wahrscheinlich in jedem Japanischlehrbuch irgendwo auftaucht (und mit dessen Erklärung man als Durchschnittseuropäer doch nicht so recht etwas anfangen kann). Omuraisu, zusammengesetzt aus den Worten Omelette und Reis. Wahrscheinlich wird euch jeder Japanischlehrer an dieser Stelle genau das sagen („Omelette und Reis“), und erwähnen, dass es sehr lecker ist. Und dann ist man hinterher noch genauso schlau wie vorher ^^
Nun ja, heute präsentiere ich euch voller Stolz das Rezept. Oder vielmehr ein Rezept, denn wahrscheinlich hat jede Familie ihr eigenes Spezialrezept, das sich in einigen Punkten von den anderen unterscheidet.

Ihr braucht pro Person:

ca. 125g Reis (1/2 Kochbeutel), am Besten schon gekocht
1 Ei
ca. 50g Thunfisch aus der Dose (oder alternativ klein geschnittenes Fleisch eurer Wahl – dann braucht ihr evtl. noch eine Prise Salz zusätzlich)
1/4 Gemüsezwiebel oder 1 mittelgroße Frühlingszwiebel
ca. 1 EL Ketchup
nach Wunsch frisches Gemüse wie Erbsen, Broccoli, Mais, Paprika, etc.

Und so geht’s

Zuerst wird der Reis gekocht. Haltet euch dabei einfach an die Anleitung auf der Packung. Es ist absolut in Ordnung, wenn ihr den billigen Langkornreis des Discounters eures Vertrauens nehmt ^_~.
Während dieser Zeit könnt ihr schon die Zwiebel schneiden und anbraten. Solltet ihr Fleisch anstelle des Fischs nehmen, solltet ihr das zuerst schneiden und anbraten, und dann die Zwiebel dazugeben, sobald es anfängt braun zu werden.
Sobald die Zwiebel glasig wird, den Thunfisch in die Pfanne geben und kurz heiß werden lassen. An dieser Stelle kann auch das frische Gemüse dazu, wenn ihr welches habt. Dann die Pfanne von der Flamme nehmen, bis der Reis fertig ist.

Sobald der Reis gar ist, diesen zusammen mit dem Ketchup in die Pfanne geben und alles gut vermischen, sodass der Reis rötlich aussieht. Wer keinen Ketchup in der Pfanne mag, kann gern auch später erst würzen.
Dann alles auf einen Teller geben, die Pfanne saubermachen oder eine neue nehmen und das Ei hineinschlagen. Wer mag, kann es schon vorher schön glatt rühren, ansonsten macht ihr das jetzt einfach in der Pfanne. Aber im Unterschied zu normalem Rührei wird es nicht solange gebraten, bis es vollkommen geronnen ist, sondern nur solange, bis es an der Unterseite fest und oben nicht mehr glitschig ist. Dann wird es einfach aus der Pfanne mit der ungebratenen Seite nach unten auf den Reis befördert und dann ist euer Omuraisu fertig. (Wenn nicht zuviel Öl in der Pfanne ist, kann man das Ei auch einfach über dem Reis auskippen – im Original sollen die gebratenen Zutaten zawr am Ende im Omelette eingepackt sein, aber das schafft wohl nur ein Meisterkoch mit nur einem Ei).
Wer mag, kann jetzt noch mit Ketchup verfeinern, aber es schmeckt auch so.

Und noch ein kleiner Hinweis wegen Salmonellen – erstens sitzen die meines Wissens für gewöhnlich außen auf der Schale, und zweitens mögen sie keine Temperaturen über 40 ºC, und die haben sie in der Pfanne ganz gewiss. Es gibt also keinen Grund zur Sorge. (Notfalls dreht das Ei halt noch mal um, aber dann ist es natürlich nicht mehr ganz so japanisch ^^)

Dann einen guten Appetit! (Und vergesst am Tisch nicht,„Itadakimasu“ zu sagen)

Nachtrag: OMURAISU DARF MAN MIT DEM LÖFFEL ESSEN – das hätte mir aber echt eher einfallen können >_<

Heute dachte ich mir, erzähle ich doch mal, wie man ein Zugticket kauft. Das ist eigentlich gar nicht so schwer, vorausgesetzt man weiß, wohin man will, und mit welcher Linie man fahren muss. Die unterschiedlichen Linien haben nämlich eventuell auch verschiedene Automaten und Tickets, doch dazu später mehr.
Gehen wir mal vom einfachen Fall aus, dass es nur einen Betreiber gibt, und deshalb auch nur eine Sorte Automaten. Oberhalb dieser Automaten befindet sich, wie man auf dem Foto hoffentlich erkennen kann, der Streckenplan, der befahren wird, und für den man an genau dort die Fahrkarten kaufen kann.
Der aktuelle Standpunkt ist meist rot unterlegt, und die Zahlen, die an den Stationen stehen, sind der Fahrpreis.
Bevor jetzt Kanji-unkundige in Panik ausbrechen: in Tokyo sind viele dieser Streckenpläne alternativ auch in lateinischen Buchstaben beschriftet. Und im Notfall fragt man einfach das nette Personal, Fahrkartenschalter gibt es nämlich auch im Zeitalter der Automaten noch an so gut wie allen Haltestellen, wenn man nicht gerade zwei Uhr nachts unterwegs ist. (Das müsste ich allerdings noch ausprobieren ^^’)
Alle Fahrkartenautomaten, die mir bisher untergekommen sind, hatten einen Touchscreen, auf dem man auf dem Hauptbildschirm einfach nur auf den entsprechenden Betrag drücken musste. Falls das nicht der Fall ist, sollte in der rechten oberen Bildschirmecke ein Button sein, mit dem man die Anzeige auf Englisch umschalten kann. Aber Achtung, in den meisten Fällen redet das Gerät dann auch mit euch.
Zurück zur Fahrkarte: Wenn man also den Betrag gedrückt hat, erscheint dieselbe Zahl nun ein Stück weiter unten neben dem Münzeinwurfschlitz. Nun müsst ihr nur noch bezahlen (das geht natürlich auch mit Scheinen), dabei läuft die Zahl neben dem Münzschlitz rückwärts mit, und gleich danach bekommt ihr ein hübsches Ticket in die Hand. Das könnte zum Beispiel so aussehen, muss es aber nicht.

Und mit diesem Ticket geht ihr dann einfach durch die – wie nennt man das jetzt? – Schranken, schiebt die Fahrkarte in den Schlitz oberhalb des Pfeils (ich hätte ein Foto machen sollen T_T . Das reiche ich bei Gelegenheit nach, ja?) und geht einfach durch. Nur nicht vergessen, das Ticket wieder mitzunehmen, das braucht ihr nämlich in dem Moment, wenn ihr an eurem Zielort wieder aus dem Bahnhofsgebäude hinaus wollt.

Noch ein kleiner Hinweis für eventuelle Vielfahrer: erkundet am Besten mal in einer ruhigen Minute den Fahrkartenautomaten ganz genau. Manche Linien bieten nämlich Rabatte an, mit denen man vielleicht nicht rechnet. Zum Beispiel Sachen wie „10 bezahlen, 11 bekommen“ oder so. Alternativ gibt es je nach Region auch Karten ähnlich der Oyster Card in London, auf die man ein Guthaben aufladen kann und dann gleich drauflos fahren kann. Bisher sind mir Namen wie Suica (Region Tokyo) und Pasmo (Region Yokohama) untergekommen. Darüber gibt es zu einem späteren Zeitpunkt mehr Infos.

In eigener Sache – ich habe eine To-do-Liste angelegt, in der ich Themen, über die ich auf jeden Fall noch berichten möchte, alphabetisch aufgelistet habe. Je nachdem wie mein Terminplan aussieht, werden die dann eins nach dem anderen abgearbeitet. Falls ihr noch interessante Ideen oder Fragen habt, meldet euch einfach.

Asche auf mein Haupt, denn ich habe es in der Zeit, in der ich hier bin, noch nicht geschafft, ein Foto von meinem hiesigen Domizil zu machen. Dafür kann ich aber jetzt immerhin den Tokyo Tower mein Eigen nennen.
(Dieses Exemplar ist uebrigens ca. 10 cm hoch, offensichtlich beleuchtet und hat umgerechnet 1.35 Euro gekostet. Und es stammt aus einem Automaten. Überhaupt kann man hier so ziemlich alles am Automaten kaufen, aber jetzt wollte ich eigentlich ein bisschen was über mein momentanes Zuhause schreiben.

Ich wohne in einem für japanische Verhältnisse sehr großen Haus. Es ist, wie fast alle Häuser hier, aus Holz, hat zwei Etagen und dürfte mindestens 90 qm Wohnfläche bieten. Außerdem gibt es einen Garten hinterm Haus und einen PKW-Stellplatz, der auch noch für 2 1/2 Fahrräder reicht (das halbe Fahrrad ist ein Kinderrad ^.~).
Der Garten ist für deutsche Verhältnisse fast lächerlich klein, aber wenn man mal die Bodenpreise hierzulande bedenkt, ist dieser Garten der reinste Luxus. Er hat schätzungsweise eine Ausdehnung von 3×9 m und beherbergt im Moment einen kleinen Geräteschuppen, eine winzig Terrasse, drei Bäumchen, 5 Tulpen und 8 Hyazinthen. Wenn die Tomaten und Gewürze auf der Terrasse dann endlich mal keimen, werden die auch noch ein Plätzchen finden.

Beim Eintreten muss man natürlich, wie bei allen japanischen Häusern, die Schuhe ausziehen und in Hausschuhe schlüpfen. Der Rest des Hauses ist allerdings doch eher europäisch gehalten. Mit Ledercouch, einem großen, normal-hohen Esstisch im Wohnzimmer und (eher untypisch) mit dem Spielzimmer im Wa-shitsu, also im einzigen “japanischen” Zimmer des Hauses, das noch mit Tatami-matten (für Interessierte: es sind 6 Stück) ausgelegt ist und auch eine Tokonoma (Schmucknische) besitzt, vor die man normalerweise die Gäste platziert. In meinem Fall steht darin allerdings ein Spielhaus ^_____^

Die Küche ist eigentlich ein eigenes Kapitel wert, einfach weil es zu viel auf einmal gibt, worüber ich schreiben könnte. Der Kühlschrank fängt an zu piepsen, wenn man die Tür zu lange offen lässt, die Mikrowelle dreht sich nicht, hat dafür aber einen Temperatursensor, sodas man seine Gerichte auf 5 Grad genau erhitzen kann, und beschwert sich, wenn man sein Essen nicht sofort herausholt, sobald sie fertig sind, und die Spülmaschine ist kaput. Will heißen: sie läuft zwar, aber das Geschirr wird nicht sauber. Dafür ist der Herd ein Wunderwerk der Technik. Oben Gasherd, in der Mitte ein kleiner Grill, der ebenfalls mit Gas betrieben wird, und unten ein voll elekronischer Umluftofen für Kuchen und Aufläufe. Und direkt neben der Tür das Wundergerät, mit dem man per Knopfdruck das Wasser in die Badewanne eine Etage höher einlassen kann. Dieses Gerät hat sogar eine Gegensprechanlage, über die man dann zwischen Küche und Bad miteinander reden kann, aber darauf werde ich noch genauer zu sprechen kommen, wenn ich mich dem Bad im speziellen widme.

Ansonsten gibt es noch ein Kinderzimmer, ein Schlafzimmer, zwei Toiletten und natürlich mein Zimmer, das direkt über dem Washitsu liegt und dewegen auch genauso groß ist. Darin gibt es zwei Fenster, eine große, superbequeme Schlafcouch, einen Schreibtisch mit Bürostuhl, einen Wandschranlk (wie ich ihn liebe! Der ist groß genug, um darin mindestens drei ungebetene Gäste zu verstecken) und natürlich – sehr wichtig – eine Klimaanlage.
Die Fenster sind, übrigens wie die meisten Türen, zum Schieben und besitzen separate auch noch Moskitonetze, die man dann an den Teil des Fensters schieben kann, den man gerade geöffnet hat. Das ist wirklich praktisch, aber es hat wahrscheinlich auch überlebenswichtige Gründe, denn ich habe schon die ersten Mücken tanzen sehen.

Ach, und bevor ich es vergesse, wir haben auch eine Alarmanlage. Die spricht ebenfalls mit Frauenstimme und wird mit einem speziellen Chip ein- bzw. ausgeschaltet, wenn man das Haus verlässt oder betritt. Nach dem Aktivieren hat man genau eine Minute Zeit um aus dem Haus zu kommen und die Tür abzuschließen, ansonsten bekommt man einen Anruf der zuständigen Sicherheitsfirma, der wenn er unbeantwortet bleibt (man hat ja das Haus verlassen) das Resultat hat, dass tatsächlich jemand vorbeikommt und nach dem Rechten sieht.
Wenn man zurückkommt, hat man die Gleiche Frist um die Tür aufzuschließen, die Schuhe auszuziehen und den Chip in den dafür vorgesehenen Schlitz zu schieben, um die Anlage wieder zu entsichern.

Ich warte noch auf den Tag, an dem jemand es nicht in Minute schafft, und vielleicht erlebe ich ihn auch noch. Immerhin habe ich hier zwei kleine Kinder, die mir dabei mit Sicherheit tatkräftig zur Seite stehen werden…


^_____^

Bürokratie

April 7, 2008

Nichts geht ohne Papierkram – erst recht nicht in einem der fortschrittlichsten Länder der Welt

 

Nach der Landung sah ich mich einer reichlich fremden Welt gegenüber. Die Strecke zum Ausgang war sehr lang, aber man musste natürlich nicht die ganze Zeit laufen. Das haben die Rollbänder am Boden übernommen. An den Seitenwänden begrüßte einen alle paar Meter ein neues Plakat, netterweise aber zu großen Teilen noch auf Englisch. Man wird also nicht gleich ins kalte Wasser geworfen, sondern kann sich langsam eingewöhnen.

Irgendwann kommt man dann an die Stelle, an der der lange Gang zu ende ist. Wenn er sich teilt, dann solltet ihr am Besten dem folgen, an dem nicht die zwei in unterschiedliche Richtungen fliegenden Flugzeuge abgebildet sind, die für Umsteiger stehen, sondern dem anderen.

Dort sieht man sich schließlich irgendwie, irgendwo, irgendwann der Einreisebehörde gegenüber. Touristen und Leute mit Visum sollten sich möglichst links anstellen, dort wo wahrscheinlich die Schlange am längsten ist. (Japaner und Leute mit permanenter Aufenthaltsgenehmigung haben den Papierkram schon erledigt und kommen hier an den anderen Schaltern schneller durch) Möglicherweise ist die Beschriftung der Schalter rot, aber ich kann mich nicht mehr hundertprozentig an die Farbe erinnern.

Nun habt ihr hoffentlich alle im Flugzeug die Karte für die Einreise ausgefüllt, die das Personal ausgeteilt hatte (siehe letzter Eintrag in diesem Blog). Die braucht ihr nämlich jetzt, den Reisepass übrigens auch. Der nette Herr bzw. die Dame am Schalter spricht auch Englisch, also keine Panik. Am selben Schalter werden jetzt übrigens noch eure Fingerabdrücke von den Zeigefingern genommen und ein Foto gemacht. Ich persönlich finde es nicht gerade hilfreich, lauter Leute zu fotografieren, die gerade 11 Stunden oder länger im Flugzeug saßen und wahrscheinlich schon seit 22 Stunden auf den Beinen sind, aber ich muss mir die Fotos ja hinterher auch nicht ansehen. Jedenfalls ist das der Grund, aus dem es in dieser Reihe am längsten dauert.

Solltet ihr länger als 90 Tage in Japan bleiben wollen, erspart euch diese Einreisebehörde aber nicht den Gang zur Ausländerregistrierungsbehörde, da müsst ihr nämlich innerhalb der nächsten Wochen auch noch hin.

Hinter den Schaltern könnt ihr dann ganz gemütlich euer Gepäck abholen. Das funktioniert ganz genau wie an jedem anderen Flughafen, es kommt aus einer Klappe und rollt dann so lange auf einem Fließband im Kreis, bis jemand es wiedererkennt und mitnimmt.

Mit dem Gepäck bewaffnet geht es jetzt weiter durch die Zollkontrolle.
Jetzt braucht ihr den zweiten Schein aus dem Flugzeug, auf dem ihr angeben musstet, was für illegale oder Einfuhr beschränkte Waren ihr mit ins Land bringt. Ich hatte (wahrheitsgemäß ^___^) angegeben, dass ich nichts habe. Der Zollbeamte war zwar etwas darüber irritiert (was denn, gar kein Alkohol und keine Zigaretten?) aber hat auch nicht weiter nachgefragt. In den Koffer geschaut hat er auch nicht. Aber wahrscheinlich hätte man mich schon in Deutschland zur Nachkontrolle geschickt, wenn ich irgendwas Seltsames im Gepäck gehabt hätte. Der gute Mann konnte übrigens auch Englisch, auch wenn er das nur ungern rausgekramt hat.

Wenn man da durch ist, hat man es geschafft. Es folgt nur noch ein kleines Stück Weg, dann kommt man an die Stelle, an der die ganzen Leute mit den Schildern stehen, die irgendjemanden abholen wollen. Auf den Schildern steht dann entweder der Name der Person, die abgeholt wird, oder der der Firma, zu der man gehört. Ich habe auch eine Autovermietung gesehen, aber dann keine Zeit mehr mit Schilder-beobachten verbracht, weil ich dann meinen Abholer gefunden habe – und das ganz ohne Schild ^_____^

Wenn ihr hier raus seid, habt ihr es geschafft. Jetzt müsst ihr nur noch irgendwie zu eurer Unterkunft kommen (nein, meine kriegt ihr nicht!) und dann könnt ihr damit anfangen, Japan unsicher zu machen.

 

Viel Spaß mit der neuen Freiheit – aber benehmt euch!

 

 

 

Über den Wolken

April 3, 2008

my planeMuss die Freiheit wohl grenzenlos sein – oder auch nicht…

Der Flug war jedenfalls eine Erfahrung für sich. Einerseits weil man nicht alle Tage in einem Flugzeug mit mindestens 60m Länge bzw. Flügelspannweite sitzt, andererseits weil es keinen besseren Ort gibt um Menschenbeobachtungen anzustellen. Die können nämlich nicht besonders weit weg ^_____^
Aber fangen wir erstmal langsam an, immerhin muss man ja erstmal einsteigen, die Lage auskundschaften und seinen Platz finden, was mitunter gar nicht so leicht ist.
Sitz! Platz!
(Nein, Hunde dürfen meines Wissens nach nicht mit an Bord)

Ich möchte an dieser Stelle kurz anreißen, was euch alles auf eurem Platz erwartet. Wer lieber selbst auf Entdeckungsreise gehen will, sollte diesen Absatz besser auslassen.
Die Sitze sind um Einiges größer als bei den vergleichsweise kleinen Maschinen, die normalerweise für Interkontinentalflüge genutzt werden. Außerdem findet man gleich zu Anfang schon ein Kissen und eine Decke darauf. In die  Rückenlehne des Vordermanns ist ein Bildschirm eingelassen und die dazu gehörende Fernbedienung sollte sich in einer eurer Armlehnen befinden (dazu komme ich noch). In der anderen ist übrigens mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Klapptischchen, wenn das nicht auch im Sitz vor euch ist.
Sollte nicht schon bei Kissen und Decke ein Paar Kopfhörer gewesen sein, befindet sich das sicherlich in der Tasche mit den Broschüren, die euch einige Informationen zum Flieger, der Reiseroute und den an Bord erhältlichen Geschenkartikeln enthalten. Diese Kopfhörer hatten in meinem Fall einen doppelten Klinkenstecker, sodass sie außerhalb des Fliegers in keine anderen Geräte passen würden. (Nebenbei sind sie riesig und völlig unspektakulär, wenn man nicht gerade auf Retro-Look steht) Denkt also gar nicht erst dran, sie für zuhause einzupacken ^^

Mitreis(s)ende

 

Da war einerseits diese französische Schulklasse in der Economy Extra, eine Reisegruppe von vielleicht 8 Schülern die irgendwas zwischen 12 und 14 Jahren alt waren. Was um alles in der Welt haben die für Eltern? Millionäre wie du und ich, wahrscheinlich. Ich habe es in dem Alter gerade mal bis nach Frankreich geschafft, aber lassen wir das ^^.

Dann war vor mir eine anscheinend Japanisch-dänische Familie mit einer kleinen Tochter, die sich einen Spaß daraus gemacht hat, dem Flugpersonal im Weg zu stehen. Und das musste natürlich immer höflich bleiben, ganz egal wie sehr die Kleine genervt hat (sie war aber auch wirklich niedlich) Neben mir saßen zwei Orange-Girls, denen man immerhin zugute halten kann, dass sie wenigstens nicht ganz so angebrannt aussahen wie man erwarten könnte. Dafür waren ihre Fingernägel aber besser als jede Mordwaffe, mal davon abgesehen, dass sie quietschbunt waren. Die beiden waren eigentlich ganz angenehme Nachbarn, von den unerwarteten „KAWAAAAAIIIIIIII!“-Rufen mal abgesehen, die mich doch ziemlich effektiv vom Schlafen abgehalten haben. Das haben aber die beiden Amerikaner hinter mir mit noch mehr Erfolg betrieben, denn die Orange-Girls hatten wenigstens noch einen gesunden Schlaf-wach-Rhythmus und waren dann wenigstens mal für drei Stunden ruhig. Das Pärchen hinter mir nicht. Und es war ihnen offenbar ganz egal, dass der Rest der Passagiere sich nicht dafür interessiert, wie toll sie ihren Film fanden…


Unterhaltung
Ach, das Unterhaltungsprogramm -  das ist eigentlich fast einen Eintrag für sich allein wert… Dass es in Reisebussen ein Videoprogramm gibt, ist ja allgemein bekannt. Nun, auf Langstreckenflügen gibt es auch eins. Das war erstmal ein richtiger Kulturschock für jemanden wie mich, der vorher nur mit Billigfliegern geflogen ist. Man bekommt aber nicht etwa einen Film vorgesetzt, nein, man hat sogar die Wahl zwischen verschiedenen Programmen.
In meinem Fall waren es mindestens 12 Filme, von denen einige gerade erst im Kino waren und andere einfach Kultstatus haben. Meist sind Familienfilme dabei, außerdem gab es noch Cartoons, Dokumentationen und mehrere verschiedene Musikkanäle. Zusätzlich konnte man Spiele spielen, da wurde die Fernbedienung dann kurzerhand zur Steuerung umfunktioniert, und wenn das noch nicht reichte konnte man sich anschauen, was die Außenbordkameras zu sagen hatten. Es gab die Wahl zwischen dem Blick nach unten und dem Blick nach vorn. Da der größte Teil des Flugs aber über Nacht ging, war das nicht unbedingt immer spannend ^,^

Organisatorisches
Vielleicht eine Stunde nach dem Einstieg wurden an jeden Reisenden mindestens zwei auf den ersten Blick seltsame, beige Zettelchen verteilt. Einer davon war für die Einreisebehörde, der andere für die Zollbehörde. Die Einreisebehörde wollte neben den üblichen persönlichen Angaben noch mal wissen, was ich für einen Beruf habe und wo ich zu wohnen gedenke, das Zollamt möchte Angaben, ob ihr irgendwelche illegalen oder Einfuhr beschränkten Waren bei euch habt.
Was vielleicht wichtig ist: wenn ihr unbegleitetes Gepäck habt (also einen Koffer nicht in diesem Flugzeug bei euch habt) müsst ihr dafür einen zweiten Zettel ausfüllen. Diese Zettel sind sehr wichtig, also falls das Personal vergisst sie auszuteilen, solltet ihr vielleicht mal nachfragen.

Essen

 

Vielleicht eine halbe Stunde nach den Zetteln gab es Abendessen. Das war total aufregend, weil ich noch nie in einem Flugzeug richtige Mahlzeiten bekommen habe. Es gab einen Becher mit Rote-Beete-Salat, einen Becher mit stillem Mineralwasser, einen Becher mit drei Mikrowindbeuteln in Schokosoße zum Nachtisch und als Hauptgang eine Assiette mit gebratener Hühnchenbrust, Kartoffeln, Mischgemüse und gebratenen Zwiebeln, außerdem eine leere Tasse, eine dreieckige Packung Kondensmilch und etwas Butter. Das Besteck war zusammen mit Pfeffer, Salz, Zucker und einem Reinigungstuch eingeschweißt, außerdem gab es auch Stäbchen (sehr praktisch für das Hühnchenfilet ^.~)

Alle paar Minuten wuselte dann eine Flugbegleitung vorbei und bot Kaffee, Tee oder Brötchen an, die übrigens frisch aufgebacken und unglaublich lecker waren.

Vorsicht übrigens beim Öffnen der Becher, die sind bei normalem Luftdruck eingepackt. In der Höhe von etwa 10 000m, in der ihr euch befinden dürftet, herrscht ein ziemlicher Unterdruck, es dürfte also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit spritzen. Dreht also am Besten den Becher von euch weg, wenn ihr ihn aufmacht. In Richtung unliebsamer Sitznachbarn beispielsweise XD
Meinem Bauch zufolge etwa zwei Stunden später gab es eine Art Mitternachts-snack. Da ich eine skandinavische Fluggesellschaft genutzt habe, war das ein Wrap mit Elchsalami. Vielleicht drei oder vier Stunden danach gibt es auch schon wieder Frühstück, und wenn ihr zwischendurch mal Durst habt, sprecht einfach eins der Besatzungsmitglieder an und lasst euch einen Tomatensaft bringen. Für euer leibliches Wohl ist also bestens gesorgt.  Und alles andere ist doch wirklich halb so schlimm.


Ich wünsche allen Fliegen(den) einen guten Flug und eine sichere Landung.