Onsen
Mai 25, 2008
Hier ist er endlich, der lange versprochene Bericht über Onsen. Aus sicher nachvollziehbaren Gründen sind keine Menschen auf meinen Fotos…

Zuerst mal ein bisschen Hintergrundinformation: Onsen (温泉, oft auch einfach nur ゆ – heißes Wasser) ist der japanische Begriff für heiße Quellen vulkanischen Ursprungs, bezeichnet aber heute meist öffentliche Bäder und Gasthöfe in deren unmittelbarer Umgebung. Man findet sie so gut wie überall und oft sind besondere Mineralien (Schwefel, Natrium, Hydrogencarbonat, Eisen, etc.) im Wasser gelöst, weshalb vielen Onsen heilende Kräfte zugeschrieben werden.
Heutzutage findet man Onsen entweder privat geführt, staatlich oder als Teil eines Hotels, Ryokan oder Bed & Breakfast. Dabei liegen die Eintrittspreise je nach Betreiber zwischen 400 und 3000 Yen bzw. die Benutzung ist im Übernachtungspreis enthalten. Viele Onsen bieten auch Massagen, Saunen, Ruheräume und Aufenthaltsräume für Kinder an oder haben sogar angegliederte Restaurants. Meistens gibt es getrennte Bereiche für Männer und Frauen, bzw. getrennte Badezeiten, wenn die örtlichen Gegebenheiten keine räumliche Trennung zulassen. In den ländlicheren Gegenden soll es aber auch noch gemischte Bäder geben.
Und wie verhält man sich jetzt in einem Onsen, um nicht gleich als Ausländer in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten?
Zuerst werden natürlich im Eingangsbereich die Schuhe abgestellt. Dafür gibt es entweder ein Regal oder Schließfächer. Anschließend geht man zur Anmeldung, wo man nach dem Bezahlen eine Tasche mit einem Yukata, einem Obi, einem großen und einem kleinen Handtuch bekommt. Hat man das, geht man in seinen jeweiligen Umkleidebereich, entledigt sich seiner Kleidung und schließt sie entweder ein oder legt sie, sollte es keine Schließfächer geben, in einen der vorhandenen Körbe. Der Yukata ist dazu da, dass man, wenn man gerade nicht im Wasser ist, im Gebäude herumlaufen kann, ohne sich jedes Mal wieder vollständig anziehen zu müssen.
Das große Handtuch wird normalerweise bei der Kleidung zurückgelassen, das kleine nimmt man mit ins Bad. Bevor man dann allerdings ins Wasser geht, muss man sich – wie auch im heimischen Bad üblich – erstmal gründlich waschen. Seife und Shampoo ist so gut wie überall vorhanden, manchmal werden sogar Rasierer, Duschhauben oder Zahnbürsten für die Gäste zur Verfügung gestellt.
Wichtig ist, dass man sich sehr gründlich wäscht (Haare waschen ist aber kein Muss) und auf gar keinen Fall mehr Schaum (oder Schmutz) am Körper hat, wenn man ins Wasser geht. Das tut man dann natürlich nackt, man darf aber anstandshalber die wichtigsten Stellen mit dem kleinen Handtuch verdecken. Dieses kann dann am Beckenrand abgelegt werden, allerdings legen es sich viele Japaner einfach zusammengefaltet auf den Kopf oder knoten es darum (das machen aber eher Frauen). Dann heißt es einfach nur noch entspannen…
Gespräche sind keine Seltenheit, aber dabei sollte man nach Möglichkeit nicht zu laut sein, immerhin wollen die anderen Besucher sich ja auch erholen.
Wegen der hohen Temperaturen des Wassers (bei 40 C geht’s los) sollte man es aber mit dem Entspannen nicht übertreiben, weil der Kreislauf das nicht lange mitmacht. Also immer mal zwischendurch aufstehen, aus dem Becken gehen, ein bisschen draußen umherwandern, etwas trinken (Wasser und Eiswürfel stehen vielleicht kostenlos irgendwo herum), und wenn man sich etwas abgekühlt hat, einfach wieder ins Wasser. Oft gibt es Becken im Außenbereich, was in der kälteren Jahreszeit sehr angenehm ist, Becken mit Sprudelfunktion oder Becken, die nicht ganz so heiß sind. Einfach alles ausprobieren, was ihr findet ![]()
Wenn ihr zwischendurch Hunger habt, schlüpft ihr einfach in den Yukata (Unterwäsche hat sich aber als praktisch erwiesen ^_^’) und holt euch was. Selbst wenn es kein angegliedertes Restaurant gibt, steht mit Sicherheit irgendwo ein Automat herum.
Meist findet sich auch ein Föhn zum Haare trocknen in den Umkleideräumen, in meinem Fall gab es sogar frisch desinfizierte Bürsten, Ohrstäbchen und Haarspray. Ich muss aber zugeben, dass es eins der teureren Onsen war, für das ich den Eintritt nicht selbst zahlen musste *^.^*.
Am Ende des Ausflugs ins Onsen darf man übrigens in den meisten Fällen das kleine Handtuch als Andenken behalten (Es ist spannend, wie viele man davon man bei gutem Wetter auf so manchen Wäscheleinen sieht ^___^). Das große und der Yukata werden wieder abgegeben.
Noch eine kleine Bemerkung am Rande – es gibt sogenannte „onsen-tamago“ also Onsen-Eier im Supermarkt. Das sind Eier, die 20 Minuten in etwa 60 C warmem Wasser gelegen haben und dadurch eine sehr spezielle Konsistenz erhalten. Mit einem Thermometer im Kochtopf lässt sich das sicher ganz leicht nachmachen und ausprobieren. Viel Spaß dabei!
Die Badewanne redet mit mir!
Mai 20, 2008
Heute erzähle ich euch ein bisschen was zum Bad. Nach dem Artikel über Toiletten sollte das ja niemanden mehr schocken ^^ (Okay, wahrscheinlich langweilt ihr euch zu Tode, aber das ist ja nicht mein Problem *gg*)
Das hier ist ein ziemlich typisches Bad, was so ziemlich alle Dinge beinhaltet, die japanische Familien zum Baden brauchen. Falls jetzt jemand wissen möchte, wo das Waschbecken ist, das ist im Vorzimmer.
Jetzt aber zum Baden an sich. Vielleicht wisst ihr ja schon, dass man sich waschen muss, bevor man in die Badewanne steigt. Das liegt daran, dass die ganze Familie dasselbe Wasser benutzt, also am Besten versuchen als erster dran zu sein.
Der weiße Hocker im Vordergrund (mit dem Loch in der Mitte) ist zum Sitzen, damit man beim Duschen nicht den ganzen Raum vollspritzt. Das wäre aber auch kein Problem, weil er fast hermetisch vom Vorraum abschließbar ist. Überfluten kann man ihn aber leider wegen des Abflusses (ist auf dem unteren Bild in schwarz zu erahnen) nicht.
Die Dusche funktioniert wie eine ganz normale Dusche, nur hat sie noch einen separaten Wasserhahn unterhalb der Armatur, aus dem die kellenartige Schüssel füllen kann, die darunter steht, um sich das Wasser dann über den Rücken oder den Kopf zu schütten (wer’s mag…)
Das runde, rosa Etwas links oben ist übrigens eine Haarwaschhaube, etwas, das wohl auch in Deutschland viele Kinder zu schätzen wissen dürften.
Jetzt zum spannenden Teil, der redenden Badewanne. Die Steuereinheit der Badewanne ähnelt ein wenig der der Toilette, darum habe ich sie nicht nochmal fotografiert. Es gibt jedenfalls einen Knopf, mit dem man automatisch Wasser einer bestimmten Temperatur einlassen kann. Beim Draufdrücken hört es sich etwa so an:
DIE BADEWANNE
Die nette Frauenstimme sagt, dass sie jetzt damit beginnt, das Wasser einzulassen, und fragt, ob der Stöpsel in der Wanne ist.
Nach ein paar Minuten bekommt man die Zwischenmeldung, dass man bald ins Bad steigen kann – dann kann man beispielsweise schon anfangen zu duschen – und noch ein kleines Weilchen später verkündet die Wanne, dass jetzt alles bereit ist. Natürlich hat die Wanne selbst bei einem bestimmten Füllstand aufgehört, noch Wasser einzulassen. Und man muss auch nicht sofort baden, denn das Wasser wird automatisch noch mindestens eine Stunde warm gehalten, wofür auch die Abdeckung sorgt, die auf der Wanne liegt.
Was noch wichtig ist: unbedingt darauf achten, dass man keinen Schaum mehr am Körper hat, wenn man in die Wanne steigt, und besser nicht zu lange im Wasser bleiben, weil das den Kreislauf belasten kann.
Die Temperatur liegt derzeit bei 40 C, im Winter etwas mehr, im Sommer etwas weniger. Man kann jedenfalls nach einem Bad himmlisch gut einschlafen, und wenn man das nicht tut, ist man nach spätestens 20 Minuten hellwach und fühlt sich total erfrischt. Ich bin jedenfalls auf den Geschmack gekommen.
Vorschau aufs nächste Mal: Onsen
Flash Mob
Mai 15, 2008
Heute zu einem Phänomen, das mir vor einiger Zeit in Harajuku untergekommen ist. Dem Flash Mob.
(ausnahmsweise nicht mit Bildern, sondern mit einem Video – huldigt meiner Kamera ^___^ – okay, die Quali ist mehr als mies…)
Bis zu diesem Moment wusste ich nicht mal, dass es so was gibt, aber man lernt ja nie aus. Laut meinen Informationen stammt dieses Phänomen wie so vieles aus den USA, aus New York um genau zu sein. Dort traf sich eine ziemlich große Gruppe von Menschen scheinbar zufällig zur selben Uhrzeit an der Grand Central Station und erstarrte plötzlich von einer Sekunde auf die andere mitten in der Bewegung. Und mitten im Bahnhof. Das Ganze wurde aufgenommen und sollte derzeit in den verschiedensten Versionen auf Youtube zu finden sein („Frozen Grand Central“). Erst drei Minuten später liefen alle Teilnehmer auch scheinbar zufällig einfach weiter, als wäre überhaupt nichts gewesen.
Die Wikipedia meint, dass der Ursprung in England liegt, wahrscheinlich werden sie auch Recht haben, aber das muss ich jetzt nicht alles abschreiben ^^. Bei Interesse lest einfach hier weiter.
Genau dieses Szenario stelle man sich jetzt bitte mitten in einem belebten Park in Harajuku vor. Da ist man als Passant schon ziemlich irritiert, was es denn da zu sehen gibt, wenn alle auf einem Haufen stehen. Aber es war ja genau der Haufen, den es zu sehen gab. Und eh man dann realisiert, dass die Leute absichtlich in den unterschiedlichsten Posen herumstehen und sich nicht bewegen, laufen sie im nächsten Moment alle einfach weg…
Netterweise haben die netten Jungs und Mädels ihre Übung aber gleich darauf noch mal wiederholt, damit man auch Fotos bzw. Videos davon machen konnte. Ihr könnt euch ja mal das kleine Video anschauen, aber live war es natürlich viel beeindruckender, wenn da diese vielen Menschen plötzlich stehen wie eingefroren. (mit Ausnahme dieses einen, der mitten hindurchlatscht T_T) Eigentlich war das aber nur die Generalprobe für das eigentliche Event am Bahnhof Shinjuku, das ich leider nicht mehr gesehen habe.
Ich habe mir sagen lassen, dass es ähnliche Aktionen auch in der Form gibt, dass man mit der ganzen Mannschaft gleichzeitig bei McDonalds auftaucht, in der Pizzeria oder im Schuhladen. Die laut Wiki erste (aufgefallene) Gruppe hat wohl sogar in Macy’s Department Store (Manhattan) mit mehr als 100 Leuten gemeinschaftlich um einen ziemlich teuren Teppich herumgestanden und auf Fragen der Angestellten einheitlich behauptet, dass sie alle zusammen in einer alten Fabrik am Stadtrand leben würden, auf der Suche nach einem Liebesteppich seien und immer alle Kaufentscheidungen gemeinsam treffen würden.
Das ist dann eine ziemliche Herausforderung fuer das Personal, weil es ja keine Vorwarnung gibt, keiner ahnt, dass es ein Scherz ist und auch niemand weiß, wer denn nun genau zu der Gruppe gehört, und wer nicht.
Es bietet jedenfalls eine ziemliche Abwechslung zum normalen Alltag und macht sicher auch den Teilnehmern ziemlich Spass.

Treue über den Tod hinaus – Hachiko
Mai 12, 2008
Heute erzähle ich mal eine Geschichte, und zwar eine Geschichte, die sich wirklich zugetragen hat, und die mein Interesse geweckt hat, weil am Bahnhof in Shibuya, wo ich recht oft umsteige, wenn ich nach Tokyo fahre, eine Hundestatue steht…
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit (zwischen 1923 und 1935 nämlich) ein kleiner Akita-Inu (秋田犬) namens Hachiko (ハチ公). Er gehörte Ueno Hidesamurō, einem Professor für Agrarwissenschaften an der Universität Tokyo. Jeden Morgen verabschiedete sich der Hund an der Vordertür und machte sich am Abend auf den Weg zum Bahnhof Shibuya, um dort sein Herrchen vom Zug abzuholen.
Nur eines Abends im Mai des Jahres 1925 wartete Hachiko vergebens. Der Professor war im Alter von 54 Jahren unerwartet verstorben. Aber weil er das natürlich nicht wusste, kam der kleine Hund weiterhin treu und brav jeden Abend zum Bahnhof Shibuya und wartete voller Hoffnung auf sein Herrchen.
Irgendwann wurden die Pendler und Passanten auf den Hund aufmerksam, der stets dort saß, einer von ihnen war ein ehemaliger Student Uenos, der in der Zwischenzeit ein Experte für Akitas geworde war und später im Jahr eine Publikation veröffentlichte, laut der es einschliesslich Hachikos nur noch 30 reinrassige Akitas in Japan gab. Er kam oft in Shibuya vorbei um Hachiko zu besuchen und schrieb weitere Artikel über die Loyalitaet und Hingabe des Hundes. 1932 machte einer dieser Artikel, veröffentlicht in Tokyos grösster Tageszeitung, Hachiko zum Mittelpunkt des nationalen Interesses.
Bewegt von der Treue des Tieres wurde ihm zu Ehren eine Bronzestatue gegossen und im April 1934 in der Nähe des Bahnhofs aufgestellt, wobei Hachiko selbst anwesend war. (die Originalstatue wurde im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, aber an ihrer Stelle steht seit 1948 ein vom Sohn des Originalkünstlers geschaffenes Exemplar)
Die Inschrift lautet 忠犬 ハチ公 - der getreue Hund Hachiko An der Bahnhofswand gegenüber sind noch andere Impressionen des Hundes zu sehen.
Wer sie besichtigen möchte, braucht nur mit dem Zug nach Shibuya fahren und dort den Schildern in Richtung Hachiko Gate oder Hachiko Mae folgen. Das ist der Ausgang mit der Nummer 7 oder 7a. Nach wie vor ist dieser Platz einer der beliebtesten Treffpunkte Tokyos.
Nach seinem Tod im März 1935 (er war bis dahin weiter jeden Abend exakt zu der Zeit, zu der der Zug eintraf, zum Bahnhof Shibuya gekommen) wurde Hachiko übrigens ausgestopft und im National Science Museum in Ueno ausgestellt, wo er noch immer zu sehen sein soll.
Bemerkenswert an Hachikos Geschichte ist nicht nur, dass am Beispiel des Hundes viele Eltern und Lehrer den Kindern Loyalität zu ihrer Familie beibringen wollen, sondern dass durch ihn auch das Interesse an Akitas wieder stieg. Heutzutage ist es keine Seltenheit mehr, wenn man beim Spaziergang einem begegnet.
Somit ist es gewissermassen Hachikos Verdienst, dass seine Art nicht ausgestorben ist.