Treue über den Tod hinaus – Hachiko
Mai 12, 2008
Heute erzähle ich mal eine Geschichte, und zwar eine Geschichte, die sich wirklich zugetragen hat, und die mein Interesse geweckt hat, weil am Bahnhof in Shibuya, wo ich recht oft umsteige, wenn ich nach Tokyo fahre, eine Hundestatue steht…
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit (zwischen 1923 und 1935 nämlich) ein kleiner Akita-Inu (秋田犬) namens Hachiko (ハチ公). Er gehörte Ueno Hidesamurō, einem Professor für Agrarwissenschaften an der Universität Tokyo. Jeden Morgen verabschiedete sich der Hund an der Vordertür und machte sich am Abend auf den Weg zum Bahnhof Shibuya, um dort sein Herrchen vom Zug abzuholen.
Nur eines Abends im Mai des Jahres 1925 wartete Hachiko vergebens. Der Professor war im Alter von 54 Jahren unerwartet verstorben. Aber weil er das natürlich nicht wusste, kam der kleine Hund weiterhin treu und brav jeden Abend zum Bahnhof Shibuya und wartete voller Hoffnung auf sein Herrchen.
Irgendwann wurden die Pendler und Passanten auf den Hund aufmerksam, der stets dort saß, einer von ihnen war ein ehemaliger Student Uenos, der in der Zwischenzeit ein Experte für Akitas geworde war und später im Jahr eine Publikation veröffentlichte, laut der es einschliesslich Hachikos nur noch 30 reinrassige Akitas in Japan gab. Er kam oft in Shibuya vorbei um Hachiko zu besuchen und schrieb weitere Artikel über die Loyalitaet und Hingabe des Hundes. 1932 machte einer dieser Artikel, veröffentlicht in Tokyos grösster Tageszeitung, Hachiko zum Mittelpunkt des nationalen Interesses.
Bewegt von der Treue des Tieres wurde ihm zu Ehren eine Bronzestatue gegossen und im April 1934 in der Nähe des Bahnhofs aufgestellt, wobei Hachiko selbst anwesend war. (die Originalstatue wurde im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, aber an ihrer Stelle steht seit 1948 ein vom Sohn des Originalkünstlers geschaffenes Exemplar)
Die Inschrift lautet 忠犬 ハチ公 - der getreue Hund Hachiko An der Bahnhofswand gegenüber sind noch andere Impressionen des Hundes zu sehen.
Wer sie besichtigen möchte, braucht nur mit dem Zug nach Shibuya fahren und dort den Schildern in Richtung Hachiko Gate oder Hachiko Mae folgen. Das ist der Ausgang mit der Nummer 7 oder 7a. Nach wie vor ist dieser Platz einer der beliebtesten Treffpunkte Tokyos.
Nach seinem Tod im März 1935 (er war bis dahin weiter jeden Abend exakt zu der Zeit, zu der der Zug eintraf, zum Bahnhof Shibuya gekommen) wurde Hachiko übrigens ausgestopft und im National Science Museum in Ueno ausgestellt, wo er noch immer zu sehen sein soll.
Bemerkenswert an Hachikos Geschichte ist nicht nur, dass am Beispiel des Hundes viele Eltern und Lehrer den Kindern Loyalität zu ihrer Familie beibringen wollen, sondern dass durch ihn auch das Interesse an Akitas wieder stieg. Heutzutage ist es keine Seltenheit mehr, wenn man beim Spaziergang einem begegnet.
Somit ist es gewissermassen Hachikos Verdienst, dass seine Art nicht ausgestorben ist.
Mai 12, 2008 at 9:53
Ja, diese Geschichte ist wirklich sehr ergreifend. Ich kenne sie, weil sie mal im Fernsehen in einer Dokumentation über Tokyo kam. Interessant, dass die japanischen Eltern durch einen Hund angespornt werden Loyalität zu vermitteln. ^^
Mai 13, 2008 at 10:07
Süß, aber irgendwoher kenn ich die Geschichte…oder ich bilde es mir nur wieder ein.
Wo hat der Hund denn dann gelebt wenn der Besitzer tot war? Oder hat dessen Familie es gewusst und den Hund trotzdem immer gehen lassen?
Mai 15, 2008 at 1:09
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Geschichte euch schon mal irgendwo begegnet ist. Es gibt auch mehrere Kinderbuecher, die sich mit dem Thema befassen.
Soweit ich es richtig in Erinnerung habe, ist dieser ehemalige Student, der den Akita-Artikel veroeffentlicht hat, Hachiko ja gefolgt und hat auf diese Weise von seiner Geschichte erfahren, also gehe ich davon aus, dass es noch eine Familie gegeben haben muss, die sich um den Hund kuemmerte und die Geschichte erzaehlen konnte.
Ach, was ich noch vergessen hatte… Es kommt vielleicht sogar noch dieses Jahr ein Film mit Richard Gere ins Kino, der den Titel „Hachiko – a dog’s Story“ tragen soll. Die Filmleute haben sicher besseren Quellenzugriff als ich ^^
Mai 23, 2008 at 9:36
Süß,aber irgendwie auch sehr traurig!!!;_;
Also, wenn die einen Film drehen, ist Richard Gere ja gar nicht mal so schlecht, auch wenn der alles andere als 1 Japaner ist…