Dies ist die Geschichte eines japanischen Familienvaters. Eines stolzen japanischen Familienvaters. Denn heute war der große Tag.
Nach Monaten des Wartens und Hoffens, nach t
äglichem Gießen, Kämpfen mit allen möglichen gefährlichen Fressfeinden und letztendlich der Errichtung eines Schutzschilds, war es heute endlich soweit: Sie wurde geerntet. Sie, die erste Wassermelone, die jemals in diesem Garten gewachsen war.

Wassermelonen sind ja in Japan schon seit Langem sehr beliebt. Man kann Badeschwämme kaufen, die aussehen wie ein Stück Wassermelone, sie sind aus keinem Shojo-Manga oder Artbook wegzudenken, man kann Bälle in Wassermelonen-Optik kaufen, es gibt Eis und Getränke in dieser Geschmacksrichtung und natürlich ist da auch auch das allseits beliebte Spiel, bei dem man Kindern die Augen verbindet und sie mit einem Stock (ein Besenstiel reicht auch) in der Hand auf die arme, hilflose Wassermelone loslässt. Dieses Spiel funktioniert aber nur, wenn die Melone richtig reif ist. Wenn man dann die richtige Stelle trifft, sorgt der Druck in der Wassermelone selbst dafür, dass sie platzt bzw. zerfällt. Die sterblichen. Überreste werden dann selbstverständlich mit Freunden oder Familie vertilgt.
Hier hei
ßt die Wassermelone übrigens suika (水瓜), überraschenderweise zusammengesetzt aus den Kanji für Wasser und für Melone =^^=.

Jetzt aber zurück zu unserer Wassermelone. Man soll Wassermelonen ja normalerweise genau 85 Tage nachdem die Blüte abgefallen ist und eine kleine Kugel zurückgelassen hat ernten (war mir auch neu, ich dachte immer man hört beim Klopfen, ob sie reif ist). Wegen der vielen Fressfeinde (insbesondere Dangomushi 団子虫, Armadillidium vulgare, eine Art tagaktiver Kellerasseln, die übrigens auch unglaublich auf Gurken steht, was der Grund dafür ist, dass alle Gurkenpflanzen abgefressen waren, noch bevor sie auch nur zur Blüte gekommen sind) sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die winzigen Suika mit Gaze umwickelt und so geschützt werden sollten.

Tja, nur dass irgendwelche Tiere trotzdem rangekommen sind und die Mini-Suika nach vielleicht sechs Tagen trotzdem aufgefressen oder angefressen und schwarz geworden war. Aber bei aller Trauer um den Verlust, hatte es in der Zwischenzeit eine andere Blüte geschafft, eine Mini-Suika hervorzubringen. Die wurde nun natürlich gehegt und gepflegt, in ein handgemachtes Gaze-Säckchen gepackt (ja, von mir ^^) und immer wieder kontrolliert. Ihr ging es dann auch tatsächlich ganz gut, sie wuchs und gedieh in ihrem überdimensionalen Blumenkasten, bis sie irgendwann bei einem Durchmesser von ca. 12 cm aufhörte zu wachsen. Das könnte daran liegen, dass Melonen viel Platz brauchen und der Blumenkasten einfach nicht genügend Nährstoffe für weiteres Wachstum bieten konnte, oder daran, dass irgendjemand die Blätter der Pflanze eins nach dem anderen angefressen hat, bis schließlich sogar die Hauptranke braun wurde.

Aus diesem Grund mussten wir die Suika also heute gewisserma
ßen „noternten“. U
nd dabei hing immer die Befürchtung in der Luft, dass wir keine Wassermelone, sondern eine Gurke ernten würden, denn unreife Wassermelonen sind innen grün und schmecken in etwa so wie Gurken. Sind ja auch miteinander verwandt.
Tja, was wir am Ende geerntet haben, seht ihr ja auf dem Bild.
Und dass man auch aus scheinbar unwichtigen Dingen wie einer Melone eine lange Geschichte machen kann, seht ihr an diesem Eintrag -^.^-

Bis zum nächsten Mal!

Ja, es gibt sie auch hier. Unsere schwedischen Freunde haben es schon bis nach Asien geschafft und werden wohl noch die Welt erobern, wenn es so weiter geht. Aber in Japan hatten sie wohl einige Anlaufschwierigkeiten, denn eigentlich hatte Ikea Ende der 80er Jahre bereits versucht in Japan Fuß zu fassen.
Sagen wir mal, Japan war damals einfach noch nicht reif f
ür diese Form von Möbeln…

Mittlerweile kann IKEA hier aber positivere Bilanzen ziehen als damals und hat vor Kurzem bereits das dritte Einrichtungshaus eröffnen können. Und wenn ich Einrichtungshaus sage, dann meine ich ein ähnliches Modell, wie man es auch aus Deutschland kennt: ein großer, blauer Klotz mit gelbem Schriftzug und jeder Menge Parkplätze, mitten in der Landschaft. Aus Platzgründen steht der Klotz aber nicht in der Landschaft, sondern in diesem Fall in einem gut besiedelten Randgebiet von Yokohama, und die Parkplätze sind nicht davor, sondern in drei Etagen im angebauten Parkhaus.

Der Parkplatz ist übrigens morgens um 10:00 Uhr schon so voll wie man es in Deutschland vom verkaufsoffenen Sonntag her kennt, es dauert also ein *bisschen* länger, ehe man einen gefunden hat.

Und am Eingang begrüßt einen gleich das fröhliche „Hej da“, das in etwa so viel mit Japan zu tun hat wie Weißwurst oder die brasilianische Flagge… Aber man fühlt sich gleich ein wenig näher an zu Hause…

Die Möbelausstellung selbst unterscheidet sich dann kaum vom europäischen Sortiment. Der einzige gravierende Unterschied ist vielleicht, dass die aufgebauten Vorführräume ein wenig kleiner sind als bei uns, einfach weil man in Japan nur in den seltensten Fällen so viel Platz hat wie in einem Einrichtungshaus.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass es sehr sauber und ordentlich war und alle paar Meter an strategisch wichtigen Punkten Spielecken für die Kinder eingerichtet waren. Zwar hat auch in Japan jede Filiale ein Småland, aber bei den Mengen an Besuchern reicht das bei Weitem nicht für alle Kinder aus.

Kommen wir mal zum interessanteren Teil, nämlich dem Essen, was ja in Deutschland schon ein Thema für sich ist, nach Kottbullar-Skandal und allem. Die Spielecke hier war übrigens erstaunlich langweilig. Wie viel Spaß macht auch eine Tischplatte mit Eisenbahngleisen, wenn kein Zug dazu da ist…
Erstaunlicherweise erfreut sich die schwedische K
üche hier einer kaum in Worte zu fassenden Beliebtheit. Schon um 11:20 Uhr waren die Schlangen an der Essenausgabe so lang, dass ich am liebsten sofort wieder umgedreht wäre. Aber so hatte ich wenigstens genug Zeit für ein Foto der Speisekarte. Das einzige, was es davon mit Sicherheit nicht in Europa gibt, dürfte der Macha-Latte sein. Das ist mal grob ausgedrückt ein Grüntee-Milchshake. Allerdings gab es den in dieser Filiale aus irgendwelchen Gründen auch nicht. Zwar irgendwie seltsam, aber da kann man nichts machen.

Habt ihr eigentlich auch den Eindruck, dass die Preise niedriger sind als in Deutschland? Nicht nur was das Essen betrifft, auch die Möbel und anderen Sachen. Oder gab es schon mal Tassen für 12 Cent?

Aber bei aller Perfektion und allen tollen Angeboten ist man auch in Japan nicht vor Rechtschreibfehlern gefeit. Ich wüsste ja zu gern, ob das mal irgendjemand bemerken und korrigieren wird…

Ach, und noch ein kleiner Hinweis: Die japanische IKEA-Family-Card ist exakt die gleiche, die es in Deutschland auch gibt. Wahrscheinlich ist diese Karte weltweit einheitlich. Solltet ihr also vorhaben bei eurem Japanbesuch bei IKEA vorbei zu schauen, packt ruhig eure deutsche Family-Card ein. Und dann ganz viel Spaß beim Rücktransport der Möbel.
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Heute mal ein Titel, mit dem wohl fast niemand etwas anfangen kann. N
ämlich Hidamari no Tami 日だまり; ひだまり, 日溜まり; 陽だまりの民. Kurz: Flip-Flap (diese Bezeichnung ist eine Erfindung meines Gastvaters, passt aber auch ausgezeichnet, finde ich)
Wie ihr schon seht, gibt es die verschiedensten Arten um
Hidamari zu schreiben, aber sie haben alle die gleiche Bedeutung: einen sonnigen Fleck oder eine Stelle, an der die Sonne scheint. Tami bedeutet schriftsprachlich sowohl Volk, Nation als auch Untertan.
In der englischen Variante kennt man sie auch als
Sunshine Buddies.
Und wovon rede ich hier die ganze Zeit? Von einem kleinen Wesen aus Hartplaste, das mit Hilfe einer noch kleineren Solarzelle genug Sonnenenergie umwandeln kann, um einfach nur langsam und gemütlich mit dem Kopf zu wackeln.
Dabei tut es nichts weiter als unglaublich niedlich auszusehen und den Betrachter dadurch vermutlich zu hypnotisieren ^^
Wer das mal ausprobieren will, der sollte sich Merc’s Video ansehen.
Diese Wesen werden von der japanischen Firma
K.K. Takara-Tomy (株式会社タカラトミー ) aka TOMY hergestellt und sind der absolute Verkaufsschlager in Touristenshops von Akihabara bis Asakusa. Normalerweise kosten sie zwischen 1600 und 2500 Yen, je nach Ausführung, Kopf-wackel-Geschwindigkeit und Ladenkette. Es gibt sie in den verschiedensten Varianten, von Katzen bis hin zu Geishas, Samurais oder Pikachu. Gemeinsam haben sie alle die Solarzelle, die sozusagen zu ihrer Bezeichnung verholfen hat, denn sie sind eben das Volk der sonnigen Fleckchen.
Und weil ich heute keine Lust habe, euch mit Tomys Firmengeschichte zu langweilen, mache ich jetzt einfach Schluss. Ich Kann ja nicht jedes Mal so einen Monstertext schreiben, oder? =^_^=

Freut euch aufs nächste Mal :)

Der Klang des Sommers

Semi (). In jedem Anime mit etwas Realitätsbezug kann man sie hören. In Manga wird das Geräusch, das sie von sich geben, genutzt um Stille darzustellen (しーーん- auch wenn es alles Andere als leise ist). Und es gibt sogar ein Kinderlied über sie, das ihr hier anhören könnt. Es nennt sich „Semi no Uta“, also „Lied der Semi“ (Aber bitte wegen des Copyrights nach 24 Stunden wieder von der Festplatte löschen)
Sie sind die japanische Antwort auf das, was bei uns als Zikade bekannt ist und gewissermaßen das Gegenstück zum Zirpen unserer Grillen. Aber wirklich etwas über sie zu schreiben, gestaltet sich als ganz schön schwierig, besonders weil man sie auch kaum zu Gesicht bekommt.
Ziemlich genau nach Ende der Regenzeit – also mit Sommerbeginn – tauchen sie auf, nachdem sie sieben Jahre unter der Erde verbracht haben, und erf
üllen nicht nur ländliche Gegenden mit ihrem „Gesang“. Zwar ist dieser über weite Strecken zu hören, aber sobald sich ihnen jemand nähert, verstummen sie schlagartig und sind darum auch nicht zu finden.
Und damit nicht genug, es gibt n
ämlich sogar mindestens drei verschiedene Arten von Semi, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie wirklich korrekt voneinander unterschieden habe, die englische Wikipedia ist an dieser Stelle nämlich überfragt.

Hier mal eine kleine Tonprobe, bei der man zumindest zwei davon hören kann. Das gleichmäßige Kratzgeräusch (ssse—) im Hintergrund stammt von zahllosen „normalen“ Semi, das unterbrochene Zirpen (mi–mi–mi) von einer Nii-nii-zemi (にいにい蝉) und die Nebengeräusche vermutlich von einem amerikanischen Flugzeug im Landeanflug auf Atsugi sowie ein paar Krähen).
Die dritte Art von Semi, die nur am sp
äten Nachmittag singt (Tsuku-tsuku-ho–) trägt übrigens den passenden Namen „Tsukutsukubōshi“(つくつく法師), diese Form tritt aber erst im Spätsommer auf.

Was man von Semi zu sehen bekommt, sind ihre Panzer, die zurückbleiben, wenn sie sich häuten. Dieser hier stammt vermutlich von den einfachen Semi, wenn man davon ausgeht, dass die, die man am meisten hört, sich auch am meisten häuten, denn diese Panzer findet man mancherorts wirklich zu Dutzenden. Schon seltsam, dass sie sich dafür meist Stellen suchen, an denen man sie sehen kann, und ansonsten im Verborgenen sitzen. Aber wahrscheinlich hat das den Zweck, hungrige Vögel etc. abzulenken. Wer hat schon Appetit auf Chitinpanzer?

Ansonsten bekommt man Semi nur zu Gesicht, wenn sie nach einigen Wochen ihre Pflicht getan haben (Partnersuche, Eiablage) und das Zeitliche segnen. Dann sterben sie nämlich gewissermassen „wie die Fliegen“ und liegen überall herum.

Weil ich aber nicht so lange warten wollte und mir ausserdem eine Semi den Gefallen getan hat, gestern auf unserem Balkon zu liegen, konnte ich auch das dokumentieren.

Dieses Exemplar hier war aber ganz entgegen meiner Erwartungen noch nicht dahin geschieden, sondern war wahrscheinlich nur gegen die Balkontür geflogen und konnte sich nicht mehr aus seiner Rückenlage befreien. So hatte also meine Fotomanie auch ein Gutes, denn nachdem ich es für dieses hübsche Bild hier umgedreht hatte und das Tierchen dann mit der guten, alten Glas-und-Postkarte-Technik vom Balkon befördern wollte, ist es davongeflogen.

Wünschen wir ihm, dass es seinen Partner noch rechtzeitig findet, bevor es das nächste Mal – und dann wohl endgültig – auf dem Rücken liegt.

Und wünschen wir mir, dass ich nicht noch einmal so eine riesige Schreibblockade (auch bekannt als Faulheit) bekomme ^ .^’.

P.S. Wer jetzt immer noch nicht genug von Semi hat, der kann ja mit dieser Anleitung mal eine basteln.