harinezumiHallo, ihr Lieben. Ich bin’s mal wieder, und wie versprochen heute mit ein paar Hintergrundinformationen zum zwoten Platz der Feiertage für Verliebte, dem White Day.
Die Igelchen dienen nur der Veranschaulichung, genau so gut hätte ich auch jede andere Süßigkeit an ihre Stelle tun können, aber dazu später mehr.

Zuerst einmal wieder zur japanischen Schreibweise des Feiertags, diesmal gibt es glücklicherweise nicht ganz so viele verschiedene Variationen wie beim Valentinstag. Es gibt genau zwei, und die sind bis auf ein Leerzeichen sogar identisch:
ホワイト・デー (HOWAITO_DEE)
ホワイトデー (HOWAITODEE)

Grundsätzlich geht es an diesem Tag darum, dass die japanischen Männer sich für die Geschenke, die sie einen Monat zuvor von den Frauen und Mädchen bekommen haben, bedanken. Und wie macht man das am Besten? Genau, mit Geschenken!
Eine genaue Zahl gibt es zwar nicht, aber angeblich soll das Geschenk des Mannes mindestens 5 mal soviel wert sein wie das der Frau (Mädels, seid also nicht so geizig ^^) – was das bedeutet, wenn man für die Zubereitung der Valentinstagsschokolade selbst in der Küche gestanden hat, liegt auf der Hand, oder? Das ist doch eigentlich unbezahlbar!

Es ist übrigens ein im „Westen“ weit verbreiteter Irrtum, dass der White Day irgendetwas mit weißer Schokolade zu tun hat. Vielleicht hatte er das ursprünglich mal, aber in der Zwischenzeit ist so ziemlich alles erlaubt, was schmeckt, von Keksen bis zu Luxuspralinen oder sogar Schmuck. Auch sieht man – trotz der berühmt-berüchtigten Berührungsscheu der Japaner – besonders an diesem Tag immer mehr Pärchen, die Händchen halten.
Ach, da kann ich an dieser Stelle gleich mal auf die verschiedenen Stufen des Pärchendaseins eingehen, gute Idee!
Stufe 1:  einfaches Nebeneinanderherlaufen, verlegene Blicke, vielleicht zufällig laufen beide im Gleichschritt, er trägt eventuell sogar ihre Tasche – diese zwei sind zwar mit Sicherheit verliebt, u.U. hat aber noch keiner den ersten Schritt gemacht.
Stufe 2: die kleinen Finger sind schon miteinander verhakt, wenn er brav ist, muss er natuerlich wieder ihre Tasche tragen – diese zwei sind auf jeden Fall schon länger zusammen, hatten schon mehrere Dates und nennen sich im besten Fall sogar schon beim Vornamen.
Stufe 3: Händchenhalten, ob nur die Hände oder gar die Finger verflochten sind, spielt kaum eine Rolle. Dass die zwei ein Paar sind, ist nicht nur offensichtlich, sondern unbestreitbar.  Freunde nehmen einander nicht bei der Hand, und auch beste Freundinnen tun das nur, wenn sie wirklich ausgelassen sind (z.B. unter Alkoholeinfluss ^^) Dies ist eigentlich wirklich schon die oberste Stufe, es gibt nur noch eine, die von noch mehr Vertrautheit zeugt:
Stufe 4: sie hat sich bei ihm eingehakt (und ja, natürlich kann er immer noch ihre Tasche tragen) – diese Geste ist nur sehr selten zu sehen, und manchmal – weil man es eben nicht jeden Tag macht – sieht man es auch verkehrt herum, also dass er sich bei ihr eingehakt hat.  Aber das ist egal, die geste zählt. Und es gibt wohl nichts, was einen Mann hier glücklicher macht als wenn „SIE“ zufrieden den Kopf an seine Schulter lehnt, oder?

Das lässt man(n) sich eben auch einiges kosten. Hier beinhaltet das traditionelle Rollendenken nämlich auch, dass ein Mann einer Frau etwas bieten kann. Schließlich werden ziemlich viele Mädchen nach der Hochzeit zu Hausfrauen und kümmern sich um die Kinder, da sollte der Familienvater schon in der Lage sein, alle allein versorgen zu können.
Aber selbst wenn es nicht auf eine Heirat hinauslaufen sollte, glauben in diesem Land sehr viele Männer, dass sie die Liebe einer Frau mit Geschenken kaufen bzw. vergrößern können. Ob das stimmt? Nun, das müsst ihr Jungs schon selbst fragen, aber ihr könnt es ja mal ausprobieren.

Hmmm, jetzt bin ich ganz schön vom Thema abgekommen. Eigentlich wollte ich doch noch sagen, dass der White Day vielleicht einfach nur White Day heißt, weil er das Gegenstück zum Tag der (dunklen) Schokolade ist.

Wenn ihr mehr wisst, schreibt mir doch einfach einen Kommentar. Bei Fragen auch, die leite ich dann schnell an meine Freunde und Bekannten weiter.

In Korea gibt es übrigens am 14. April noch den „Black Day“, an dem dann alle, die weder am Valentinstag noch am White Day irgendetwas bekommen haben, in ein chinesisches Restaurant gehen und dort ihr Singledasein betrauern, indem sie schwarze Nudeln essen. (Nein, keine angebrannten, die sind mittels einer bestimmten Algenart eingefärbt)
Dabei kann man eigentlich gleich die netten Singles aus der Nachbarschaft kennen lernen, dann bekommt man vielleicht am kommenden Valentinstag etwas. Eine nette Idee!

Ja, heute ist Valentinstag, und auch an Japan ist dieses Fest der Verliebten nicht spurlos vorbei gegangen. Und wenn man genauer hinschaut, findet man die verschiedensten Schreibweisen für diesen Feiertag:
ヴァレンタイン・デー (VARENTAIN DEE)
ヴァレンタインデー (VARENTAINDEE)
ヴァレンタイン (VARENTAIN)
バレンタインデー (BARENTAINDEE)
バレンタインディー (BARENTAINDII)
バレンタイン・ディー(BARENTAIN DII)
バレンタイン (BARENTAIN) oder
愛の日 (ai no hi – Tag der Liebe – meine Lieblingsvariante, weil sie am wenigsten Platz braucht)

Während es aber in „westlichen“ Ländern meist mit Grußkarten, Pralinen, Blumen und einem romantischen Dinner zu zweit einhergeht, haben es nur die Pralinen bis nach Japan geschafft.
Gemunkelt wird, dass Süßwarenhersteller Morinaga seine Finger im Spiel hatte, als man dieses doch sehr kommerzorientierte Fest im Jahr 1960 vermutlich aus Amerika übernahm. Aber interessanterweise hat sich die Bedeutung des Valentinstags in Japan in eine andere Richtung verschoben, denn wo in Ländern wie Deutschland oder den USA im Durchschnitt die Männer doppelt soviel für Präsente ausgeben wie die Frauen, gibt der Durchschnittsjapaner gar nichts aus. Ihr habt richtig gelesen: null Komma nichts.
Warum?
Weil es die Aufgabe der Frau ist, dem Mann etwas zu schenken. Und das ist in 99.9% der Fälle eine Form von Schokolade (auf Japanisch: チョコレート- CHOKOREETO).
Am Besten eignet sich dafür natürlich etwas, das man mit viel Liebe selbst gemacht hat. Dazu gibt es dutzende von Pralinen-Selbstmach-Mischungen in den Regalen der Supermärkte, außerdem natürlich Förmchen und Schachteln, in die man dann alles liebevoll verpacken kann.
Weil aber die typische Officelady kaum die Zeit hat, um Stunden in der Küche zu verbringen, sind Supermärkte, Shoppingcenter und sogar Bahnhöfe schon ab den letzten Januarwochen mit Ständen voll Pralinen, Konfekt, Parfaits und allen erdenklichen Schokoleckereien auf die schenkwilligen Damen vorbereitet. Es gibt sogar spezielle Valentins-Eissorten! Die Preise kennen nach oben hin keine Grenzen – und was diese aufwändigen Pralinenmischungen an Müll verursachen, will ich mir lieber gar nicht vorstellen.
Denn: man schenkt nicht nur dem Herzallerliebsten etwas, sondern so ziemlich jedem männlichen Bekannten, den man hat. Glücklicherweise muss es für „einfache“ Bekannte aber keine handgemachte Schokolade mehr sein.
Kollegen bekommen zum Beispiel giri-choko (義理チョコ – giri ist das Pflichtgefühl). Das Gegenstück dazu ist die honmei-choko (本命チョコ – honmei = Siegesanwärter/Favorit), die nur der Geliebte bekommt. Aber zum Trost, weil man als Mädchen ja die ganze Arbeit hat und sonst gar nichts dafür bekommen würde (wo doch alle wissen, wie sehr Frauen Schokolade lieben), gibt es noch die tomo-choko (友チョコ –tomo = Freund), die man guten Freunden und (na Gott sei Dank!) Freundinnen gibt.
Wie ihr seht, ist das entweder ziemlich aufwändig oder ziemlich kostspielig. In jedem Fall profitiert die Süßwarenindustrie von dem riesigen Wirbel, der um den Valentinstag gemacht wird.

Aber damit ist es noch nicht vorbei, denn: am 14. März geht der Rummel wieder von vorne los. Dann ist es nämlich die Aufgabe der Männer, sich bei den Frauen zu bedanken bzw. dem Mädchen, das ihnen vielleicht am 14. Februar seine Liebe gestanden hat, zu sagen, dass man diese Gefühle erwidert.
Das tut man mit weißer Schokolade, aus diesem Grund wird dieser Tag auch White Day genannt.

Viel mehr kann ich euch leider noch nicht zu diesem Thema sagen. Aber wenn ich mehr dazu herausfinde, könnt ihr das am 14. März hier nachlesen.

Am 3. Februar ist setsubun, eines der für Nichtjapaner vielleicht rätselhaftesten Feste überhaupt. Denn der Hauptbestandteil dieses Festes ist ein Ritual mit dem Namen mamemaki (豆撒き – Bohnenverstreuen), bei dem das Familienoberhaupt geröstete Bohnen aus der Haustür wirft. Manchmal wirft man sie auch auf einen als oni (鬼 – Dämon, Teufel) verkleideten Nachbarn oder Großvater (oder ein anderes Familienmitglied), was in einem Riesenspaß für die jüngsten Familienmitglieder endet.

Aber wozu das Ganze? Mit dem Märchen von Jack und der Bohnenranke hat es jedenfalls nichts zu tun.

Eigentlich ist es ganz einfach. Ursprünglich beschrieb das Wort setsubun den letzten Tag einer Jahreszeit, es gab also vier davon im Jahr. Im Lauf der Zeit verloren aber scheinbar die anderen drei an Bedeutung, sodass sich der Begriff heute fast ausschließlich auf das Frühjahrs-setsubun bezieht. Man kann es gewissermaßen als eine Art Silvester ansehen, begleitet von einem besonderen Ritual um das Böse des Vorjahrs abzuwaschen und schlimme Geister, die einen vielleicht im kommenden Jahr mit Krankheiten oder anderem Unglück heimsuchen könnten, fernzuhalten.
Traditionsgemäß ist es Aufgabe des toshiotoko (der Mann, der laut Chinesischem Kalender im gleichen Jahr geboren ist, im Moment wäre es also jemand, der im Jahr des Ochsen geboren ist) oder des Familienoberhaupts, die Bohnen aus der Tür zu werfen. Dabei, oder wenn man gemeinsam den verkleideten Nachbarn bewirft, rufen alle gemeinsam:

„Oni wa soto! Fuku wa uchi“

(鬼は外! 福は内! – etwa: „Dämonen raus! Glück rein!“) Das Ganze dient also dazu, das Haus von Unglück zu reinigen.
Und damit das Glück am Ende auch wirklich kommt, werden anschließend Bohnen gegessen, und zwar von jedem genau so viele, wie man in Jahren alt ist. Mitunter isst man auch eine Bohne mehr – für das Jahr, was noch kommt.
Normalerweise handelt es sich übrigens sowohl bei den getrockneten als auch bei den Bohnen, die am Ende gegessen werden, um daizu (大豆- Sojabohnen), also den Bohnen, aus denen man auch Sojasoße, Miso, Natto und Tofu macht.

In Tempeln und Schreinen werden landesweit – meist vormittags – Festlichkeiten anlässlich des setsubun abgehalten, die meist darin bestehen, dass Priester und eingeladene Gäste mit Bohnen (manche in Gold- oder Silberpapier), Umschlägen mit Geld, Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten werfen, die man als Besucher natürlich fleißig einsammelt. Ich habe es leider verpasst, aber lasst euch dieses Spektakel nicht entgehen, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt. Zusätzlich dazu verkauft jeder Supermarkt oder Kombini Bohnen, Knabbereien mit Bohnen und Oni-Masken aus Papier oder Kunststoff, damit auch wirklich alle in Stimmung kommen.

Leider verliert dieses Fest aber – trotz Fernsehshows mit Stars, Sternchen und sogar Sumoringern – langsam immer mehr an Bedeutung, erklärte mir meine Freundin Sakura. Da es kein Feiertag ist und alle ganz normal zur Arbeit gehen, wird es so von vielen Japanern vergessen. Oder es geht anscheinend im Rummel um den immer wichtiger werdenden Valentinstag ganz unter.

In diesem Sinne, helft mit, dass das Bohnenfest nicht ausstirbt! Malt für den 3. Februar eine Bohne in euren Kalender, bastelt eine Maske und fangt an, zu werfen!

P.S. Sorry, diesmal kein Foto. Aber ihr bekommt noch ein Bild, versprochen!

Ja, besser spät als nie, ein ganz herzliches Frohes Neues Jahr an alle!

Ich weiß ja, ihr wolltet unbedingt etwas über Weihnachten lesen, aber ein Beitrag darüber wäre wohl im Vergleich zu Weihnachten in Deutschland ziemlich trostlos geworden. Kein Schnee, so gut wie keine Kerzen, Tannenbäume nur in Ausnahmefällen – und Feiern im Kreis der Familie schon gar nicht, das gibt es hierzulande nämlich schon zum Jahreswechsel.

Und für die armen Irren, die an Silvester nicht ihre Familie besuchen gefahren sind, gibt es ja glücklicherweise noch Restaurants und andere Lokale, in denen man feiern kann – in einem davon habe ich die große Ehre zu arbeiten.  (übrigens seit Heiligabend ohne wirkliche Unterbrechung, das erklärt wohl auch, warum ich darüber nichts berichtet habe)

Tja, und weil ich leider gerade keine Familie hier habe, mit der ich den Jahreswechsel auf traditionelle Art begehen könnte, erzähle ich euch einfach, wie es in „meinem“ Restaurant abgelaufen ist.
Zuerst einmal schien nicht viel anders zu sein als an einem normalen, eher wenig besuchten Arbeitstag. Um 11.30 Uhr, meiner normalen Nach-Hause-Geh-Zeit (weil ich ansonsten den letzten Zug verpasse), eröffnete mir der Chef, dass in der Silvesternacht ja alle Bahnen fahren würden und ich also bleiben müsste/dürfte/könnte, mindestens bis alle Soba gegessen haben.

Mentale Notiz: Es gibt Soba, um das neue Jahr zu eröffnen. Nudeln bringen ja bekanntlich Glück und ein langes Leben. Beim Essen (besonders an Neujahr) sollte man unbedingt darauf achten, sie zu schlürfen und auf keinen Fall abzubeißen, weil man ja nicht sein Leben unnötig verkürzen will.

Vielleicht 15 Minuten vor Mitternacht kamen die Partyhütchen. Stellt euch einfach Schneewittchens 7 Zwerge mit Glitzereffekt vor, dann wisst ihr, was ich meine =^^=
Die obligatorischen Partycracker (leider ist das Foto nichts geworden, aber ihr habt sie garantiert schonmal in einem Manga oder Anime gesehen, das sind diese spitzen, vielleicht 6cm langen „Tütchen“, an deren Ende ein Band ist, und wenn man daran zieht, kommen mit einem *PLOPP!*  Luftschlangen raus. In Deutschland gibt es diese Sektgläschen, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren.
Tja, und am Ende war es gar nicht so anders als man erwartet. Alle hatten ihre Hütchen auf, das Licht wurde gedimmt, man hat zusammen den Countdown runtergezählt und dann gemeinsam die Cracker geploppt. Anschließend gab es ein großes Händeschütteln und Austauschen von Neujahrswünschen, und natürlich ein Fotoshooting.
Und dann (endlich) die lang erwarteten Soba. Ich muss schon sagen, dafür, dass er eigentlich ein deutsches Restaurant führt, kann mein Chef ausgezeichnet Japanisch kochen! (lasst euch das von jemandem gesagt sein, der eigentlich gar nicht so gern Soba mag)
Es hat dann nur bis ca. 1:30 gedauert, bis ich mich dann doch loseisen konnte um nach Hause und in mein Bett zu kommen. Die Bahnen sollten ja die ganze Nacht fahren. Alle?
Nein, alle, bis auf ein kleines gallisches Dorf – *Sorry* Also alle, bis auf eine eigentlich nicht wirklich kleine Bahnlinie im Nordwesten Tokyos. Also mal ehrlich, liebe Seibu Line, war das wirklich nötig, die Leute in der Silvesternacht bis 4:30 Uhr auf den ersten Zug warten zu lassen?
Aber gut, es ist ja nicht so, dass man auf einem kalten Bahnsteig hätte herumstehen müssen, immerhin gibt es ja noch Bahnbetreiber, die wissen, was das Wörtchen Service bedeutet. Was nicht heißen will, dass ich schneller nach Hause gekommen wäre, aber ein warmer Sitzplatz in der Yamanote-Line hat doch auch was für sich. (Die braucht übrigens exakt eine Stunde um einmal ihre Runde um Tokyo zu fahren, vorausgesetzt es ist nicht gerade Rush Hour)

Jetzt noch ein paar Hinweise für die Tage vom 1. bis zum 4. Januar:
- vor dem Mittag nichts schneiden, Messer, Scheren und Cutter sind absolut tabu. Vorkochen oder im Restaurant essen ist die Devise!
- Die Stäbchen, mit denen man am 1. Januar isst, dürfen bis zum 4. Januar nicht abgewaschen werden
- Banken, Postfilialen und viele Büros schließen bereits am 31.12. – erledigt eure Geschäfte also besser vorher
- „Frohes Neues Jahr“ heißt auf Japanisch „明けましておめでとうございます“ (Akemashite omedetou gozaimasu)


In diesem Sinne, herzlich Willkommen im Jahr des Ochsen (うし – „ushi“), 2009!

Home Sweet Home

September 17, 2008

Worauf man bei der Suche nach einer Unterkunft achten sollte…

Dass Wohnungen in Tokyo teuer sind, ist ja bekannt. Aber nicht nur das, es gibt auch noch einige Tricks, mit denen sich potenzielle Vermieter noch mehr von eurem Geld erschleichen wollen als ihnen zusteht. Wie? Das und noch etwas mehr erfahrt ihr hier.

Seiten, die billige Unterkunft in Tokyo oder anderen großen Städten Japans versprechen, gibt es wie Sand am Meer. Wenn ihr nur ein Hotel oder ein Ryokan (Gasthaus im japanischen Stil) sucht, dann reicht normalerweise ein einfacher Vergleich der Übernachtungspreise und der darin enthaltenen Extras (sind z.B. Besuch des hauseigenen Bads/Onsen im Preis enthalten, was kosten die Mahlzeiten, etc.)

Wenn ihr aber länger an einer Stelle bleiben wollt, empfiehlt es sich, nach einem Guesthouse (Gasthaus) oder einem Hostel (Jugendherberge) zu suchen. Beide gibt es sowohl im japanischen Stil mit Tatamizimmern und Futon als auch im westlichen Stil mit (Doppelstock-)Bett. Man hat die Wahl zwischen Einzel- und Mehrbettzimmern (in denen man auf Wunsch auch allein wohnen kann, gegen Aufpreis); Küche, Aufenthaltsraum und sanitäre Einrichtungen teilen sich alle Bewohner der Wohneinheit.

Gasthäuser berechnen ihre Zimmerpreise meist auf Monats-, manchmal auch auf Wochenbasis. Sollten einzelne Übernachtungen möglich sein, dann sind diese in den meisten Fällen günstiger als die Übernachtung in einem Hostel, wo die Übernachtungspreise gewöhnlich bei ca. 20 Euro losgehen. Überlegt euch aber vorher gut, ob ihr das wirklich wollt. In einem Hostel gibt es nämlich z.B. Frühstück, in einem Guesthouse ist man für die gesamte Verpflegung selbst verantwortlich. Außerdem wohnen in einen Guesthouse normalerweise mehr Einwohner für einen längeren Zeitraum, aus diesem Grund ist unter Umständen der Grad an Ordnung und Sauberkeit ein paar Nuancen schlechter.In den meisten Fällen ist ein Guesthouse zumindest die preiswertere Variante, wenn man nicht stundenlange Bahnfahrten in Kauf nehmen will. Die Monatsmieten liegen ungefähr zwischen 300 und 600 Euro.

Wem das immer noch zu teuer ist, der sollte sich für eine sogenannte Crib entscheiden. Dabei mietet man lediglich ein „Zimmer“ in der Größe einer Tatamimatte, also 178×88 cm. Ein kleiner Lichtblick: Wandschränke werden normalerweise nicht zur Größe des Zimmer gerechnet, es bleibt also auch noch Platz für euer Gepäck und um den Futon und das restliche Bettzeug zu verstauen. So eine Schlafnische bekommt ihr schon ab ca. 220 Euro im Monat.

Jetzt zum eigentlichen Knackpunkt, also dem Teil, auf den ihr vor der Buchung achten solltet. Es gibt nämlich immer wieder Anbieter, die irgendwelche dubiosen Zusatzkosten von euch wollen. Das sind beispielsweise:

  • Schlüsselgeld (muss bei Empfang des Schlüssels bezahlt werden, ist keine Kaution)

  • Bearbeitungsgebühren (einfach nur albern)

  • Sicherheitsgebühren (genau so albern)

  • Reinigungsgebühren (für die Reinigung vor der Ankunft und/oder nach der Abreise)

  • Kaution (wird nur selten vollständig zurückgezahlt)

  • Nebenkosten (z.B. für Strom, Wasser, Klimaanlage, Internet, Fernsehen, etc.)

  • Nutzungsgebühren (z.B. für Kühlschrank, Fernseher, Herd, etc.)

  • Bettwäschegebühr

Es ist wahrscheinlich unmöglich, vollkommen ohne Zusatzkosten auszukommen, aber man kann zumindest versuchen, sie so gering wie möglich zu halten. Manchmal zählt die Matratze bzw. das Lattenrost oder der Futon mit zur Bettwäsche, fragt also besser vorher nach, bevor ihr Kissen und Decke mitbringt und dann auf dem Fußboden schlafen müsst. >.<

Weitere versteckte Kosten sind Sachen wie Münzwaschmaschinen, Münzduschen und Münzklimaanlagen (ja, auch so etwas gibt es). Dafür braucht man prinzipiell 100-Yen-Münzen, je nach Gerät unterschiedlich viele (Dusche z.B. 100 Yen für 10 Minuten, Waschmaschine z.B. 400 Yen pro Ladung)

Und wenn ihr euch nach diesem ganzen Kuddelmuddel endlich für eine Unterkunft entschieden habt, überlegt euch mal, ob ihr vielleicht auch mal Freunde mit ins Zimmer nehmen wollt. Die meisten Anbieter dulden es zwar, wenn man Besuch mitbringt, allerdings sollte dieser besser nicht übernachten. Informiert euch besser vorher, ob Übernachtungen prinzipell möglich sind und was sie kosten.

Gezahlt wird üblicherweise im Voraus für den kommenden Monat.

Ach, noch ein kleiner Hinweis: Häuser mit maximal drei Stockwerken sind sehr oft fast vollständig (also mit Ausnahme der Fenster ^^) aus Holz gebaut. Wer also keine Lust auf eine Liveübertragung des Privatlebens seines Zimmernachbarn hat, dem seien Ohrstöpsel wärmstens empfohlen.

Also dann, bis zum nächsten Mal! Ittekimasu (ich gehe und komme wieder)!


Heute mal ein Titel, mit dem wohl fast niemand etwas anfangen kann. N
ämlich Hidamari no Tami 日だまり; ひだまり, 日溜まり; 陽だまりの民. Kurz: Flip-Flap (diese Bezeichnung ist eine Erfindung meines Gastvaters, passt aber auch ausgezeichnet, finde ich)
Wie ihr schon seht, gibt es die verschiedensten Arten um
Hidamari zu schreiben, aber sie haben alle die gleiche Bedeutung: einen sonnigen Fleck oder eine Stelle, an der die Sonne scheint. Tami bedeutet schriftsprachlich sowohl Volk, Nation als auch Untertan.
In der englischen Variante kennt man sie auch als
Sunshine Buddies.
Und wovon rede ich hier die ganze Zeit? Von einem kleinen Wesen aus Hartplaste, das mit Hilfe einer noch kleineren Solarzelle genug Sonnenenergie umwandeln kann, um einfach nur langsam und gemütlich mit dem Kopf zu wackeln.
Dabei tut es nichts weiter als unglaublich niedlich auszusehen und den Betrachter dadurch vermutlich zu hypnotisieren ^^
Wer das mal ausprobieren will, der sollte sich Merc’s Video ansehen.
Diese Wesen werden von der japanischen Firma
K.K. Takara-Tomy (株式会社タカラトミー ) aka TOMY hergestellt und sind der absolute Verkaufsschlager in Touristenshops von Akihabara bis Asakusa. Normalerweise kosten sie zwischen 1600 und 2500 Yen, je nach Ausführung, Kopf-wackel-Geschwindigkeit und Ladenkette. Es gibt sie in den verschiedensten Varianten, von Katzen bis hin zu Geishas, Samurais oder Pikachu. Gemeinsam haben sie alle die Solarzelle, die sozusagen zu ihrer Bezeichnung verholfen hat, denn sie sind eben das Volk der sonnigen Fleckchen.
Und weil ich heute keine Lust habe, euch mit Tomys Firmengeschichte zu langweilen, mache ich jetzt einfach Schluss. Ich Kann ja nicht jedes Mal so einen Monstertext schreiben, oder? =^_^=

Freut euch aufs nächste Mal :)

Der Klang des Sommers

Semi (). In jedem Anime mit etwas Realitätsbezug kann man sie hören. In Manga wird das Geräusch, das sie von sich geben, genutzt um Stille darzustellen (しーーん- auch wenn es alles Andere als leise ist). Und es gibt sogar ein Kinderlied über sie, das ihr hier anhören könnt. Es nennt sich „Semi no Uta“, also „Lied der Semi“ (Aber bitte wegen des Copyrights nach 24 Stunden wieder von der Festplatte löschen)
Sie sind die japanische Antwort auf das, was bei uns als Zikade bekannt ist und gewissermaßen das Gegenstück zum Zirpen unserer Grillen. Aber wirklich etwas über sie zu schreiben, gestaltet sich als ganz schön schwierig, besonders weil man sie auch kaum zu Gesicht bekommt.
Ziemlich genau nach Ende der Regenzeit – also mit Sommerbeginn – tauchen sie auf, nachdem sie sieben Jahre unter der Erde verbracht haben, und erf
üllen nicht nur ländliche Gegenden mit ihrem „Gesang“. Zwar ist dieser über weite Strecken zu hören, aber sobald sich ihnen jemand nähert, verstummen sie schlagartig und sind darum auch nicht zu finden.
Und damit nicht genug, es gibt n
ämlich sogar mindestens drei verschiedene Arten von Semi, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie wirklich korrekt voneinander unterschieden habe, die englische Wikipedia ist an dieser Stelle nämlich überfragt.

Hier mal eine kleine Tonprobe, bei der man zumindest zwei davon hören kann. Das gleichmäßige Kratzgeräusch (ssse—) im Hintergrund stammt von zahllosen „normalen“ Semi, das unterbrochene Zirpen (mi–mi–mi) von einer Nii-nii-zemi (にいにい蝉) und die Nebengeräusche vermutlich von einem amerikanischen Flugzeug im Landeanflug auf Atsugi sowie ein paar Krähen).
Die dritte Art von Semi, die nur am sp
äten Nachmittag singt (Tsuku-tsuku-ho–) trägt übrigens den passenden Namen „Tsukutsukubōshi“(つくつく法師), diese Form tritt aber erst im Spätsommer auf.

Was man von Semi zu sehen bekommt, sind ihre Panzer, die zurückbleiben, wenn sie sich häuten. Dieser hier stammt vermutlich von den einfachen Semi, wenn man davon ausgeht, dass die, die man am meisten hört, sich auch am meisten häuten, denn diese Panzer findet man mancherorts wirklich zu Dutzenden. Schon seltsam, dass sie sich dafür meist Stellen suchen, an denen man sie sehen kann, und ansonsten im Verborgenen sitzen. Aber wahrscheinlich hat das den Zweck, hungrige Vögel etc. abzulenken. Wer hat schon Appetit auf Chitinpanzer?

Ansonsten bekommt man Semi nur zu Gesicht, wenn sie nach einigen Wochen ihre Pflicht getan haben (Partnersuche, Eiablage) und das Zeitliche segnen. Dann sterben sie nämlich gewissermassen „wie die Fliegen“ und liegen überall herum.

Weil ich aber nicht so lange warten wollte und mir ausserdem eine Semi den Gefallen getan hat, gestern auf unserem Balkon zu liegen, konnte ich auch das dokumentieren.

Dieses Exemplar hier war aber ganz entgegen meiner Erwartungen noch nicht dahin geschieden, sondern war wahrscheinlich nur gegen die Balkontür geflogen und konnte sich nicht mehr aus seiner Rückenlage befreien. So hatte also meine Fotomanie auch ein Gutes, denn nachdem ich es für dieses hübsche Bild hier umgedreht hatte und das Tierchen dann mit der guten, alten Glas-und-Postkarte-Technik vom Balkon befördern wollte, ist es davongeflogen.

Wünschen wir ihm, dass es seinen Partner noch rechtzeitig findet, bevor es das nächste Mal – und dann wohl endgültig – auf dem Rücken liegt.

Und wünschen wir mir, dass ich nicht noch einmal so eine riesige Schreibblockade (auch bekannt als Faulheit) bekomme ^ .^’.

P.S. Wer jetzt immer noch nicht genug von Semi hat, der kann ja mit dieser Anleitung mal eine basteln.

Eine winkende Katze auf Welteroberungskurs

Wer hat sie nicht schon mal irgendwo gesehen, die winkende Katze? Im Chinarestaurant, auf Messen, vor dem Gamecenter, im Schaufenster, auf dem Dach eines Lottohäuschens… Was, etwa nicht? Na gut, zumindest in Japan ist Maneki Neko aus keiner Stadt mehr weg zu denken.
Sie stellt eine japanische Bobtail-Katze mit (herbei-) winkend erhobener Pfote dar, ist Glücksbringer und Kundenmagnet zugleich, steht für Wohlstand, Erfolg, Freundschaft und Schutz und teilweise sogar für Liebe und Erfolg beim Lernen. Das kommt ganz darauf an, in welcher Farbe sie auftaucht, aber dazu später noch mehr. Jetzt erzähle ich euch erstmal, wie es dazu kam, dass diese niedliche Knuddelkatze einem in Japan so gut wie überall über den Weg läuft.

Es gibt drei verschiedene Legenden, wie es zur ersten getöpferten Winkekatze kam, die populärste davon ist die des Gōtokuji-Tempels im Westen Tokyos, den ich letztes Wochenende bei Regen besucht habe. Eigentlich scheint er auf den ersten Blick ein Tempel wie jeder andere auch zu sein, hätte es nicht die Legende, wie er zu dem geworden ist.
Tja, dann erzähle ich euch jetzt mal eine Geschichte =^^=

Es war einmal ein sehr armer Mönch, der in einem kleinen, heruntergekommenen Tempel im Westen Tokyos lebte. Er besaß nichts außer dem Dach über dem Kopf, das ihm der Tempel bot, und einer Katze, mit der er alles teilte.
Eines Tages gab es ein heftiges Gewitter, in dem ein unbekannter Edelmann, der eigentlich auf dem Heimweg gewesen war, Schutz unter einem Baum nicht unweit des Tempels suchte. Natürlich wissen wir heute, dass man das nicht tut, aber damals wussten das eben noch nicht alle. Als er dort so stand und langsam vom Regen aufgeweicht wurde, sah er auf einmal die Katze am Eingang des Tempels sitzen, die in einer Geste als wollte sie ihn zu sich heran winken die Pfote gehoben hatte.
Irritiert kam der Edelmann näher um zu sehen, ob er sich das nicht eingebildet hatte, als plötzlich direkt hinter ihm ein Blitz in den Baum einschlug, unter dem er eben noch gestanden hatte.
Aus lauter Dankbarkeit, dass ihm die Katze das Leben gerettet hatte, suchte er ihren Besitzer um ihn dafür zu belohnen. Er freundete sich mit dem Mönch an und spendete dem Tempel eine gro
ße Summe Geld, wodurch dieser repariert und verbessert werden konnte.
Nach dem Tod der Katze wurde ihr zu Ehren die erste Maneki Neko angefertigt.

Heute ist der Gōtokuji der grösste Tempel in der Umgebung des Gotokuji-Bahnhofs, hat mehrere Nebengebäude und sogar eine dreistöckige Pagode. Die Ema (Bildtafeln, auf die Besucher ihre Wünsche schreiben können) haben natürlich die Katze auf der Rückseite und man kann sich aussuchen, ob man die verschieden großen Keramikkatzen, die man dort kauft (wenn mal jemand da ist) spenden oder mit nach Hause nehmen möchte.

Es gibt noch mindestens zwei weitere Legenden, wie es zur ersten winkenden Keramikkatze kam, die ihr gern auf der Seite der Wikipedia nachlesen könnt.
Eine handelt von der Katze einer Kurtisane, die ihre Anhänglichkeit mit dem Leben bezahlt hat, aber noch im Tod ihre Herrin vor einer Schlange gerettet hat – Maneki Neko wurde gemacht, um die Frau zu trösten

Die andere besagt, dass eine sehr arme, alte Frau ihre Katze verkaufen musste, die ihr später im Traum erschien und sie dazu brachte, Abbilder von sich (der Katze) zu machen und zu verkaufen, wodurch die alte Frau noch zu Wohlstand kam.

Welche Legende auch immer der wirkliche Grund für die erste Maneki Neko war, heutzutage ist sie aus dem japanischen Leben nicht mehr wegzudenken. Man kann sie so gut wie in jedem touristisch attraktiven Ort kaufen und es gibt sie in den Souvenirshops in den verschiedensten Farben. Das Original war aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Japanische Bobtail, die hauptsächlich weiß ist.

Zur Bedeutung der Farben:
Mi-ke (weiß mit schwarz-orangenen Flecken) – das Original, bringt ganz besonders viel Glück in allen Lebenslagen
Wei
ß – symbolisiert Reinheit und ist fast genauso beliebt wie Mi-ke
Schwarz – bringt Gesundheit und hält böse Geister fern. Auch gern genutzt zum Schutz vor Stalkern
Rot – ist eine Schutzfarbe und schützt vor bösen Geistern und Krankheit
Gold – wird mit Reichtum und Wohlstand in Verbindung gebracht
Pink – erfreut sich wachsender Beliebtheit und verspricht Liebe
Violett – steht für künstlerische Stärke
Grün – bringt Erfolge im akademischen Bereich

Wieso das Kätzchen sich heutzutage solcher Beliebtheit erfreut, bleibt der Spekulation überlassen. Eine recht populäre Theorie geht davon aus, dass die Öffnung Japans gegenüber dem Westen unter Kaiser Meiji dafür verantwortlich ist. Die Meiji-Regierung verbannte nämlich sämtliche erotischen Talismane aus dem öffentlichen Leben. Oft waren besonders in Bordellen Darstellungen von Damen, die Kunden herein winkten, offen im Eingangsbereich zu finden. So trat also wahrscheinlich die Katze an Stelle der winkenden Damen, aber nichts Genaues weiß man nicht…

In diesem Sinne, ich hoffe ihr hattet ein bisschen Spaß beim Lesen. Wenn ihr noch mehr Fotos von Maneki Neko und dem Gotoku-ji sehen möchtet, schaut einfach mal auf meiner Galerie vorbei.

Und auch wenn sie ja eigentlich nicht zum Abschied winkt… Bye Bye!


Diese drei hier habe ich in Asakusa gekauft, sie sind aus Seide und wurden in Handarbeit angefertigt. Jede ist ein Unikat, weil keine zwei Stoffstückchen vollkommen identisch sind. Wenn ihr auch eine wollt, sagt mir Bescheid!

Onsen

Mai 25, 2008

Hier ist er endlich, der lange versprochene Bericht über Onsen. Aus sicher nachvollziehbaren Gründen sind keine Menschen auf meinen Fotos…

Zuerst mal ein bisschen Hintergrundinformation: Onsen (温泉, oft auch einfach nur ゆ – heißes Wasser) ist der japanische Begriff für heiße Quellen vulkanischen Ursprungs, bezeichnet aber heute meist öffentliche Bäder und Gasthöfe in deren unmittelbarer Umgebung. Man findet sie so gut wie überall und oft sind besondere Mineralien (Schwefel, Natrium, Hydrogencarbonat, Eisen, etc.) im Wasser gelöst, weshalb vielen Onsen heilende Kräfte zugeschrieben werden.
Heutzutage findet man Onsen entweder privat geführt, staatlich oder als Teil eines Hotels, Ryokan oder Bed & Breakfast. Dabei liegen die Eintrittspreise je nach Betreiber zwischen 400 und 3000 Yen bzw. die Benutzung ist im Übernachtungspreis enthalten. Viele Onsen bieten auch Massagen, Saunen, Ruheräume und Aufenthaltsräume für Kinder an oder haben sogar angegliederte Restaurants. Meistens gibt es getrennte Bereiche für Männer und Frauen, bzw. getrennte Badezeiten, wenn die örtlichen Gegebenheiten keine räumliche Trennung zulassen. In den ländlicheren Gegenden soll es aber auch noch gemischte Bäder geben.

Und wie verhält man sich jetzt in einem Onsen, um nicht gleich als Ausländer in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten?
Zuerst werden natürlich im Eingangsbereich die Schuhe abgestellt. Dafür gibt es entweder ein Regal oder Schließfächer. Anschließend geht man zur Anmeldung, wo man nach dem Bezahlen eine Tasche mit einem Yukata, einem Obi, einem großen und einem kleinen Handtuch bekommt. Hat man das, geht man in seinen jeweiligen Umkleidebereich, entledigt sich seiner Kleidung und schließt sie entweder ein oder legt sie, sollte es keine Schließfächer geben, in einen der vorhandenen Körbe. Der Yukata ist dazu da, dass man, wenn man gerade nicht im Wasser ist, im Gebäude herumlaufen kann, ohne sich jedes Mal wieder vollständig anziehen zu müssen.
Das große Handtuch wird normalerweise bei der Kleidung zurückgelassen, das kleine nimmt man mit ins Bad. Bevor man dann allerdings ins Wasser geht, muss man sich – wie auch im heimischen Bad üblich – erstmal gründlich waschen. Seife und Shampoo ist so gut wie überall vorhanden, manchmal werden sogar Rasierer, Duschhauben oder Zahnbürsten für die Gäste zur Verfügung gestellt.
Wichtig ist, dass man sich sehr gründlich wäscht (Haare waschen ist aber kein Muss) und auf gar keinen Fall mehr Schaum (oder Schmutz) am Körper hat, wenn man ins Wasser geht. Das tut man dann natürlich nackt, man darf aber anstandshalber die wichtigsten Stellen mit dem kleinen Handtuch verdecken. Dieses kann dann am Beckenrand abgelegt werden, allerdings legen es sich viele Japaner einfach zusammengefaltet auf den Kopf oder knoten es darum (das machen aber eher Frauen). Dann heißt es einfach nur noch entspannen…
Gespräche sind keine Seltenheit, aber dabei sollte man nach M
öglichkeit nicht zu laut sein, immerhin wollen die anderen Besucher sich ja auch erholen.

Wegen der hohen Temperaturen des Wassers (bei 40 C geht’s los) sollte man es aber mit dem Entspannen nicht übertreiben, weil der Kreislauf das nicht lange mitmacht. Also immer mal zwischendurch aufstehen, aus dem Becken gehen, ein bisschen draußen umherwandern, etwas trinken (Wasser und Eiswürfel stehen vielleicht kostenlos irgendwo herum), und wenn man sich etwas abgekühlt hat, einfach wieder ins Wasser. Oft gibt es Becken im Außenbereich, was in der kälteren Jahreszeit sehr angenehm ist, Becken mit Sprudelfunktion oder Becken, die nicht ganz so heiß sind. Einfach alles ausprobieren, was ihr findet :)
Wenn ihr zwischendurch Hunger habt, schlüpft ihr einfach in den Yukata (Unterwäsche hat sich aber als praktisch erwiesen ^_^’) und holt euch was. Selbst wenn es kein angegliedertes Restaurant gibt, steht mit Sicherheit irgendwo ein Automat herum.
Meist findet sich auch ein Föhn zum Haare trocknen in den Umkleideräumen, in meinem Fall gab es sogar frisch desinfizierte Bürsten, Ohrstäbchen und Haarspray. Ich muss aber zugeben, dass es eins der teureren Onsen war, für das ich den Eintritt nicht selbst zahlen musste *^.^*.

Am Ende des Ausflugs ins Onsen darf man übrigens in den meisten Fällen das kleine Handtuch als Andenken behalten (Es ist spannend, wie viele man davon man bei gutem Wetter auf so manchen Wäscheleinen sieht ^___^). Das große und der Yukata werden wieder abgegeben.

Noch eine kleine Bemerkung am Rande – es gibt sogenannte „onsen-tamago“ also Onsen-Eier im Supermarkt. Das sind Eier, die 20 Minuten in etwa 60 C warmem Wasser gelegen haben und dadurch eine sehr spezielle Konsistenz erhalten. Mit einem Thermometer im Kochtopf lässt sich das sicher ganz leicht nachmachen und ausprobieren. Viel Spaß dabei!

Heute erzähle ich euch ein bisschen was zum Bad. Nach dem Artikel über Toiletten sollte das ja niemanden mehr schocken ^^ (Okay, wahrscheinlich langweilt ihr euch zu Tode, aber das ist ja nicht mein Problem *gg*)
Das hier ist ein ziemlich typisches Bad, was so ziemlich alle Dinge beinhaltet, die japanische Familien zum Baden brauchen. Falls jetzt jemand wissen möchte, wo das Waschbecken ist, das ist im Vorzimmer.
Jetzt aber zum Baden an sich. Vielleicht wisst ihr ja schon, dass man sich waschen muss, bevor man in die Badewanne steigt. Das liegt daran, dass die ganze Familie dasselbe Wasser benutzt, also am Besten versuchen als erster dran zu sein.

Der weiße Hocker im Vordergrund (mit dem Loch in der Mitte) ist zum Sitzen, damit man beim Duschen nicht den ganzen Raum vollspritzt. Das wäre aber auch kein Problem, weil er fast hermetisch vom Vorraum abschließbar ist. Überfluten kann man ihn aber leider wegen des Abflusses (ist auf dem unteren Bild in schwarz zu erahnen) nicht.
Die Dusche funktioniert wie eine ganz normale Dusche, nur hat sie noch einen separaten Wasserhahn unterhalb der Armatur, aus dem die kellenartige Schüssel füllen kann, die darunter steht, um sich das Wasser dann über den Rücken oder den Kopf zu schütten (wer’s mag…)
Das runde, rosa Etwas links oben ist übrigens eine Haarwaschhaube, etwas, das wohl auch in Deutschland viele Kinder zu schätzen wissen dürften.
Jetzt zum spannenden Teil, der redenden Badewanne. Die Steuereinheit der Badewanne ähnelt ein wenig der der Toilette, darum habe ich sie nicht nochmal fotografiert. Es gibt jedenfalls einen Knopf, mit dem man automatisch Wasser einer bestimmten Temperatur einlassen kann. Beim Draufdrücken hört es sich etwa so an:
DIE BADEWANNE
Die nette Frauenstimme sagt, dass sie jetzt damit beginnt, das Wasser einzulassen, und fragt, ob der Stöpsel in der Wanne ist.
Nach ein paar Minuten bekommt man die Zwischenmeldung, dass man bald ins Bad steigen kann – dann kann man beispielsweise schon anfangen zu duschen – und noch ein kleines Weilchen später verkündet die Wanne, dass jetzt alles bereit ist. Natürlich hat die Wanne selbst bei einem bestimmten Füllstand aufgehört, noch Wasser einzulassen. Und man muss auch nicht sofort baden, denn das Wasser wird automatisch noch mindestens eine Stunde warm gehalten, wofür auch die Abdeckung sorgt, die auf der Wanne liegt.

Was noch wichtig ist: unbedingt darauf achten, dass man keinen Schaum mehr am Körper hat, wenn man in die Wanne steigt, und besser nicht zu lange im Wasser bleiben, weil das den Kreislauf belasten kann.

Die Temperatur liegt derzeit bei 40 C, im Winter etwas mehr, im Sommer etwas weniger. Man kann jedenfalls nach einem Bad himmlisch gut einschlafen, und wenn man das nicht tut, ist man nach spätestens 20 Minuten hellwach und fühlt sich total erfrischt. Ich bin jedenfalls auf den Geschmack gekommen.

Vorschau aufs nächste Mal: Onsen