Heute mal ein Titel, mit dem wohl fast niemand etwas anfangen kann. N
ämlich Hidamari no Tami 日だまり; ひだまり, 日溜まり; 陽だまりの民. Kurz: Flip-Flap (diese Bezeichnung ist eine Erfindung meines Gastvaters, passt aber auch ausgezeichnet, finde ich)
Wie ihr schon seht, gibt es die verschiedensten Arten um
Hidamari zu schreiben, aber sie haben alle die gleiche Bedeutung: einen sonnigen Fleck oder eine Stelle, an der die Sonne scheint. Tami bedeutet schriftsprachlich sowohl Volk, Nation als auch Untertan.
In der englischen Variante kennt man sie auch als
Sunshine Buddies.
Und wovon rede ich hier die ganze Zeit? Von einem kleinen Wesen aus Hartplaste, das mit Hilfe einer noch kleineren Solarzelle genug Sonnenenergie umwandeln kann, um einfach nur langsam und gemütlich mit dem Kopf zu wackeln.
Dabei tut es nichts weiter als unglaublich niedlich auszusehen und den Betrachter dadurch vermutlich zu hypnotisieren ^^
Wer das mal ausprobieren will, der sollte sich Merc’s Video ansehen.
Diese Wesen werden von der japanischen Firma
K.K. Takara-Tomy (株式会社タカラトミー ) aka TOMY hergestellt und sind der absolute Verkaufsschlager in Touristenshops von Akihabara bis Asakusa. Normalerweise kosten sie zwischen 1600 und 2500 Yen, je nach Ausführung, Kopf-wackel-Geschwindigkeit und Ladenkette. Es gibt sie in den verschiedensten Varianten, von Katzen bis hin zu Geishas, Samurais oder Pikachu. Gemeinsam haben sie alle die Solarzelle, die sozusagen zu ihrer Bezeichnung verholfen hat, denn sie sind eben das Volk der sonnigen Fleckchen.
Und weil ich heute keine Lust habe, euch mit Tomys Firmengeschichte zu langweilen, mache ich jetzt einfach Schluss. Ich Kann ja nicht jedes Mal so einen Monstertext schreiben, oder? =^_^=

Freut euch aufs nächste Mal :)

Der Klang des Sommers

Semi (). In jedem Anime mit etwas Realitätsbezug kann man sie hören. In Manga wird das Geräusch, das sie von sich geben, genutzt um Stille darzustellen (しーーん- auch wenn es alles Andere als leise ist). Und es gibt sogar ein Kinderlied über sie, das ihr hier anhören könnt. Es nennt sich „Semi no Uta“, also „Lied der Semi“ (Aber bitte wegen des Copyrights nach 24 Stunden wieder von der Festplatte löschen)
Sie sind die japanische Antwort auf das, was bei uns als Zikade bekannt ist und gewissermaßen das Gegenstück zum Zirpen unserer Grillen. Aber wirklich etwas über sie zu schreiben, gestaltet sich als ganz schön schwierig, besonders weil man sie auch kaum zu Gesicht bekommt.
Ziemlich genau nach Ende der Regenzeit – also mit Sommerbeginn – tauchen sie auf, nachdem sie sieben Jahre unter der Erde verbracht haben, und erf
üllen nicht nur ländliche Gegenden mit ihrem „Gesang“. Zwar ist dieser über weite Strecken zu hören, aber sobald sich ihnen jemand nähert, verstummen sie schlagartig und sind darum auch nicht zu finden.
Und damit nicht genug, es gibt n
ämlich sogar mindestens drei verschiedene Arten von Semi, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie wirklich korrekt voneinander unterschieden habe, die englische Wikipedia ist an dieser Stelle nämlich überfragt.

Hier mal eine kleine Tonprobe, bei der man zumindest zwei davon hören kann. Das gleichmäßige Kratzgeräusch (ssse—) im Hintergrund stammt von zahllosen „normalen“ Semi, das unterbrochene Zirpen (mi–mi–mi) von einer Nii-nii-zemi (にいにい蝉) und die Nebengeräusche vermutlich von einem amerikanischen Flugzeug im Landeanflug auf Atsugi sowie ein paar Krähen).
Die dritte Art von Semi, die nur am sp
äten Nachmittag singt (Tsuku-tsuku-ho–) trägt übrigens den passenden Namen „Tsukutsukubōshi“(つくつく法師), diese Form tritt aber erst im Spätsommer auf.

Was man von Semi zu sehen bekommt, sind ihre Panzer, die zurückbleiben, wenn sie sich häuten. Dieser hier stammt vermutlich von den einfachen Semi, wenn man davon ausgeht, dass die, die man am meisten hört, sich auch am meisten häuten, denn diese Panzer findet man mancherorts wirklich zu Dutzenden. Schon seltsam, dass sie sich dafür meist Stellen suchen, an denen man sie sehen kann, und ansonsten im Verborgenen sitzen. Aber wahrscheinlich hat das den Zweck, hungrige Vögel etc. abzulenken. Wer hat schon Appetit auf Chitinpanzer?

Ansonsten bekommt man Semi nur zu Gesicht, wenn sie nach einigen Wochen ihre Pflicht getan haben (Partnersuche, Eiablage) und das Zeitliche segnen. Dann sterben sie nämlich gewissermassen „wie die Fliegen“ und liegen überall herum.

Weil ich aber nicht so lange warten wollte und mir ausserdem eine Semi den Gefallen getan hat, gestern auf unserem Balkon zu liegen, konnte ich auch das dokumentieren.

Dieses Exemplar hier war aber ganz entgegen meiner Erwartungen noch nicht dahin geschieden, sondern war wahrscheinlich nur gegen die Balkontür geflogen und konnte sich nicht mehr aus seiner Rückenlage befreien. So hatte also meine Fotomanie auch ein Gutes, denn nachdem ich es für dieses hübsche Bild hier umgedreht hatte und das Tierchen dann mit der guten, alten Glas-und-Postkarte-Technik vom Balkon befördern wollte, ist es davongeflogen.

Wünschen wir ihm, dass es seinen Partner noch rechtzeitig findet, bevor es das nächste Mal – und dann wohl endgültig – auf dem Rücken liegt.

Und wünschen wir mir, dass ich nicht noch einmal so eine riesige Schreibblockade (auch bekannt als Faulheit) bekomme ^ .^’.

P.S. Wer jetzt immer noch nicht genug von Semi hat, der kann ja mit dieser Anleitung mal eine basteln.

Eine winkende Katze auf Welteroberungskurs

Wer hat sie nicht schon mal irgendwo gesehen, die winkende Katze? Im Chinarestaurant, auf Messen, vor dem Gamecenter, im Schaufenster, auf dem Dach eines Lottohäuschens… Was, etwa nicht? Na gut, zumindest in Japan ist Maneki Neko aus keiner Stadt mehr weg zu denken.
Sie stellt eine japanische Bobtail-Katze mit (herbei-) winkend erhobener Pfote dar, ist Glücksbringer und Kundenmagnet zugleich, steht für Wohlstand, Erfolg, Freundschaft und Schutz und teilweise sogar für Liebe und Erfolg beim Lernen. Das kommt ganz darauf an, in welcher Farbe sie auftaucht, aber dazu später noch mehr. Jetzt erzähle ich euch erstmal, wie es dazu kam, dass diese niedliche Knuddelkatze einem in Japan so gut wie überall über den Weg läuft.

Es gibt drei verschiedene Legenden, wie es zur ersten getöpferten Winkekatze kam, die populärste davon ist die des Gōtokuji-Tempels im Westen Tokyos, den ich letztes Wochenende bei Regen besucht habe. Eigentlich scheint er auf den ersten Blick ein Tempel wie jeder andere auch zu sein, hätte es nicht die Legende, wie er zu dem geworden ist.
Tja, dann erzähle ich euch jetzt mal eine Geschichte =^^=

Es war einmal ein sehr armer Mönch, der in einem kleinen, heruntergekommenen Tempel im Westen Tokyos lebte. Er besaß nichts außer dem Dach über dem Kopf, das ihm der Tempel bot, und einer Katze, mit der er alles teilte.
Eines Tages gab es ein heftiges Gewitter, in dem ein unbekannter Edelmann, der eigentlich auf dem Heimweg gewesen war, Schutz unter einem Baum nicht unweit des Tempels suchte. Natürlich wissen wir heute, dass man das nicht tut, aber damals wussten das eben noch nicht alle. Als er dort so stand und langsam vom Regen aufgeweicht wurde, sah er auf einmal die Katze am Eingang des Tempels sitzen, die in einer Geste als wollte sie ihn zu sich heran winken die Pfote gehoben hatte.
Irritiert kam der Edelmann näher um zu sehen, ob er sich das nicht eingebildet hatte, als plötzlich direkt hinter ihm ein Blitz in den Baum einschlug, unter dem er eben noch gestanden hatte.
Aus lauter Dankbarkeit, dass ihm die Katze das Leben gerettet hatte, suchte er ihren Besitzer um ihn dafür zu belohnen. Er freundete sich mit dem Mönch an und spendete dem Tempel eine gro
ße Summe Geld, wodurch dieser repariert und verbessert werden konnte.
Nach dem Tod der Katze wurde ihr zu Ehren die erste Maneki Neko angefertigt.

Heute ist der Gōtokuji der grösste Tempel in der Umgebung des Gotokuji-Bahnhofs, hat mehrere Nebengebäude und sogar eine dreistöckige Pagode. Die Ema (Bildtafeln, auf die Besucher ihre Wünsche schreiben können) haben natürlich die Katze auf der Rückseite und man kann sich aussuchen, ob man die verschieden großen Keramikkatzen, die man dort kauft (wenn mal jemand da ist) spenden oder mit nach Hause nehmen möchte.

Es gibt noch mindestens zwei weitere Legenden, wie es zur ersten winkenden Keramikkatze kam, die ihr gern auf der Seite der Wikipedia nachlesen könnt.
Eine handelt von der Katze einer Kurtisane, die ihre Anhänglichkeit mit dem Leben bezahlt hat, aber noch im Tod ihre Herrin vor einer Schlange gerettet hat – Maneki Neko wurde gemacht, um die Frau zu trösten

Die andere besagt, dass eine sehr arme, alte Frau ihre Katze verkaufen musste, die ihr später im Traum erschien und sie dazu brachte, Abbilder von sich (der Katze) zu machen und zu verkaufen, wodurch die alte Frau noch zu Wohlstand kam.

Welche Legende auch immer der wirkliche Grund für die erste Maneki Neko war, heutzutage ist sie aus dem japanischen Leben nicht mehr wegzudenken. Man kann sie so gut wie in jedem touristisch attraktiven Ort kaufen und es gibt sie in den Souvenirshops in den verschiedensten Farben. Das Original war aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Japanische Bobtail, die hauptsächlich weiß ist.

Zur Bedeutung der Farben:
Mi-ke (weiß mit schwarz-orangenen Flecken) – das Original, bringt ganz besonders viel Glück in allen Lebenslagen
Wei
ß – symbolisiert Reinheit und ist fast genauso beliebt wie Mi-ke
Schwarz – bringt Gesundheit und hält böse Geister fern. Auch gern genutzt zum Schutz vor Stalkern
Rot – ist eine Schutzfarbe und schützt vor bösen Geistern und Krankheit
Gold – wird mit Reichtum und Wohlstand in Verbindung gebracht
Pink – erfreut sich wachsender Beliebtheit und verspricht Liebe
Violett – steht für künstlerische Stärke
Grün – bringt Erfolge im akademischen Bereich

Wieso das Kätzchen sich heutzutage solcher Beliebtheit erfreut, bleibt der Spekulation überlassen. Eine recht populäre Theorie geht davon aus, dass die Öffnung Japans gegenüber dem Westen unter Kaiser Meiji dafür verantwortlich ist. Die Meiji-Regierung verbannte nämlich sämtliche erotischen Talismane aus dem öffentlichen Leben. Oft waren besonders in Bordellen Darstellungen von Damen, die Kunden herein winkten, offen im Eingangsbereich zu finden. So trat also wahrscheinlich die Katze an Stelle der winkenden Damen, aber nichts Genaues weiß man nicht…

In diesem Sinne, ich hoffe ihr hattet ein bisschen Spaß beim Lesen. Wenn ihr noch mehr Fotos von Maneki Neko und dem Gotoku-ji sehen möchtet, schaut einfach mal auf meiner Galerie vorbei.

Und auch wenn sie ja eigentlich nicht zum Abschied winkt… Bye Bye!


Diese drei hier habe ich in Asakusa gekauft, sie sind aus Seide und wurden in Handarbeit angefertigt. Jede ist ein Unikat, weil keine zwei Stoffstückchen vollkommen identisch sind. Wenn ihr auch eine wollt, sagt mir Bescheid!