Ja, besser spät als nie, ein ganz herzliches Frohes Neues Jahr an alle!

Ich weiß ja, ihr wolltet unbedingt etwas über Weihnachten lesen, aber ein Beitrag darüber wäre wohl im Vergleich zu Weihnachten in Deutschland ziemlich trostlos geworden. Kein Schnee, so gut wie keine Kerzen, Tannenbäume nur in Ausnahmefällen – und Feiern im Kreis der Familie schon gar nicht, das gibt es hierzulande nämlich schon zum Jahreswechsel.

Und für die armen Irren, die an Silvester nicht ihre Familie besuchen gefahren sind, gibt es ja glücklicherweise noch Restaurants und andere Lokale, in denen man feiern kann – in einem davon habe ich die große Ehre zu arbeiten.  (übrigens seit Heiligabend ohne wirkliche Unterbrechung, das erklärt wohl auch, warum ich darüber nichts berichtet habe)

Tja, und weil ich leider gerade keine Familie hier habe, mit der ich den Jahreswechsel auf traditionelle Art begehen könnte, erzähle ich euch einfach, wie es in „meinem“ Restaurant abgelaufen ist.
Zuerst einmal schien nicht viel anders zu sein als an einem normalen, eher wenig besuchten Arbeitstag. Um 11.30 Uhr, meiner normalen Nach-Hause-Geh-Zeit (weil ich ansonsten den letzten Zug verpasse), eröffnete mir der Chef, dass in der Silvesternacht ja alle Bahnen fahren würden und ich also bleiben müsste/dürfte/könnte, mindestens bis alle Soba gegessen haben.

Mentale Notiz: Es gibt Soba, um das neue Jahr zu eröffnen. Nudeln bringen ja bekanntlich Glück und ein langes Leben. Beim Essen (besonders an Neujahr) sollte man unbedingt darauf achten, sie zu schlürfen und auf keinen Fall abzubeißen, weil man ja nicht sein Leben unnötig verkürzen will.

Vielleicht 15 Minuten vor Mitternacht kamen die Partyhütchen. Stellt euch einfach Schneewittchens 7 Zwerge mit Glitzereffekt vor, dann wisst ihr, was ich meine =^^=
Die obligatorischen Partycracker (leider ist das Foto nichts geworden, aber ihr habt sie garantiert schonmal in einem Manga oder Anime gesehen, das sind diese spitzen, vielleicht 6cm langen „Tütchen“, an deren Ende ein Band ist, und wenn man daran zieht, kommen mit einem *PLOPP!*  Luftschlangen raus. In Deutschland gibt es diese Sektgläschen, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren.
Tja, und am Ende war es gar nicht so anders als man erwartet. Alle hatten ihre Hütchen auf, das Licht wurde gedimmt, man hat zusammen den Countdown runtergezählt und dann gemeinsam die Cracker geploppt. Anschließend gab es ein großes Händeschütteln und Austauschen von Neujahrswünschen, und natürlich ein Fotoshooting.
Und dann (endlich) die lang erwarteten Soba. Ich muss schon sagen, dafür, dass er eigentlich ein deutsches Restaurant führt, kann mein Chef ausgezeichnet Japanisch kochen! (lasst euch das von jemandem gesagt sein, der eigentlich gar nicht so gern Soba mag)
Es hat dann nur bis ca. 1:30 gedauert, bis ich mich dann doch loseisen konnte um nach Hause und in mein Bett zu kommen. Die Bahnen sollten ja die ganze Nacht fahren. Alle?
Nein, alle, bis auf ein kleines gallisches Dorf – *Sorry* Also alle, bis auf eine eigentlich nicht wirklich kleine Bahnlinie im Nordwesten Tokyos. Also mal ehrlich, liebe Seibu Line, war das wirklich nötig, die Leute in der Silvesternacht bis 4:30 Uhr auf den ersten Zug warten zu lassen?
Aber gut, es ist ja nicht so, dass man auf einem kalten Bahnsteig hätte herumstehen müssen, immerhin gibt es ja noch Bahnbetreiber, die wissen, was das Wörtchen Service bedeutet. Was nicht heißen will, dass ich schneller nach Hause gekommen wäre, aber ein warmer Sitzplatz in der Yamanote-Line hat doch auch was für sich. (Die braucht übrigens exakt eine Stunde um einmal ihre Runde um Tokyo zu fahren, vorausgesetzt es ist nicht gerade Rush Hour)

Jetzt noch ein paar Hinweise für die Tage vom 1. bis zum 4. Januar:
- vor dem Mittag nichts schneiden, Messer, Scheren und Cutter sind absolut tabu. Vorkochen oder im Restaurant essen ist die Devise!
- Die Stäbchen, mit denen man am 1. Januar isst, dürfen bis zum 4. Januar nicht abgewaschen werden
- Banken, Postfilialen und viele Büros schließen bereits am 31.12. – erledigt eure Geschäfte also besser vorher
- „Frohes Neues Jahr“ heißt auf Japanisch „明けましておめでとうございます“ (Akemashite omedetou gozaimasu)


In diesem Sinne, herzlich Willkommen im Jahr des Ochsen (うし – „ushi“), 2009!

Flash Mob

Mai 15, 2008

Heute zu einem Phänomen, das mir vor einiger Zeit in Harajuku untergekommen ist. Dem Flash Mob.
(ausnahmsweise nicht mit Bildern, sondern mit einem Video – huldigt meiner Kamera ^___^ – okay, die Quali ist mehr als mies…)

Bis zu diesem Moment wusste ich nicht mal, dass es so was gibt, aber man lernt ja nie aus. Laut meinen Informationen stammt dieses Phänomen wie so vieles aus den USA, aus New York um genau zu sein. Dort traf sich eine ziemlich große Gruppe von Menschen scheinbar zufällig zur selben Uhrzeit an der Grand Central Station und erstarrte plötzlich von einer Sekunde auf die andere mitten in der Bewegung. Und mitten im Bahnhof. Das Ganze wurde aufgenommen und sollte derzeit in den verschiedensten Versionen auf Youtube zu finden sein („Frozen Grand Central“). Erst drei Minuten später liefen alle Teilnehmer auch scheinbar zufällig einfach weiter, als wäre überhaupt nichts gewesen.
Die Wikipedia meint, dass der Ursprung in England liegt, wahrscheinlich werden sie auch Recht haben, aber das muss ich jetzt nicht alles abschreiben ^^. Bei Interesse lest einfach hier weiter.
Genau dieses Szenario stelle man sich jetzt bitte mitten in einem belebten Park in Harajuku vor. Da ist man als Passant schon ziemlich irritiert, was es denn da zu sehen gibt, wenn alle auf einem Haufen stehen. Aber es war ja genau der Haufen, den es zu sehen gab. Und eh man dann realisiert, dass die Leute absichtlich in den unterschiedlichsten Posen herumstehen und sich nicht bewegen, laufen sie im nächsten Moment alle einfach weg…
Netterweise haben die netten Jungs und Mädels ihre Übung aber gleich darauf noch mal wiederholt, damit man auch Fotos bzw. Videos davon machen konnte. Ihr könnt euch ja mal das kleine Video anschauen, aber live war es natürlich viel beeindruckender, wenn da diese vielen Menschen plötzlich stehen wie eingefroren. (mit Ausnahme dieses einen, der mitten hindurchlatscht T_T) Eigentlich war das aber nur die Generalprobe für das eigentliche Event am Bahnhof Shinjuku, das ich leider nicht mehr gesehen habe.
Ich habe mir sagen lassen, dass es ähnliche Aktionen auch in der Form gibt, dass man mit der ganzen Mannschaft gleichzeitig bei McDonalds auftaucht, in der Pizzeria oder im Schuhladen. Die laut Wiki erste (aufgefallene) Gruppe hat wohl sogar in Macy’s Department Store (Manhattan) mit mehr als 100 Leuten gemeinschaftlich um einen ziemlich teuren Teppich herumgestanden und auf Fragen der Angestellten einheitlich behauptet, dass sie alle zusammen in einer alten Fabrik am Stadtrand leben würden, auf der Suche nach einem Liebesteppich seien und immer alle Kaufentscheidungen gemeinsam treffen würden.
Das ist dann eine ziemliche Herausforderung fuer das Personal, weil es ja keine Vorwarnung gibt, keiner ahnt, dass es ein Scherz ist und auch niemand weiß, wer denn nun genau zu der Gruppe gehört, und wer nicht.
Es bietet jedenfalls eine ziemliche Abwechslung zum normalen Alltag und macht sicher auch den Teilnehmern ziemlich Spass.