Herzlichen Glückwunsch, es ist eine WASSERMELONE!!!
August 23, 2008
Dies ist die Geschichte eines japanischen Familienvaters. Eines stolzen japanischen Familienvaters. Denn heute war der große Tag.
Nach Monaten des Wartens und Hoffens, nach täglichem Gießen, Kämpfen mit allen möglichen gefährlichen Fressfeinden und letztendlich der Errichtung eines Schutzschilds, war es heute endlich soweit: Sie wurde geerntet. Sie, die erste Wassermelone, die jemals in diesem Garten gewachsen war.
Wassermelonen sind ja in Japan schon seit Langem sehr beliebt. Man kann Badeschwämme kaufen, die aussehen wie ein Stück Wassermelone, sie sind aus keinem Shojo-Manga oder Artbook wegzudenken, man kann Bälle in Wassermelonen-Optik kaufen, es gibt Eis und Getränke in dieser Geschmacksrichtung und natürlich ist da auch auch das allseits beliebte Spiel, bei dem man Kindern die Augen verbindet und sie mit einem Stock (ein Besenstiel reicht auch) in der Hand auf die arme, hilflose Wassermelone loslässt. Dieses Spiel funktioniert aber nur, wenn die Melone richtig reif ist. Wenn man dann die richtige Stelle trifft, sorgt der Druck in der Wassermelone selbst dafür, dass sie platzt bzw. zerfällt. Die sterblichen. Überreste werden dann selbstverständlich mit Freunden oder Familie vertilgt.
Hier heißt die Wassermelone übrigens suika (水瓜), überraschenderweise zusammengesetzt aus den Kanji 水 für Wasser und 瓜 für Melone =^^=.
Jetzt aber zurück zu unserer Wassermelone. Man soll Wassermelonen ja normalerweise genau 85 Tage nachdem die Blüte abgefallen ist und eine kleine Kugel zurückgelassen hat ernten (war mir auch neu, ich dachte immer man hört beim Klopfen, ob sie reif ist). Wegen der vielen Fressfeinde (insbesondere Dangomushi 団子虫, Armadillidium vulgare, eine Art tagaktiver Kellerasseln, die übrigens auch unglaublich auf Gurken steht, was der Grund dafür ist, dass alle Gurkenpflanzen abgefressen waren, noch bevor sie auch nur zur Blüte gekommen sind) sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die winzigen Suika mit Gaze umwickelt und so geschützt werden sollten.
Tja, nur dass irgendwelche Tiere trotzdem rangekommen sind und die Mini-Suika nach vielleicht sechs Tagen trotzdem aufgefressen oder angefressen und schwarz geworden war. Aber bei aller Trauer um den Verlust, hatte es in der Zwischenzeit eine andere Blüte geschafft, eine Mini-Suika hervorzubringen. Die wurde nun natürlich gehegt und gepflegt, in ein handgemachtes Gaze-Säckchen gepackt (ja, von mir ^^) und immer wieder kontrolliert. Ihr ging es dann auch tatsächlich ganz gut, sie wuchs und gedieh in ihrem überdimensionalen Blumenkasten, bis sie irgendwann bei einem Durchmesser von ca. 12 cm aufhörte zu wachsen. Das könnte daran liegen, dass Melonen viel Platz brauchen und der Blumenkasten einfach nicht genügend Nährstoffe für weiteres Wachstum bieten konnte, oder daran, dass irgendjemand die Blätter der Pflanze eins nach dem anderen angefressen hat, bis schließlich sogar die Hauptranke braun wurde.
Aus diesem Grund mussten wir die Suika also heute gewissermaßen „noternten“. Und dabei hing immer die Befürchtung in der Luft, dass wir keine Wassermelone, sondern eine Gurke ernten würden, denn unreife Wassermelonen sind innen grün und schmecken in etwa so wie Gurken. Sind ja auch miteinander verwandt.
Tja, was wir am Ende geerntet haben, seht ihr ja auf dem Bild.
Und dass man auch aus scheinbar unwichtigen Dingen wie einer Melone eine lange Geschichte machen kann, seht ihr an diesem Eintrag -^.^-
Bis zum nächsten Mal!