hide memorial summit
Mai 9, 2008
Der Artikel ist endlich fertig!
Office Ladies, Businessmen, Lolitas, Punks, hide, ganz normale Leute, Leute mit schwarzen Haaren, braunen Haaren, blonden Haaren, roten Haaren, hide, Leute mit Locken, mit glatten Haaren, Irokesenschnitt, langen Haaren, kurzen Haaren, Haaren am Kinn, ganz ohne Haare, hide, große Leute, kleine Leute, dicke Leute, dünne Leute, alte Leute, junge Leute, hide, Gothic Lolitas, X-Japan-Fans, Mucc-Fans, Luna-Sea-Fans, Dir-en-Grey-Fans, Versailles-Fans, hide-Fans, hide, Leute mit Handtüchern auf dem Kopf, Leute mit Handtüchern auf dem Rücken, Männer mit Haarspangen im Pony, hide, hide, hide, soweit das Auge reicht…
Erinnert sich eigentlich noch jemand von euch an hide?

Den Leadgitarristen von X-Japan? Der mit den pinken Haaren und der gelben Gitarre mit den Herzchen drauf? Der hier?
Es ist mittlerweile schon zehn Jahre her, dass er bei diesem Unfall ums Leben kam. Sicher, es hätte auch ein Selbstmord sein können, aber da es keinen Abschiedsbrief gab und es doch eher ungewöhnlich ist, dass man sich mit einem Handtuch an einem Türknauf erhängt, gehe ich einfach mal davon aus, dass es keine Absicht war. Immerhin war er auch nach der Trennung von X-Japan mit seiner Lifeband Spread Beaver sehr erfolgreich, war außerdem zu dem Zeitpunkt noch sehr engagiert für die in den USA ansässige Band Zilch tätig und hätte nun wirklich keinen Grund gehabt, sich in der Nacht vom 1. zum 2. Mai nach einer Party umzubringen. Wahrscheinlicher ist, dass er eine Methode nutzen wollte, die hin und wieder von Gitarristen angewandt wird, um Rücken- und Nackenschmerzen zu lindern, und die ein Handtuch und eine Türklinke beinhaltet…
Wie dem auch sei, jedenfalls wurde anlässlich des zehnten Todestags dieses einmaligen Mannes am 3. und 4. Mai 2008 ein Benefizkonzert der Extraklasse im Ajinomoto-Stadium in Tokyo, Stadtteil Chofu, auf die Beine gestellt. hide hat sich zu Lebzeiten sehr für verschiedene Hilfsorganisationen eingesetzt, denen die Einnahmen aus diesem Event zu Gute kommen sollen. Das sind Stiftungen wie die Japan Marrow Donor Registry, Make-a-Wish of Japan, die Japan Society of Breast Health, Orange Clover und das Heart Ribbon Project.
Hier ist das offizielle Plakat, gefunden auf der Homepage von X-Japan, um euch mal einen Eindruck zu vermitteln.

Das Ajinomoto-Stadion, das als erstes Stadion seine Namensrechte verkauft hat und ansonsten eigentlich das Tokyo Stadion wäre, ist normalerweise ein Fußballstadium und bietet bis zu 50.100 Besuchern Platz, wenn beide Tribünenebenen besetzt sind. Da aber die Bühne etwa ¼ der Sitze blockiert hat, die obere Tribüne so gut wie nicht besetzt war und dafür der Platz, auf dem sonst der Rasen gewesen wäre, mit Sitzreihen gefüllt war, habe ich effektiv keine Ahnung, wie viele Leute denn nun eigentlich da waren. ^^ Irgendwas um die 35.000 nehme ich an, aber dazu müsste man wahrscheinlich die Veranstalter fragen. Es waren jedenfalls verdammt viele.
Erreichen kann man das Stadion vom Bahnhof Shinjuku aus mit der Keio-Linie. Die richtige Haltestelle heißt Tobitakyū, und von dort sind es etwa 5 Minuten zu Fuß.
Man konnte die richtige Bahn eigentlich auch gar nicht verfehlen, weil man schon von Weitem die roten Perücken und aufwändigen Kostüme der Cosplayer sehen konnte und auch sonst viele Leute T-Shirts anhatten, die auf die angekündigten Bands hindeuteten. Sobald man aus dem Zug heraus war, war der Weg gesäumt von Bahnpersonal und Polizisten, die einem gesagt haben, wie man zum Stadion kommt. Dass es mehr oder minder immer geradeaus ging und man das Stadion gar nicht verfehlen konnte, sei mal dahingestellt.
Schon auf dem Weg waren unzählige Straßenhändler damit beschäftigt, Merchandise aller Art, alte Zeitschriften, Artbooks, (vermutlich gefälschte) Summit-T-Shirts und Ferngläser unter die Leute zu bringen, und waren damit auch ausgesprochen erfolgreich. Zumindest waren die Tische immer voll und die Händler sahen aus als wären sie furchtbar beschäftigt ^.^
Das hier ist übrigens nicht etwa die Schlange zum Ticketschalter (die Tickets waren telefonisch zu bestellen und mussten in einer bestimmten Kombini-Ladenkette abgeholt werden), sondern die Schlange zum offiziellen Merchandising-Bereich, in dem man dann die echten Lizenzprodukte bekommen konnte. (ja, die vielen Leute ganz weit hinten stehen auch alle noch an) In Deutschland hätte man an dieser Stelle wahrscheinlich mindestens das halbe THW gebraucht, um alle Fans unter Kontrolle zu halten, aber in Japan stellt man sich tatsächlich noch so brav an, wie man es sollte, und wartet, bis man an die Reihe kommt, auch wenn das manchmal bedeutet, dass manche Sachen eben schon ausverkauft sind, wie zum Beispiel die knuffigen Ufo-catcher-hides U_U
Die Preise waren auch ganz schön gepfeffert, 4000 Yen für ein T-Shirt, wobei es fast egal war, von welcher Band. Das günstigste Souvenir waren noch Beutel und Taschen, die je nur 500 Yen gekostet haben, aber dafür auch entsprechend schnell ausverkauft waren, besonders die tollen, gelben hide-Plastikbeutel ;_;
Inklusive Anstehen und jeder Menge Fotos hat es knapp zwei Stunden gedauert, bis man durch den gesamten Merchandising-bereich durch war.
Und dann auf zum Stadion. Direkt bei der Kartenkontrolle bekam jeder Besucher ein Tütchen mit Armbändern (die auf der Eintrittskarte als WURISTOBANDO – wristband – angekündigt worden waren) und durfte dann seine Tasche zur Kontrolle auf einen Tisch stellen. Der nette Mensch dahinter hat sich tausendmal entschuldigt und dann nicht etwa nach scharfen oder spitzen Gegenständen gesucht, wie das bei uns vielleicht üblich wäre (ist mir bei Fussballevents jedenfalls schon untergekommen), sondern nach Kameras. Die waren nämlich nicht erlaubt.
So eine Schande aber auch. Wann sonst bekommt man nochmal die Gelegenheit, so viele Sahneschnittchen auf einem Haufen zu erleben?
Und mal ganz nebenbei, der Zoom meiner Kamera wäre weit besser gewesen als dieses dämliche Fernglas, das ich mir für 1000 Yen bei einem der Straßenhändler gekauft hatte. (Hätte es aber auch für 2000 haben können ^^)
Na ja, lassen wir das.
War von euch schon mal jemand in einem Stadion dieser Größenordnung? Ich muss ja sagen, da hätte sich Kilometergeld echt gelohnt, ich musste nämlich so ziemlich einmal genau drumrum. Auf dem Weg gab es noch für alle Besucher eine Tüte mit Plakaten und Flyern der auftretenden Bands und der Hilfsorganisationen, die unterstützt wurden (schon witzig wenn man plötzlich eine Anleitung zum Ertasten von Brustkrebs auspackt n_n). Und natürlich konnte man alle paar Meter Essen und Getränke zu ziemlich deftigen Preisen kaufen. Da ist man doch froh, wenn man die Müsliriegel eingepackt hat.
Meinereiner hatte einen Platz im B-Bereich. Gut, in der zweiten Reihe, was für ein Fußballspiel ja wirklich optimal gewesen wäre, weil er sich etwa in der Mitte der Längsseite befand. Aber so konnte ich nur zwei der drei Bühnen direkt sehen, weil das Technikzelt strategisch sehr günstig – mitten in meinem Blickfeld – aufgebaut worden war. Aber da kann man nichts machen. Die Hauptbühne hatte ich ja im Blick, und für den Rest gab es die Leinwände.
Ach so, noch kurz zum Aufbau. Die Bühne bestand eigentlich aus drei Bühnen, wovon die größte in der Mitte war. Oberhalb der kleineren Bühnen und am Rand waren Leinwände für die Live-Übertragung angebracht, damit man auch wenn man sehr weit weg saß oder irgendwas (wie das Technikzelt) im Weg stand, sehen konnte, was passierte. Die Bühnen waren, wenn sie nicht gebraucht wurden, mit riesigen hide-Plakaten verschlossen und ansonsten gab es nichts, was besonders außergewöhnlich gewesen wäre
Die Sonne hat ziemlich gebrutzelt (Tokyo liegt in etwa auf demselben Breitengrad wie Rom, entsprechend steht die Sonne um Einiges höher als man es von Deutschland gewöhnt ist), aber es gibt ja Sonnencreme und Fächer Meine Nachbarin musste leider ihren Regen- bzw. Sonnenschirm schließen, weil sie damit ansonsten ja den Leuten weiter hinten die Sicht versperrt hätte (Und was ist bitte mit dem Technikzelt?)
Womit wir beim nächsten Thema wären, nämlich den Platzanweisern. Eigentlich waren sie sowas wie Mädchen für alles. Sie standen etwa alle zehn Meter direkt vor den Sitzreihen und mussten aufpassen, dass niemand doch irgendwie ein Foto machte, z.B. mit dem Handy. Außerdem halfen sie natürlich dabei, den richtigen Platz zu suchen, manche machten die Eingangstüren auf und zu und wieder andere liefen mit Schildern herum, auf denen durchgestrichene Kameras zu sehen waren. Wenn irgendjemand umgekippt wäre (was ich zumindest nicht gesehen habe, es wäre aber bei der Menge an Menschen nur wahrscheinlich), hätten sie sicher auch erste Hilfe geleistet und den Krankenwagen geholt.
Unter diesen wachsamen Augen begann also am Sonntag um 14:00 Uhr der zweite Tag des hide memoriere summits. Den ersten Tag habe ich zu meiner Schande verpasst, weil mir einerseits zu wenige der angekündigten Bands wirklich ein Begriff waren und andererseits auch das nötige Kleingeld gefehlt hat. Ich weiß aber aus erstklassiger Quelle, dass es einwandfrei war und trotz des anfänglich bewölkten Himmels am Ende sogar die Sonne herauskam. Gegen Abend war der Himmel sogar sternenklar, und das kommt in der Gegend von Tokyo wirklich selten vor.
Den Auftakt gaben heidi, eine derzeit hierzulande (also in Japan) noch nicht allzu bekannte Band, die aber auf jeden Fall eine Menge Potenzial haben. Dass sie mit einem Cover von hides „Tell me“ einstiegen, brachte ihnen aber auch von den Zuschauern, die sie nicht kannten, einige Sympathiepunkte ein. Yoshihiko, der Sänger, hatte irgendwie was von einem Flummi, weil er kaum mal zwei Sekunden an einem Platz stehen blieb. Es war ein bisschen schade, dass sie nur drei Songs gespielt haben und der größte Teil der Besucher sitzen geblieben ist anstatt mitzumachen.
Es folgten die Tokyo Yankees, eine schon etwas betagtere Band, die für Lieder wie „Serial Killer“ bekannt ist. Ob es nun Hardrock, Heavy Metall oder Punk Rock (oder alles) war, was sie gespielt haben, kann ich nicht ganz einschätzen Jedenfalls war es ziemlich laut und hatte Ähnlichkeit mit dem lieblichen Gröhlen von Hooligans ^^*. Wer jetzt nicht nachvollziehen kann, wieso ausgerechnet so eine Band, die ja doch mehr als eine Generation über hide ist, auf seinem memorial summit spielt, dem sei gesagt, dass sie früher unter Yoshikis Exstasy-Label produziert wurden und außerdem erst vor kurzem ihren Vokalisten Soichiro Umemura verloren haben, dessen leere Lederjacke in der Mitte der Bühne hing.
Anschließend spielten LADIESROOM,die nun wieder etwas jünger waren als ihre Vorgänger. Ihre Musik war nicht ganz so aggressiv wie die der Yankees, auch um ein paar Nuancen angenehmer zu hören, aber immer noch laut. Spannend fand ich die Hosen des Bassisten (ich glaube er nennt sich George), denn die hatten Luftlöcher genau über den Pobacken, was der gute auch oft und gern zur Schau gestellt hat. Gut, am Ende hat er im Rausch der Gefühle seinen Bass zerkloppt, aber das kam ja bei Kiss auch regelmäßig vor.
Nun kam das erste Highlight des Tages. über die Bildschirme flimmerten die Buchstaben Dir en Grey. Natürlich ging sofort das Gekreische der (meist) weiblichen Fans los… Als die Jungs reinkamen (sie hatten die große Bühne), sahen sie noch halbwegs (naja, wer sie kennt, weiß, wie ich das meine) brav aus, aber kaum dass sie anfingen zu spielen gingen sie ab wie ein Zäpfchen. Woher vor allem Kyo bei seiner Körpergröße so viel Energie nehmen kann, weiß ich nicht.
Schon beim zweiten Lied waren aber fast alle schon oben ohne, und da ist echt bei keinem ein Gramm zu viel. Alles Muskeln. Ich muss ja gestehen, dass ich nicht unbedingt ein Fan ihrer Musik bin, aber sie haben echt Ahnung, wie man das Publikum bei Laune hält.
Irgendwann hat Kyo dann aber Blut gespuckt (ich bin mir ziemlich sicher, dass er eine Blutkapsel im Mund hatte) und sich mit einem Teppichmesser den Oberkörper zerschnitten, und an der Stelle hörte für mich echt der Spaß auf. Ich hatte ja schon ein paar Videos gesehen und weiß, dass sie es oft und gern an die Grenze des Ekels treiben (und mein Magen macht gewiss eine Menge mit) aber das und das Video, das anschließend eingespielt wurde, haben mir echt ziemlich gereicht.
Nach 8 Songs fiel der Vorhang wieder und das Geschrei der Fans ließ auch langsam wieder nach.
the Underneath, die danach spielten, wurden leider zu Lückenbüßern degradiert, weil jetzt nämlich alle, die bei Diru noch im Stadion geblieben waren, die Gelegenheit zur Saalflucht nutzten und entweder aufs Klo rannten oder sich etwas zu Essen holten. Schade eigentlich, denn ich fand ihren Stil ziemlich interessant. Außerdem hat Sänger Taka als erster an diesem Tag ein kleines Gespräch mit hide geführt und ihm so gewissermaßen Respekt erwiesen.
Auch als anschließend D’espairs Ray spielten, war die Völkerwanderung noch in vollem Gange. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern trugen sie aber Weiß und waren mit Ausnahme des Drummers auch alle langärmelig. Die Begeisterung des Publikums hielt sich leider in Grenzen, was ich echt nicht verstehen kann, aber wahrscheinlich sind die Jungs in Deutschland bekannter als in Japan. Irgendwann gegen Ende, auch Despa hatten nur wenig Zeit und konnten nur 4 Songs spielen, fing es dann auch noch an leise vor sich hin zu regnen, und weil niemand einen Schirm aufspannen durfte, drückte das noch zusätzlich die Stimmung v_v.
Es folgten MUCC, die hierzulande anscheinend einen ähnlichen Bekanntheitsgrad haben wie Despa, entsprechend hielt sich die Begeisterung des Publikums in Grenzen. Der Mensch neben mir musste sogar seine Nachbarin fragen, was denn dieses seltsame Logo auf dem Bildschirm für ein Bandname sein sollte >_<’ (es sind die Zahlen 6 und 9, die im Japanischen auch „muku“ ausgesprochen werden können)
Naja, die Jungs haben sich nichts draus gemacht und es auch ziemlich schnell geschafft, mit ihrer guten Laune einen Großteil der Zuschauer anzustecken. Außerdem haben sie während der immerhin 6 Songs die gesamte Bühnenbreite genutzt, nicht nur die ihrer eigenen.
Erwähnenswert finde ich auf jeden Fall noch, dass der Sänger Tatsurou und einer der Gitarristen die Armbänder der Hilfsorganisationen trugen, die jeder Besucher am Anfang bekommen hatte.
Bei OBLIVION DUST, die als nächste spielten, kam dann langsam wieder die Sonne hinter den Wolken hervor. Die Band wurde aber wieder von sehr vielen nicht wirklich gewürdigt und man hatte erneut den Eindruck, in einer Völkerwanderung gelandet zu sein. Nach sechs Liedern näherte sich aber auch dieser Auftritt dem Ende und in der darauf folgenden Pause, die sich ziemlich lange ausdehnte, wuchs die Spannung ins Unermessliche.
Als dann die Mondscheinsonate eingespielt wurde, begann auch schon das Kreischen, denn nur wenige Augenblicke später wurde LUNA SEA angekündigt, und sie bekamen natürlich die große Bühne. Eigentlich hatte sich die Band, die von hide entdeckt und unter Yoshikis Label geholt worden war, im Jahr 2000 getrennt und fast alle Mitglieder haben sich erfolgreich anderweitig durchgeschlagen. Allerdings gab es 2007 schon ein gemeinsames Konzert, und jetzt hofft man natürlich, dass sie wieder ein paar gemeinsame Singles aufnehmen.
Mir ist jedenfalls bei ihrem Auftritt so richtig aufgefallen wie groß der Unterschied zwischen einer Band ist, die schon seit 19 Jahren im Geschäft ist (okay, mal von der Trennung abgesehen), und einer, die gerade erst ein gemeinsames Album produziert hat. Das Zusammenspiel ist ganz anders und man kennt sich auch gut genug, um ein bisschen Fanservice zu wagen. :3
Beim 9. von 11 Liedern wurden aus Richtung der Bühne riesige silberne Luftschlangen verschossen, die natürlich nur in den ersten paar Reihen ankamen und sofort wie Pompoms zum Mitwinken und -wedeln genutzt wurden. Schon seit der Mondscheinsonate war niemand mehr auf seinem Platz, und erst die anschließende Pause, die sich noch mehr in die Länge zog als die vorherige, bot wieder Zeit zum Ausruhen.
Und dann, nach scheinbar endlosen Minuten des Wartens, war es endlich soweit. Über die Bildschirme flimmerte die hide-memorial-summit-Präsentation, die in jeder Pause eingespielt worden war, und als die Musik dieses Mal verklang, schrie das Publikum gemeinschaftlich wegen nur 6 Buchstaben auf.
X-Japan
Amethyst wurde eingespielt, wobei die einzelnen Bandmitglieder vorgestellt wurden. Aber anstatt es zu kürzen, lief die volle Version, in der hide an der Gitarre angesagt wurde, was sofort einen kollektiven Aufschrei verursachte und schon so manchem die Tränen in die Augen trieb. Die Bilder von hide, die gleichzeitig über die Schirme flirrten, sorgten für den Rest.
Dann öffnete sich endlich der Vorhang. Wer die eine oder andere Live-DVD gesehen hat, weiß ja in etwa, wie es aussieht, wenn X spielen. Von links nach rechts Pata und Heath, Yoshikis Schlagzeug, davor Toshis Mikrofon, etwas weiter hinten der Gong, daneben Yoshikis Klavier und davor hide. Diesmal gab es einen großen Unterschied, und der war schließlich auch Anlass des Konzerts.
Hinter dem Schlagzeug war ein Bildschirm in Herzform aufgebaut, auf dem nun hide mit einem Grinsen die Bühne betrat. Spätestens an dieser Stelle stiegen einem nun wirklich die Tränen in die Augen. Natürlich wurde sofort wieder geschrien und gekreischt (es waren auch etliche männliche „hide!!!“--Rufe zu vernehmen), aber es wurde wieder ruhiger, als Rusty Nail gespielt wurde. Auf dem Herzbildschirm wurde weiterhin hide gezeigt, wie er seinen Part des Stücks spielte. Für das Konzert hatte aber im Vornherein Pata dessen Part einstudiert und aufgenommen, wenn ich richtig informiert bin. (Yoshiki spielt ja auch seine eigenen Drumsolos ein, wenn er gerade am Klavier sitzt)
Auch bei den folgenden Songs (Scars, MC, Silent Jealousy) wurden Konzertmitschnitte von ihm gezeigt, und dabei gab es mehr als nur einen Moment, in dem einem echt zum Heulen zumute werden konnte. Es war, als wäre er wirklich dabei und müsste nur einen einzigen Schritt machen, aus diesem Herz hinaussteigen, um wieder bei uns zu sein.
Anschließend wurden auf allen Leinwänden Interviews und private Aufnahmen von hide mit den Bandmitgliedern von X gezeigt, bei denen es im Stadion ganz still wurde, Szenen, in denen er ein Telefon mit sich herumtrug und behauptete, es wäre ein „Keitaidenwa“ (Mobiltelefon – man erinnere sich, es ist immerhin mehr als 10 Jahre her und der Mobilfunk war noch nicht so weit entwickelt). Natürlich hat es absolut nicht funktioniert, aber die Aufnahmen waren einfach herrlich und absolut typisch für hide.
Es folgten Piano Solo (Das arme Klavier, aber das ist ja nichts Neues mehr ^^), Without You und Kurenai. Und dann war mit einem Mal die Bühne leer, nachdem Yoshiki noch Konzerte in Japan und Taiwan angekündigt hatte. Nach nur sieben Liedern, und dabei waren die üblichen Publikumsrenner wie „Endless Rain“ und vor allem „X“ noch gar nicht gekommen! Irgendwie wollte keiner wirklich glauben, dass X-Japan jetzt echt schon gegangen waren. Gut, einige haben es wohl doch geglaubt und sind nach Hause gegangen, aber die haben sich wahrscheinlich später grün und blau geärgert. Denn vielleicht 20 Minuten später, nachdem man echt alles von Rufen über Klatschen bis hin zu Laolawellen versucht hatte, um sie wieder auf die Bühne zu locken, waren sie tatsächlich wieder da. Und das war nicht alles, denn nun ging der Spaß erst richtig los!
Denn jetzt wurden die harten Geschütze aufgefahren. Jetzt endlich kam Endless Rain (Ihr glaubt gar nicht, WIE lange ich auf diesen Augenblick gewartet habe… Endlich mal mit Toshi singen *haaaach*), und nachdem das nach über einer Viertelstunde vielleicht doch ein *bisschen* seinen Reiz verloren hatte, wurden wir brühwarm mit I.V. vom neuen Album konfrontiert, und durften natürlich auch wieder alle mitsingen. Exklusiv hier der Teil der Lyrics, an den ich mich noch erinnern kann. (Kann aber nicht 100% Richtigkeit garantieren)
(In the rain) I’m calling you, dear
(To find a way) Can’t you see me standing right here?
(Feel my pain) Life is bleeding from fear
(To find its way) I will give it straight from my vein
War das genial! Insbesondere als Toshi sich irgendwo verhaspelt hat ^______^. Und als danach plötzlich Yoshiki zu hides Gitarre (die gelbe mit den Herzchen) griff und PINK SPIDER in einer Aufstellung gespielt wurde, die die Welt noch nicht gesehen hat, gab es echt kein Halten mehr. X-Japan und LUNA SEA haben gemeinschaftlich das Stadion gerockt! (Gesang: Toshi, Ryuichi – Gitarren: Yoshiki, Pata, Sugizo, Inoran – Bass: Heath, J – Schlagzeug: Shinya)
Anschließend gab es das gleiche Spiel noch mit LUNA SEA’s BELIEVE, nur dass Yoshiki diesmal am Schlagzeug saß und dafür Shinya dessen Part an der Gitarre übernommen hat. Erstaunlich vielseitig die Jungs, muss ich mal sagen.
Beim großen Finale (drei Mal dürft ihr raten zu welchem Song – richtig, X!) standen dann irgendwie so viele Leute auf der Bühne, dass ich irgendwann den überblick verloren habe. Ganz sicher bin ich mir bei X-Japan, LUNA SEA, Mucc, Versailles, T.M. Revolution ( hatten beide am Samstag gespielt) und LADIES ROOM (Da war er wieder, der Hintern n__.__n) Und bei jeder Menge Fahnen, deren Text ich leider bei dem ganzen Gewusel nicht lesen konnte.
Die Stimmung war gigantisch, das Stadion tobte, sang, sprang und winkte, nicht zu vergessen die Leuchtstäbe, die paarweise immer toll ein X bildeten. Schöner kann man sich den Abschluss eines solch traurigen Jubiläums wirklich nicht vorstellen.
Da in der Zwischenzeit auch schon mindestens ein Bericht über das Summit im TV lief, existieren endlich auch ein paar Videos davon auf Youtube. Eins davon könnt ihr hier sehen und euch selbst ein Bild machen.
Abschließend kann man sagen, dass es wohl das passendste Abschiedsgeschenk war, dass man jemandem wie hide nach all diesen Jahren machen konnte. Es war beeindruckend, wie lebendig die Erinnerung an ihn jetzt noch ist und mit wie viel Begeisterung und Organisation das ganze Event ablief. Es war eine gigantische Party, ein logistisches Meisterwerk, ein Konzert der Extraklasse, es diente auch noch einem guten Zweck.
Auf jeden Fall hätte hide selbst seine helle Freude daran gehabt.
Und vielleicht hatte er das auch.
Ever Free…
Eine komplette Liste aller Songs, die gespielt wurden, findet ihr hier für Samstag und hier für Sonntag.
Leider hatte ich ein paar arge Probleme mit meiner Internetverbindung, darum hatte ich jetzt wirklich keine Zeit mehr, um zum letzten Teil ein paar Bilder einzubauen. Das schaffe ich aber bis kommendes Wochenende.
letztes Update am 25. Mai 2008