harinezumiHallo, ihr Lieben. Ich bin’s mal wieder, und wie versprochen heute mit ein paar Hintergrundinformationen zum zwoten Platz der Feiertage für Verliebte, dem White Day.
Die Igelchen dienen nur der Veranschaulichung, genau so gut hätte ich auch jede andere Süßigkeit an ihre Stelle tun können, aber dazu später mehr.

Zuerst einmal wieder zur japanischen Schreibweise des Feiertags, diesmal gibt es glücklicherweise nicht ganz so viele verschiedene Variationen wie beim Valentinstag. Es gibt genau zwei, und die sind bis auf ein Leerzeichen sogar identisch:
ホワイト・デー (HOWAITO_DEE)
ホワイトデー (HOWAITODEE)

Grundsätzlich geht es an diesem Tag darum, dass die japanischen Männer sich für die Geschenke, die sie einen Monat zuvor von den Frauen und Mädchen bekommen haben, bedanken. Und wie macht man das am Besten? Genau, mit Geschenken!
Eine genaue Zahl gibt es zwar nicht, aber angeblich soll das Geschenk des Mannes mindestens 5 mal soviel wert sein wie das der Frau (Mädels, seid also nicht so geizig ^^) – was das bedeutet, wenn man für die Zubereitung der Valentinstagsschokolade selbst in der Küche gestanden hat, liegt auf der Hand, oder? Das ist doch eigentlich unbezahlbar!

Es ist übrigens ein im „Westen“ weit verbreiteter Irrtum, dass der White Day irgendetwas mit weißer Schokolade zu tun hat. Vielleicht hatte er das ursprünglich mal, aber in der Zwischenzeit ist so ziemlich alles erlaubt, was schmeckt, von Keksen bis zu Luxuspralinen oder sogar Schmuck. Auch sieht man – trotz der berühmt-berüchtigten Berührungsscheu der Japaner – besonders an diesem Tag immer mehr Pärchen, die Händchen halten.
Ach, da kann ich an dieser Stelle gleich mal auf die verschiedenen Stufen des Pärchendaseins eingehen, gute Idee!
Stufe 1:  einfaches Nebeneinanderherlaufen, verlegene Blicke, vielleicht zufällig laufen beide im Gleichschritt, er trägt eventuell sogar ihre Tasche – diese zwei sind zwar mit Sicherheit verliebt, u.U. hat aber noch keiner den ersten Schritt gemacht.
Stufe 2: die kleinen Finger sind schon miteinander verhakt, wenn er brav ist, muss er natuerlich wieder ihre Tasche tragen – diese zwei sind auf jeden Fall schon länger zusammen, hatten schon mehrere Dates und nennen sich im besten Fall sogar schon beim Vornamen.
Stufe 3: Händchenhalten, ob nur die Hände oder gar die Finger verflochten sind, spielt kaum eine Rolle. Dass die zwei ein Paar sind, ist nicht nur offensichtlich, sondern unbestreitbar.  Freunde nehmen einander nicht bei der Hand, und auch beste Freundinnen tun das nur, wenn sie wirklich ausgelassen sind (z.B. unter Alkoholeinfluss ^^) Dies ist eigentlich wirklich schon die oberste Stufe, es gibt nur noch eine, die von noch mehr Vertrautheit zeugt:
Stufe 4: sie hat sich bei ihm eingehakt (und ja, natürlich kann er immer noch ihre Tasche tragen) – diese Geste ist nur sehr selten zu sehen, und manchmal – weil man es eben nicht jeden Tag macht – sieht man es auch verkehrt herum, also dass er sich bei ihr eingehakt hat.  Aber das ist egal, die geste zählt. Und es gibt wohl nichts, was einen Mann hier glücklicher macht als wenn „SIE“ zufrieden den Kopf an seine Schulter lehnt, oder?

Das lässt man(n) sich eben auch einiges kosten. Hier beinhaltet das traditionelle Rollendenken nämlich auch, dass ein Mann einer Frau etwas bieten kann. Schließlich werden ziemlich viele Mädchen nach der Hochzeit zu Hausfrauen und kümmern sich um die Kinder, da sollte der Familienvater schon in der Lage sein, alle allein versorgen zu können.
Aber selbst wenn es nicht auf eine Heirat hinauslaufen sollte, glauben in diesem Land sehr viele Männer, dass sie die Liebe einer Frau mit Geschenken kaufen bzw. vergrößern können. Ob das stimmt? Nun, das müsst ihr Jungs schon selbst fragen, aber ihr könnt es ja mal ausprobieren.

Hmmm, jetzt bin ich ganz schön vom Thema abgekommen. Eigentlich wollte ich doch noch sagen, dass der White Day vielleicht einfach nur White Day heißt, weil er das Gegenstück zum Tag der (dunklen) Schokolade ist.

Wenn ihr mehr wisst, schreibt mir doch einfach einen Kommentar. Bei Fragen auch, die leite ich dann schnell an meine Freunde und Bekannten weiter.

In Korea gibt es übrigens am 14. April noch den „Black Day“, an dem dann alle, die weder am Valentinstag noch am White Day irgendetwas bekommen haben, in ein chinesisches Restaurant gehen und dort ihr Singledasein betrauern, indem sie schwarze Nudeln essen. (Nein, keine angebrannten, die sind mittels einer bestimmten Algenart eingefärbt)
Dabei kann man eigentlich gleich die netten Singles aus der Nachbarschaft kennen lernen, dann bekommt man vielleicht am kommenden Valentinstag etwas. Eine nette Idee!

Advertisements

Ja, heute ist Valentinstag, und auch an Japan ist dieses Fest der Verliebten nicht spurlos vorbei gegangen. Und wenn man genauer hinschaut, findet man die verschiedensten Schreibweisen für diesen Feiertag:
ヴァレンタイン・デー (VARENTAIN DEE)
ヴァレンタインデー (VARENTAINDEE)
ヴァレンタイン (VARENTAIN)
バレンタインデー (BARENTAINDEE)
バレンタインディー (BARENTAINDII)
バレンタイン・ディー(BARENTAIN DII)
バレンタイン (BARENTAIN) oder
愛の日 (ai no hi – Tag der Liebe – meine Lieblingsvariante, weil sie am wenigsten Platz braucht)

Während es aber in „westlichen“ Ländern meist mit Grußkarten, Pralinen, Blumen und einem romantischen Dinner zu zweit einhergeht, haben es nur die Pralinen bis nach Japan geschafft.
Gemunkelt wird, dass Süßwarenhersteller Morinaga seine Finger im Spiel hatte, als man dieses doch sehr kommerzorientierte Fest im Jahr 1960 vermutlich aus Amerika übernahm. Aber interessanterweise hat sich die Bedeutung des Valentinstags in Japan in eine andere Richtung verschoben, denn wo in Ländern wie Deutschland oder den USA im Durchschnitt die Männer doppelt soviel für Präsente ausgeben wie die Frauen, gibt der Durchschnittsjapaner gar nichts aus. Ihr habt richtig gelesen: null Komma nichts.
Warum?
Weil es die Aufgabe der Frau ist, dem Mann etwas zu schenken. Und das ist in 99.9% der Fälle eine Form von Schokolade (auf Japanisch: チョコレート- CHOKOREETO).
Am Besten eignet sich dafür natürlich etwas, das man mit viel Liebe selbst gemacht hat. Dazu gibt es dutzende von Pralinen-Selbstmach-Mischungen in den Regalen der Supermärkte, außerdem natürlich Förmchen und Schachteln, in die man dann alles liebevoll verpacken kann.
Weil aber die typische Officelady kaum die Zeit hat, um Stunden in der Küche zu verbringen, sind Supermärkte, Shoppingcenter und sogar Bahnhöfe schon ab den letzten Januarwochen mit Ständen voll Pralinen, Konfekt, Parfaits und allen erdenklichen Schokoleckereien auf die schenkwilligen Damen vorbereitet. Es gibt sogar spezielle Valentins-Eissorten! Die Preise kennen nach oben hin keine Grenzen – und was diese aufwändigen Pralinenmischungen an Müll verursachen, will ich mir lieber gar nicht vorstellen.
Denn: man schenkt nicht nur dem Herzallerliebsten etwas, sondern so ziemlich jedem männlichen Bekannten, den man hat. Glücklicherweise muss es für „einfache“ Bekannte aber keine handgemachte Schokolade mehr sein.
Kollegen bekommen zum Beispiel giri-choko (義理チョコ – giri ist das Pflichtgefühl). Das Gegenstück dazu ist die honmei-choko (本命チョコ – honmei = Siegesanwärter/Favorit), die nur der Geliebte bekommt. Aber zum Trost, weil man als Mädchen ja die ganze Arbeit hat und sonst gar nichts dafür bekommen würde (wo doch alle wissen, wie sehr Frauen Schokolade lieben), gibt es noch die tomo-choko (友チョコ –tomo = Freund), die man guten Freunden und (na Gott sei Dank!) Freundinnen gibt.
Wie ihr seht, ist das entweder ziemlich aufwändig oder ziemlich kostspielig. In jedem Fall profitiert die Süßwarenindustrie von dem riesigen Wirbel, der um den Valentinstag gemacht wird.

Aber damit ist es noch nicht vorbei, denn: am 14. März geht der Rummel wieder von vorne los. Dann ist es nämlich die Aufgabe der Männer, sich bei den Frauen zu bedanken bzw. dem Mädchen, das ihnen vielleicht am 14. Februar seine Liebe gestanden hat, zu sagen, dass man diese Gefühle erwidert.
Das tut man mit weißer Schokolade, aus diesem Grund wird dieser Tag auch White Day genannt.

Viel mehr kann ich euch leider noch nicht zu diesem Thema sagen. Aber wenn ich mehr dazu herausfinde, könnt ihr das am 14. März hier nachlesen.

Am 3. Februar ist setsubun, eines der für Nichtjapaner vielleicht rätselhaftesten Feste überhaupt. Denn der Hauptbestandteil dieses Festes ist ein Ritual mit dem Namen mamemaki (豆撒き – Bohnenverstreuen), bei dem das Familienoberhaupt geröstete Bohnen aus der Haustür wirft. Manchmal wirft man sie auch auf einen als oni (鬼 – Dämon, Teufel) verkleideten Nachbarn oder Großvater (oder ein anderes Familienmitglied), was in einem Riesenspaß für die jüngsten Familienmitglieder endet.

Aber wozu das Ganze? Mit dem Märchen von Jack und der Bohnenranke hat es jedenfalls nichts zu tun.

Eigentlich ist es ganz einfach. Ursprünglich beschrieb das Wort setsubun den letzten Tag einer Jahreszeit, es gab also vier davon im Jahr. Im Lauf der Zeit verloren aber scheinbar die anderen drei an Bedeutung, sodass sich der Begriff heute fast ausschließlich auf das Frühjahrs-setsubun bezieht. Man kann es gewissermaßen als eine Art Silvester ansehen, begleitet von einem besonderen Ritual um das Böse des Vorjahrs abzuwaschen und schlimme Geister, die einen vielleicht im kommenden Jahr mit Krankheiten oder anderem Unglück heimsuchen könnten, fernzuhalten.
Traditionsgemäß ist es Aufgabe des toshiotoko (der Mann, der laut Chinesischem Kalender im gleichen Jahr geboren ist, im Moment wäre es also jemand, der im Jahr des Ochsen geboren ist) oder des Familienoberhaupts, die Bohnen aus der Tür zu werfen. Dabei, oder wenn man gemeinsam den verkleideten Nachbarn bewirft, rufen alle gemeinsam:

„Oni wa soto! Fuku wa uchi“

(鬼は外! 福は内! – etwa: „Dämonen raus! Glück rein!“) Das Ganze dient also dazu, das Haus von Unglück zu reinigen.
Und damit das Glück am Ende auch wirklich kommt, werden anschließend Bohnen gegessen, und zwar von jedem genau so viele, wie man in Jahren alt ist. Mitunter isst man auch eine Bohne mehr – für das Jahr, was noch kommt.
Normalerweise handelt es sich übrigens sowohl bei den getrockneten als auch bei den Bohnen, die am Ende gegessen werden, um daizu (大豆- Sojabohnen), also den Bohnen, aus denen man auch Sojasoße, Miso, Natto und Tofu macht.

In Tempeln und Schreinen werden landesweit – meist vormittags – Festlichkeiten anlässlich des setsubun abgehalten, die meist darin bestehen, dass Priester und eingeladene Gäste mit Bohnen (manche in Gold- oder Silberpapier), Umschlägen mit Geld, Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten werfen, die man als Besucher natürlich fleißig einsammelt. Ich habe es leider verpasst, aber lasst euch dieses Spektakel nicht entgehen, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt. Zusätzlich dazu verkauft jeder Supermarkt oder Kombini Bohnen, Knabbereien mit Bohnen und Oni-Masken aus Papier oder Kunststoff, damit auch wirklich alle in Stimmung kommen.

Leider verliert dieses Fest aber – trotz Fernsehshows mit Stars, Sternchen und sogar Sumoringern – langsam immer mehr an Bedeutung, erklärte mir meine Freundin Sakura. Da es kein Feiertag ist und alle ganz normal zur Arbeit gehen, wird es so von vielen Japanern vergessen. Oder es geht anscheinend im Rummel um den immer wichtiger werdenden Valentinstag ganz unter.

In diesem Sinne, helft mit, dass das Bohnenfest nicht ausstirbt! Malt für den 3. Februar eine Bohne in euren Kalender, bastelt eine Maske und fangt an, zu werfen!

P.S. Sorry, diesmal kein Foto. Aber ihr bekommt noch ein Bild, versprochen!

Ja, besser spät als nie, ein ganz herzliches Frohes Neues Jahr an alle!

Ich weiß ja, ihr wolltet unbedingt etwas über Weihnachten lesen, aber ein Beitrag darüber wäre wohl im Vergleich zu Weihnachten in Deutschland ziemlich trostlos geworden. Kein Schnee, so gut wie keine Kerzen, Tannenbäume nur in Ausnahmefällen – und Feiern im Kreis der Familie schon gar nicht, das gibt es hierzulande nämlich schon zum Jahreswechsel.

Und für die armen Irren, die an Silvester nicht ihre Familie besuchen gefahren sind, gibt es ja glücklicherweise noch Restaurants und andere Lokale, in denen man feiern kann – in einem davon habe ich die große Ehre zu arbeiten.  (übrigens seit Heiligabend ohne wirkliche Unterbrechung, das erklärt wohl auch, warum ich darüber nichts berichtet habe)

Tja, und weil ich leider gerade keine Familie hier habe, mit der ich den Jahreswechsel auf traditionelle Art begehen könnte, erzähle ich euch einfach, wie es in „meinem“ Restaurant abgelaufen ist.
Zuerst einmal schien nicht viel anders zu sein als an einem normalen, eher wenig besuchten Arbeitstag. Um 11.30 Uhr, meiner normalen Nach-Hause-Geh-Zeit (weil ich ansonsten den letzten Zug verpasse), eröffnete mir der Chef, dass in der Silvesternacht ja alle Bahnen fahren würden und ich also bleiben müsste/dürfte/könnte, mindestens bis alle Soba gegessen haben.

Mentale Notiz: Es gibt Soba, um das neue Jahr zu eröffnen. Nudeln bringen ja bekanntlich Glück und ein langes Leben. Beim Essen (besonders an Neujahr) sollte man unbedingt darauf achten, sie zu schlürfen und auf keinen Fall abzubeißen, weil man ja nicht sein Leben unnötig verkürzen will.

Vielleicht 15 Minuten vor Mitternacht kamen die Partyhütchen. Stellt euch einfach Schneewittchens 7 Zwerge mit Glitzereffekt vor, dann wisst ihr, was ich meine =^^=
Die obligatorischen Partycracker (leider ist das Foto nichts geworden, aber ihr habt sie garantiert schonmal in einem Manga oder Anime gesehen, das sind diese spitzen, vielleicht 6cm langen „Tütchen“, an deren Ende ein Band ist, und wenn man daran zieht, kommen mit einem *PLOPP!*  Luftschlangen raus. In Deutschland gibt es diese Sektgläschen, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren.
Tja, und am Ende war es gar nicht so anders als man erwartet. Alle hatten ihre Hütchen auf, das Licht wurde gedimmt, man hat zusammen den Countdown runtergezählt und dann gemeinsam die Cracker geploppt. Anschließend gab es ein großes Händeschütteln und Austauschen von Neujahrswünschen, und natürlich ein Fotoshooting.
Und dann (endlich) die lang erwarteten Soba. Ich muss schon sagen, dafür, dass er eigentlich ein deutsches Restaurant führt, kann mein Chef ausgezeichnet Japanisch kochen! (lasst euch das von jemandem gesagt sein, der eigentlich gar nicht so gern Soba mag)
Es hat dann nur bis ca. 1:30 gedauert, bis ich mich dann doch loseisen konnte um nach Hause und in mein Bett zu kommen. Die Bahnen sollten ja die ganze Nacht fahren. Alle?
Nein, alle, bis auf ein kleines gallisches Dorf – *Sorry* Also alle, bis auf eine eigentlich nicht wirklich kleine Bahnlinie im Nordwesten Tokyos. Also mal ehrlich, liebe Seibu Line, war das wirklich nötig, die Leute in der Silvesternacht bis 4:30 Uhr auf den ersten Zug warten zu lassen?
Aber gut, es ist ja nicht so, dass man auf einem kalten Bahnsteig hätte herumstehen müssen, immerhin gibt es ja noch Bahnbetreiber, die wissen, was das Wörtchen Service bedeutet. Was nicht heißen will, dass ich schneller nach Hause gekommen wäre, aber ein warmer Sitzplatz in der Yamanote-Line hat doch auch was für sich. (Die braucht übrigens exakt eine Stunde um einmal ihre Runde um Tokyo zu fahren, vorausgesetzt es ist nicht gerade Rush Hour)

Jetzt noch ein paar Hinweise für die Tage vom 1. bis zum 4. Januar:
– vor dem Mittag nichts schneiden, Messer, Scheren und Cutter sind absolut tabu. Vorkochen oder im Restaurant essen ist die Devise!
– Die Stäbchen, mit denen man am 1. Januar isst, dürfen bis zum 4. Januar nicht abgewaschen werden
– Banken, Postfilialen und viele Büros schließen bereits am 31.12. – erledigt eure Geschäfte also besser vorher
– „Frohes Neues Jahr“ heißt auf Japanisch „明けましておめでとうございます“ (Akemashite omedetou gozaimasu)


In diesem Sinne, herzlich Willkommen im Jahr des Ochsen (うし – „ushi“), 2009!

Home Sweet Home

September 17, 2008

Worauf man bei der Suche nach einer Unterkunft achten sollte…

Dass Wohnungen in Tokyo teuer sind, ist ja bekannt. Aber nicht nur das, es gibt auch noch einige Tricks, mit denen sich potenzielle Vermieter noch mehr von eurem Geld erschleichen wollen als ihnen zusteht. Wie? Das und noch etwas mehr erfahrt ihr hier.

Seiten, die billige Unterkunft in Tokyo oder anderen großen Städten Japans versprechen, gibt es wie Sand am Meer. Wenn ihr nur ein Hotel oder ein Ryokan (Gasthaus im japanischen Stil) sucht, dann reicht normalerweise ein einfacher Vergleich der Übernachtungspreise und der darin enthaltenen Extras (sind z.B. Besuch des hauseigenen Bads/Onsen im Preis enthalten, was kosten die Mahlzeiten, etc.)

Wenn ihr aber länger an einer Stelle bleiben wollt, empfiehlt es sich, nach einem Guesthouse (Gasthaus) oder einem Hostel (Jugendherberge) zu suchen. Beide gibt es sowohl im japanischen Stil mit Tatamizimmern und Futon als auch im westlichen Stil mit (Doppelstock-)Bett. Man hat die Wahl zwischen Einzel- und Mehrbettzimmern (in denen man auf Wunsch auch allein wohnen kann, gegen Aufpreis); Küche, Aufenthaltsraum und sanitäre Einrichtungen teilen sich alle Bewohner der Wohneinheit.

Gasthäuser berechnen ihre Zimmerpreise meist auf Monats-, manchmal auch auf Wochenbasis. Sollten einzelne Übernachtungen möglich sein, dann sind diese in den meisten Fällen günstiger als die Übernachtung in einem Hostel, wo die Übernachtungspreise gewöhnlich bei ca. 20 Euro losgehen. Überlegt euch aber vorher gut, ob ihr das wirklich wollt. In einem Hostel gibt es nämlich z.B. Frühstück, in einem Guesthouse ist man für die gesamte Verpflegung selbst verantwortlich. Außerdem wohnen in einen Guesthouse normalerweise mehr Einwohner für einen längeren Zeitraum, aus diesem Grund ist unter Umständen der Grad an Ordnung und Sauberkeit ein paar Nuancen schlechter.In den meisten Fällen ist ein Guesthouse zumindest die preiswertere Variante, wenn man nicht stundenlange Bahnfahrten in Kauf nehmen will. Die Monatsmieten liegen ungefähr zwischen 300 und 600 Euro.

Wem das immer noch zu teuer ist, der sollte sich für eine sogenannte Crib entscheiden. Dabei mietet man lediglich ein „Zimmer“ in der Größe einer Tatamimatte, also 178×88 cm. Ein kleiner Lichtblick: Wandschränke werden normalerweise nicht zur Größe des Zimmer gerechnet, es bleibt also auch noch Platz für euer Gepäck und um den Futon und das restliche Bettzeug zu verstauen. So eine Schlafnische bekommt ihr schon ab ca. 220 Euro im Monat.

Jetzt zum eigentlichen Knackpunkt, also dem Teil, auf den ihr vor der Buchung achten solltet. Es gibt nämlich immer wieder Anbieter, die irgendwelche dubiosen Zusatzkosten von euch wollen. Das sind beispielsweise:

  • Schlüsselgeld (muss bei Empfang des Schlüssels bezahlt werden, ist keine Kaution)

  • Bearbeitungsgebühren (einfach nur albern)

  • Sicherheitsgebühren (genau so albern)

  • Reinigungsgebühren (für die Reinigung vor der Ankunft und/oder nach der Abreise)

  • Kaution (wird nur selten vollständig zurückgezahlt)

  • Nebenkosten (z.B. für Strom, Wasser, Klimaanlage, Internet, Fernsehen, etc.)

  • Nutzungsgebühren (z.B. für Kühlschrank, Fernseher, Herd, etc.)

  • Bettwäschegebühr

Es ist wahrscheinlich unmöglich, vollkommen ohne Zusatzkosten auszukommen, aber man kann zumindest versuchen, sie so gering wie möglich zu halten. Manchmal zählt die Matratze bzw. das Lattenrost oder der Futon mit zur Bettwäsche, fragt also besser vorher nach, bevor ihr Kissen und Decke mitbringt und dann auf dem Fußboden schlafen müsst. >.<

Weitere versteckte Kosten sind Sachen wie Münzwaschmaschinen, Münzduschen und Münzklimaanlagen (ja, auch so etwas gibt es). Dafür braucht man prinzipiell 100-Yen-Münzen, je nach Gerät unterschiedlich viele (Dusche z.B. 100 Yen für 10 Minuten, Waschmaschine z.B. 400 Yen pro Ladung)

Und wenn ihr euch nach diesem ganzen Kuddelmuddel endlich für eine Unterkunft entschieden habt, überlegt euch mal, ob ihr vielleicht auch mal Freunde mit ins Zimmer nehmen wollt. Die meisten Anbieter dulden es zwar, wenn man Besuch mitbringt, allerdings sollte dieser besser nicht übernachten. Informiert euch besser vorher, ob Übernachtungen prinzipell möglich sind und was sie kosten.

Gezahlt wird üblicherweise im Voraus für den kommenden Monat.

Ach, noch ein kleiner Hinweis: Häuser mit maximal drei Stockwerken sind sehr oft fast vollständig (also mit Ausnahme der Fenster ^^) aus Holz gebaut. Wer also keine Lust auf eine Liveübertragung des Privatlebens seines Zimmernachbarn hat, dem seien Ohrstöpsel wärmstens empfohlen.

Also dann, bis zum nächsten Mal! Ittekimasu (ich gehe und komme wieder)!

Ein virtueller Gruß

September 11, 2008

Heute mache ich mal keine großen Worte, sondern lasse Bilder sprechen. Was euch erwartet sind einige meiner Fotos, die ich für gut genug hielt, dass man sie als Desktophintergrund nutzen kann.


Ihr könnt diese Fotos gern herunterladen, speichern und weitergeben. Vergesst aber nicht, dass das Copyright bei mir liegt. Solltet ihr sie also irgendwo anders verlinken wollen, dann bitte nur unter Angabe der Herkunft, also https://vevaliyah.wordpress.com

Veröffentlichungen in Printmedien sind nur mit meiner ausdrücklichen Erlaubnis gestattet.

Und jetzt viel Spaß beim Gestalten eures Bildschirms!

Dies ist die Geschichte eines japanischen Familienvaters. Eines stolzen japanischen Familienvaters. Denn heute war der große Tag.
Nach Monaten des Wartens und Hoffens, nach t
äglichem Gießen, Kämpfen mit allen möglichen gefährlichen Fressfeinden und letztendlich der Errichtung eines Schutzschilds, war es heute endlich soweit: Sie wurde geerntet. Sie, die erste Wassermelone, die jemals in diesem Garten gewachsen war.

Wassermelonen sind ja in Japan schon seit Langem sehr beliebt. Man kann Badeschwämme kaufen, die aussehen wie ein Stück Wassermelone, sie sind aus keinem Shojo-Manga oder Artbook wegzudenken, man kann Bälle in Wassermelonen-Optik kaufen, es gibt Eis und Getränke in dieser Geschmacksrichtung und natürlich ist da auch auch das allseits beliebte Spiel, bei dem man Kindern die Augen verbindet und sie mit einem Stock (ein Besenstiel reicht auch) in der Hand auf die arme, hilflose Wassermelone loslässt. Dieses Spiel funktioniert aber nur, wenn die Melone richtig reif ist. Wenn man dann die richtige Stelle trifft, sorgt der Druck in der Wassermelone selbst dafür, dass sie platzt bzw. zerfällt. Die sterblichen. Überreste werden dann selbstverständlich mit Freunden oder Familie vertilgt.
Hier hei
ßt die Wassermelone übrigens suika (水瓜), überraschenderweise zusammengesetzt aus den Kanji für Wasser und für Melone =^^=.

Jetzt aber zurück zu unserer Wassermelone. Man soll Wassermelonen ja normalerweise genau 85 Tage nachdem die Blüte abgefallen ist und eine kleine Kugel zurückgelassen hat ernten (war mir auch neu, ich dachte immer man hört beim Klopfen, ob sie reif ist). Wegen der vielen Fressfeinde (insbesondere Dangomushi 団子虫, Armadillidium vulgare, eine Art tagaktiver Kellerasseln, die übrigens auch unglaublich auf Gurken steht, was der Grund dafür ist, dass alle Gurkenpflanzen abgefressen waren, noch bevor sie auch nur zur Blüte gekommen sind) sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die winzigen Suika mit Gaze umwickelt und so geschützt werden sollten.

Tja, nur dass irgendwelche Tiere trotzdem rangekommen sind und die Mini-Suika nach vielleicht sechs Tagen trotzdem aufgefressen oder angefressen und schwarz geworden war. Aber bei aller Trauer um den Verlust, hatte es in der Zwischenzeit eine andere Blüte geschafft, eine Mini-Suika hervorzubringen. Die wurde nun natürlich gehegt und gepflegt, in ein handgemachtes Gaze-Säckchen gepackt (ja, von mir ^^) und immer wieder kontrolliert. Ihr ging es dann auch tatsächlich ganz gut, sie wuchs und gedieh in ihrem überdimensionalen Blumenkasten, bis sie irgendwann bei einem Durchmesser von ca. 12 cm aufhörte zu wachsen. Das könnte daran liegen, dass Melonen viel Platz brauchen und der Blumenkasten einfach nicht genügend Nährstoffe für weiteres Wachstum bieten konnte, oder daran, dass irgendjemand die Blätter der Pflanze eins nach dem anderen angefressen hat, bis schließlich sogar die Hauptranke braun wurde.

Aus diesem Grund mussten wir die Suika also heute gewisserma
ßen „noternten“. U
nd dabei hing immer die Befürchtung in der Luft, dass wir keine Wassermelone, sondern eine Gurke ernten würden, denn unreife Wassermelonen sind innen grün und schmecken in etwa so wie Gurken. Sind ja auch miteinander verwandt.
Tja, was wir am Ende geerntet haben, seht ihr ja auf dem Bild.
Und dass man auch aus scheinbar unwichtigen Dingen wie einer Melone eine lange Geschichte machen kann, seht ihr an diesem Eintrag -^.^-

Bis zum nächsten Mal!

Ja, es gibt sie auch hier. Unsere schwedischen Freunde haben es schon bis nach Asien geschafft und werden wohl noch die Welt erobern, wenn es so weiter geht. Aber in Japan hatten sie wohl einige Anlaufschwierigkeiten, denn eigentlich hatte Ikea Ende der 80er Jahre bereits versucht in Japan Fuß zu fassen.
Sagen wir mal, Japan war damals einfach noch nicht reif f
ür diese Form von Möbeln…

Mittlerweile kann IKEA hier aber positivere Bilanzen ziehen als damals und hat vor Kurzem bereits das dritte Einrichtungshaus eröffnen können. Und wenn ich Einrichtungshaus sage, dann meine ich ein ähnliches Modell, wie man es auch aus Deutschland kennt: ein großer, blauer Klotz mit gelbem Schriftzug und jeder Menge Parkplätze, mitten in der Landschaft. Aus Platzgründen steht der Klotz aber nicht in der Landschaft, sondern in diesem Fall in einem gut besiedelten Randgebiet von Yokohama, und die Parkplätze sind nicht davor, sondern in drei Etagen im angebauten Parkhaus.

Der Parkplatz ist übrigens morgens um 10:00 Uhr schon so voll wie man es in Deutschland vom verkaufsoffenen Sonntag her kennt, es dauert also ein *bisschen* länger, ehe man einen gefunden hat.

Und am Eingang begrüßt einen gleich das fröhliche „Hej da“, das in etwa so viel mit Japan zu tun hat wie Weißwurst oder die brasilianische Flagge… Aber man fühlt sich gleich ein wenig näher an zu Hause…

Die Möbelausstellung selbst unterscheidet sich dann kaum vom europäischen Sortiment. Der einzige gravierende Unterschied ist vielleicht, dass die aufgebauten Vorführräume ein wenig kleiner sind als bei uns, einfach weil man in Japan nur in den seltensten Fällen so viel Platz hat wie in einem Einrichtungshaus.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass es sehr sauber und ordentlich war und alle paar Meter an strategisch wichtigen Punkten Spielecken für die Kinder eingerichtet waren. Zwar hat auch in Japan jede Filiale ein Småland, aber bei den Mengen an Besuchern reicht das bei Weitem nicht für alle Kinder aus.

Kommen wir mal zum interessanteren Teil, nämlich dem Essen, was ja in Deutschland schon ein Thema für sich ist, nach Kottbullar-Skandal und allem. Die Spielecke hier war übrigens erstaunlich langweilig. Wie viel Spaß macht auch eine Tischplatte mit Eisenbahngleisen, wenn kein Zug dazu da ist…
Erstaunlicherweise erfreut sich die schwedische K
üche hier einer kaum in Worte zu fassenden Beliebtheit. Schon um 11:20 Uhr waren die Schlangen an der Essenausgabe so lang, dass ich am liebsten sofort wieder umgedreht wäre. Aber so hatte ich wenigstens genug Zeit für ein Foto der Speisekarte. Das einzige, was es davon mit Sicherheit nicht in Europa gibt, dürfte der Macha-Latte sein. Das ist mal grob ausgedrückt ein Grüntee-Milchshake. Allerdings gab es den in dieser Filiale aus irgendwelchen Gründen auch nicht. Zwar irgendwie seltsam, aber da kann man nichts machen.

Habt ihr eigentlich auch den Eindruck, dass die Preise niedriger sind als in Deutschland? Nicht nur was das Essen betrifft, auch die Möbel und anderen Sachen. Oder gab es schon mal Tassen für 12 Cent?

Aber bei aller Perfektion und allen tollen Angeboten ist man auch in Japan nicht vor Rechtschreibfehlern gefeit. Ich wüsste ja zu gern, ob das mal irgendjemand bemerken und korrigieren wird…

Ach, und noch ein kleiner Hinweis: Die japanische IKEA-Family-Card ist exakt die gleiche, die es in Deutschland auch gibt. Wahrscheinlich ist diese Karte weltweit einheitlich. Solltet ihr also vorhaben bei eurem Japanbesuch bei IKEA vorbei zu schauen, packt ruhig eure deutsche Family-Card ein. Und dann ganz viel Spaß beim Rücktransport der Möbel.
>________________<


Heute mal ein Titel, mit dem wohl fast niemand etwas anfangen kann. N
ämlich Hidamari no Tami 日だまり; ひだまり, 日溜まり; 陽だまりの民. Kurz: Flip-Flap (diese Bezeichnung ist eine Erfindung meines Gastvaters, passt aber auch ausgezeichnet, finde ich)
Wie ihr schon seht, gibt es die verschiedensten Arten um
Hidamari zu schreiben, aber sie haben alle die gleiche Bedeutung: einen sonnigen Fleck oder eine Stelle, an der die Sonne scheint. Tami bedeutet schriftsprachlich sowohl Volk, Nation als auch Untertan.
In der englischen Variante kennt man sie auch als
Sunshine Buddies.
Und wovon rede ich hier die ganze Zeit? Von einem kleinen Wesen aus Hartplaste, das mit Hilfe einer noch kleineren Solarzelle genug Sonnenenergie umwandeln kann, um einfach nur langsam und gemütlich mit dem Kopf zu wackeln.
Dabei tut es nichts weiter als unglaublich niedlich auszusehen und den Betrachter dadurch vermutlich zu hypnotisieren ^^
Wer das mal ausprobieren will, der sollte sich Merc’s Video ansehen.
Diese Wesen werden von der japanischen Firma
K.K. Takara-Tomy (株式会社タカラトミー ) aka TOMY hergestellt und sind der absolute Verkaufsschlager in Touristenshops von Akihabara bis Asakusa. Normalerweise kosten sie zwischen 1600 und 2500 Yen, je nach Ausführung, Kopf-wackel-Geschwindigkeit und Ladenkette. Es gibt sie in den verschiedensten Varianten, von Katzen bis hin zu Geishas, Samurais oder Pikachu. Gemeinsam haben sie alle die Solarzelle, die sozusagen zu ihrer Bezeichnung verholfen hat, denn sie sind eben das Volk der sonnigen Fleckchen.
Und weil ich heute keine Lust habe, euch mit Tomys Firmengeschichte zu langweilen, mache ich jetzt einfach Schluss. Ich Kann ja nicht jedes Mal so einen Monstertext schreiben, oder? =^_^=

Freut euch aufs nächste Mal 🙂

Der Klang des Sommers

Semi (). In jedem Anime mit etwas Realitätsbezug kann man sie hören. In Manga wird das Geräusch, das sie von sich geben, genutzt um Stille darzustellen (しーーんauch wenn es alles Andere als leise ist). Und es gibt sogar ein Kinderlied über sie, das ihr hier anhören könnt. Es nennt sich „Semi no Uta“, also „Lied der Semi“ (Aber bitte wegen des Copyrights nach 24 Stunden wieder von der Festplatte löschen)
Sie sind die japanische Antwort auf das, was bei uns als Zikade bekannt ist und gewissermaßen das Gegenstück zum Zirpen unserer Grillen. Aber wirklich etwas über sie zu schreiben, gestaltet sich als ganz schön schwierig, besonders weil man sie auch kaum zu Gesicht bekommt.
Ziemlich genau nach Ende der Regenzeit – also mit Sommerbeginn – tauchen sie auf, nachdem sie sieben Jahre unter der Erde verbracht haben, und erf
üllen nicht nur ländliche Gegenden mit ihrem „Gesang“. Zwar ist dieser über weite Strecken zu hören, aber sobald sich ihnen jemand nähert, verstummen sie schlagartig und sind darum auch nicht zu finden.
Und damit nicht genug, es gibt n
ämlich sogar mindestens drei verschiedene Arten von Semi, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie wirklich korrekt voneinander unterschieden habe, die englische Wikipedia ist an dieser Stelle nämlich überfragt.

Hier mal eine kleine Tonprobe, bei der man zumindest zwei davon hören kann. Das gleichmäßige Kratzgeräusch (ssse—) im Hintergrund stammt von zahllosen „normalen“ Semi, das unterbrochene Zirpen (mi–mi–mi) von einer Nii-nii-zemi (にいにい蝉) und die Nebengeräusche vermutlich von einem amerikanischen Flugzeug im Landeanflug auf Atsugi sowie ein paar Krähen).
Die dritte Art von Semi, die nur am sp
äten Nachmittag singt (Tsuku-tsuku-ho–) trägt übrigens den passenden Namen „Tsukutsukubōshi“(つくつく法師), diese Form tritt aber erst im Spätsommer auf.

Was man von Semi zu sehen bekommt, sind ihre Panzer, die zurückbleiben, wenn sie sich häuten. Dieser hier stammt vermutlich von den einfachen Semi, wenn man davon ausgeht, dass die, die man am meisten hört, sich auch am meisten häuten, denn diese Panzer findet man mancherorts wirklich zu Dutzenden. Schon seltsam, dass sie sich dafür meist Stellen suchen, an denen man sie sehen kann, und ansonsten im Verborgenen sitzen. Aber wahrscheinlich hat das den Zweck, hungrige Vögel etc. abzulenken. Wer hat schon Appetit auf Chitinpanzer?

Ansonsten bekommt man Semi nur zu Gesicht, wenn sie nach einigen Wochen ihre Pflicht getan haben (Partnersuche, Eiablage) und das Zeitliche segnen. Dann sterben sie nämlich gewissermassen „wie die Fliegen“ und liegen überall herum.

Weil ich aber nicht so lange warten wollte und mir ausserdem eine Semi den Gefallen getan hat, gestern auf unserem Balkon zu liegen, konnte ich auch das dokumentieren.

Dieses Exemplar hier war aber ganz entgegen meiner Erwartungen noch nicht dahin geschieden, sondern war wahrscheinlich nur gegen die Balkontür geflogen und konnte sich nicht mehr aus seiner Rückenlage befreien. So hatte also meine Fotomanie auch ein Gutes, denn nachdem ich es für dieses hübsche Bild hier umgedreht hatte und das Tierchen dann mit der guten, alten Glas-und-Postkarte-Technik vom Balkon befördern wollte, ist es davongeflogen.

Wünschen wir ihm, dass es seinen Partner noch rechtzeitig findet, bevor es das nächste Mal – und dann wohl endgültig – auf dem Rücken liegt.

Und wünschen wir mir, dass ich nicht noch einmal so eine riesige Schreibblockade (auch bekannt als Faulheit) bekomme ^ .^‘.

P.S. Wer jetzt immer noch nicht genug von Semi hat, der kann ja mit dieser Anleitung mal eine basteln.